| Literature DB >> 34253933 |
Maren Goeckenjan1, Aileen Brückner1, Klaus Vetter2.
Abstract
Through rational antenatal care, it is possible to identify maternal and fetal risks at an early stage of pregnancy. These risks, which are detected by medical history and examinations, serve as the basis for further medical care and interventions in pregnancy and during birth. Studies show that maternal and fetal mortality and morbidity can be reduced by applying structured and comprehensive national prenatal care concepts. The World Health Organization (WHO) recommends at least eight antenatal controls. According to WHO guidelines, clinical documentation in the form of women-held case notes should be used to ensure good traceability of the medical examinations and findings in the individual pregnancy. For more than 50 years, antenatal care in Germany has been provided in a standardized and clearly structured manner and implemented nationwide. The established maternity document ("Mutterpass") and regular adaptations to the maternity guidelines form the foundation for this. This CME article presents international recommendations and publications focusing on the prenatal care, current developments in Germany, and controversies regarding antenatal care. © Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2021.Entities:
Keywords: Counselling; Diabetes, gestational; Guidelines; Pregnancy; Pregnancy, high-risk
Year: 2021 PMID: 34253933 PMCID: PMC8264485 DOI: 10.1007/s00129-021-04821-5
Source DB: PubMed Journal: Gynakologe ISSN: 0017-5994



| WHO-Empfehlungen [ | Richtlinien in Deutschland [ |
|---|---|
– Beratung zu ausgewogener Ernährung Normalisierung des Körpergewichts und ausreichender körperlicher Bewegung – Nahrungsergänzung: Folsäure 400 µg, Eisen, ggf. auch als intermittierende Gabe, Kalzium* und Vitamin A‑Substitutiona – Beratung zu Sucht (Koffeina, Nikotin, Alkohol, Drogen) und Interventionen – Befragung zu Gewalterfahrungen und Interventionena – Planung der Entbindung | – Beratung gemäß Schwangerschaftskonfliktgesetz – Ernährungsmedizinische Empfehlungen, Substitution von Jodid (100–200 µg pro Tag) – Beratung zu allgemeiner Hygiene und Mundgesundheit – Beratung zu sexuellen Fragen, zur Arbeitssituation und zu Reisen – Beratung zu genetischen Risiken, ggf. Weiterleitung – Beratung zu HIV-Infektion bzw. AIDS-Erkrankung – Verweis auf regionale Unterstützungsangebote („frühe Hilfen“) – Planung der Entbindung |
– Selbstbeobachtung mit Zählen des täglichen fetalen Bewegungsprofilsa – Messung des Symphysen-Fundus-Abstandesa – Blutdruckmessung – Blutbild, Hämoglobin-Bestimmungena – Urinuntersuchung mit Urinkultur aus Mittelstrahlurin zum Screening auf asymptomatische Bakteriurie, ggf. alternativ Urinstreifentestsa – HIV-Testung, Syphilis, Tuberkulosea – Blutzuckermessung zur Diagnose manifester Diabetes und Gestationsdiabetes – Eine Ultraschalluntersuchung vor 24 SSW (Abschätzung des Gestationsalters, Diagnose einer Mehrlingsschwangerschaft, Beurteilung der fetalen Sonoanatomie) | – Gezielte und möglichst frühzeitige Anamnese, inkl. Sucht, Arbeits- und Sozialanamnese – Ausreichende ärztliche Untersuchung, einschließlich gynäkologischer Untersuchung mit Krebsfrüherkennung (PAP-Abstrich) und Screening auf genitale Chlamydien-Infektion |
– Blutdruckmessung, Gewichtskontrolle – Untersuchung des Mittelstrahlurins auf Eiweiß, Zucker, ggf. bakteriologische Urinuntersuchung – Hämoglobinbestimmung, bei Erstkontakt und dann ab 6. Schwangerschaftsmonat oder bei Auffälligkeiten – Uterusfunduskontrolle, Kontrolle der kindlichen Herzaktionen und Feststellung der Lage des Kindes | |
– Serologie: Blutgruppenbestimmung inkl. Rhesus-Faktor, Antikörper-Suchtest und Kontrolle bei 24 + 0–27 + 0 SSW, Lues-Untersuchungen, ggf. HIV-Test, Kontrolle Rötelnimmunität, Bestimmung HBsAG nach 32 SSW, entfällt bei nachgewiesener Immunität – Nichtinvasive Untersuchung des fetalen Rhesusfaktors D bei RhD-negativen Schwangeren ab 11 + 0 SSW (keine Mehrlinge) – Screening auf Gestationsdiabetes bei 24 + 0–27 + 6 SSW mit 50 g Glukosebelastung, bei Auffälligkeiten 75-g-Test – 3 Basis-Ultraschalluntersuchungen zur Bestimmung des Gestationsalters, frühzeitiges Erkennen einer Mehrlingsschwangerschaft (Beurteilung der Chorionizität), Kontrolle der somatischen fetalen Entwicklung und Suche nach auffälligen fetalen Merkmalen bei 8 + 0–11 + 6 SSW, 18 + 0–21 + 6 SSW und 28 + 0–31 + 6 SSW | |
– Antibiotikatherapie über 7 Tage bei asymptomatischer Bakteriurie – Anti-D-Immunglobulin-Gabe bei 28–34 SSW* – Anti-D-Immunglobulin-Gabe bei Geburt Tetanus-Impfstatus kontrollieren und ggf. Nachimpfen (alle 5 Jahre) zur Vermeidung von neonatalem Tetanus – Präventive Wurmbehandlungena, Malariapräventiona – Präexpositionsprophylaxe bei HIVa | – Impfung gegen saisonale Influenza ab dem zweiten Trimenon, bei Risiko vorher – Anti-D-Immunglobulin-Gabe bei Rhesus-D-negativen Schwangeren bei 28 + 0–30 + 0 SSW ohne NIPT-RhD-Untersuchung oder bei Nachweis von RhD-negativem Kind, Bestimmung der Blutgruppe des Kindes nach der Geburt und ggf. erneute Anti-D-Immunglobulin-Gabe bis 72 h postpartal |
| – Patientenzentrierte Behandlung von schwangerschaftsbedingten Beschwerden (Übelkeit, Sodbrennen, Muskelkrämpfe, Rückenschmerzen, Obstipation, Ödeme) | – „Vorrangiges Ziel der ärztlichen Schwangerenvorsorge ist die frühzeitige Erkennung von Risikoschwangerschaften und Risikogeburten“ – Risikoadaptierte Schwangerenbetreuung mit ggf. höherer Frequenz der Kontrollen und Zunahmen weiterer Untersuchungen (Dopplersonographie, Kardiotokographie, invasive Pränataldiagnostik) sowie Behandlungen |
– 8 Termine besser als Basismodell mit 4 Kontrollen – Schwangere bekommt eigenes medizinischen Dokument – Verschiede Modelle, wie Hebammenzentrierte oder Gruppen-Schwangerenvorsorgea – Förderung von Interventionsmodellen zur Verbesserung von Kommunikation und Unterstützunga | – 10–12 Termine, Kontrollen im Abstand von 4 Wochen bis 32 SSW, dann alle 2 Wochen, Erkennen von Risiken nach vordefinierten Katalogen bzgl. Anamnese und Befunden – Dokumentation im papierbasierten Mutterpass – Untersuchungen auch durch Hebammen im Umfang ihrer beruflichen Befugnisse |
Mu-RL Mutterschaftsrichtilinien, WHO World Health Organization, NIPT „non-invasive prenatal testing“, SSW Schwangerschaftswoche(n), Rh Resusfaktor, HBsAG Hepatitis B „surface antigen“
aKontextspezifisch, nicht generell empfohlen