| Literature DB >> 35645410 |
Johannes Pfeil1, Kholoud Assaad2, Ulrich von Both3, Aleš Janda4, Christa Kitz5, Robin Kobbe6, Mirjam Kunze7, Judith Lindert8, Nicole Ritz9, Stefan Trapp10, Markus Hufnagel11.
Abstract
Background: Based on 190,000 applications for asylum, Germany remains a top destination for refugees and asylum seekers in Europe. The updated recommendations are considered evidence-based and targeted guidelines for the diagnosis and prevention of infectious diseases in underage refugees and asylum seekers. Objective: The objective of these recommendations is to guide medical staff in the care of minor refugees, in particular to:1. assure early recognition and completion of incomplete vaccination status,2. diagnose and treat common infectious diseases,3. recognize and treat imported infectious diseases that are considered uncommon to the German healthcare system. Material and methods: The recommendations have been formally written to be published as AWMF S1 guidelines.This includes a representative expert panel appointed by several professional societies, and formal adoption of the recommendations by the board of directors of all societies concerned.Entities:
Keywords: Asylum seeker; Infectious disease; Minor; Recommendations; Refugee
Year: 2022 PMID: 35645410 PMCID: PMC9130691 DOI: 10.1007/s00112-022-01499-4
Source DB: PubMed Journal: Monatsschr Kinderheilkd ISSN: 0026-9298 Impact factor: 0.416
| Flüchtlinge im Kindes- und Jugendalter sollten während medizinischer Untersuchungen, wann immer möglich, von mindestens einem Elternteil oder Sorgeberechtigten begleitet sein |
| Mit den Flüchtlingen bzw. derer Begleitperson(en) sollte eine ausreichende Kommunikation möglich sein |
| Im Rahmen der Untersuchung sollte aktiv nach Gesundheitsproblemen gefragt werden |
| Bestehen aktuelle Gesundheitsprobleme? |
Gibt es Hinweise auf übertragbare Erkrankungen? (Z. B. exanthematische Hauterkrankungen, Durchfall, Atemwegserkrankungen, inkl. Tuberkulose? Enger Kontakt zu Infizierten?) |
| Bestehen chronische Erkrankungen? |
| Stattgehabte Operationen? |
| Wie ist der Impfstatus? |
| Werden Medikamente eingenommen? |
| Wie ist die Ernährung (insbesondere bei Säuglingen und Kleinkindern)? |
| Sind Allergien bekannt? |
| Woher stammt das Kind/die Familie? |
| Welche Familienangehörigen begleiten das Kind? |
| Wie ist die Wohnsituation? |
| Beruf und berufliche Situation der Eltern |
| Gibt es weitere Sorgeberechtigte/Kontaktpersonen? |
| Liegen die Telefonnummern/Kontaktdaten der Familienangehörigen und ggf. weiterer Kontaktpersonen vor? |
| Wie ist das Kind in Deutschland betreut (Kindergarten, Schule, Ausbildung etc.)? |
| Gibt es besondere familiäre Belastungen/Erkrankungen? |
| Gibt es übertragbare Krankheiten in der Familie (insbesondere Tuberkulose)? |
| Dauer der Flucht |
| Fluchtroute/Aufenthalte während der Flucht |
| Bedingungen der Flucht (medizinische Versorgung, traditionelle Prozeduren, Begleitung, ggf. Schulbesuch) |
| Traumatisierende Erfahrungen, Gewalterfahrung (inkl. sexuelle Gewalt) |
| Unfälle |
| Länge, Gewicht (inkl. Gewichtsverlauf), BMI, Kopfumfang (mit Eintragung in Perzentilenkurven [ |
| Haut (z. B. Infektionen, inkl. Skabies, akute Verletzungen, Narben) |
| Herz, Lunge, Abdomen |
| Skelettsystem (Hüfte, Gangbild, Rachitis-Zeichen) |
| Lymphknotenstatus |
| HNO und Zahnstatus (Karies?) |
| Orientierende neurologische Untersuchung |
| Orientierender psychischer Status |
| Genitale (Pubertätsstadium, Position Hoden, Hinweise auf Infektionen, Missbrauch oder weibliche Genitalverstümmelung („female genital mutilation“, FGM)) |
| Blutdruck |
| Altersentsprechende Sehprüfung (z. B. Lang-Stereotest, Lea-Test) |
| Hörtest |
| Prüfung des Entwicklungsstatus |
| Wer | Was |
|---|---|
| Anamnese zu aktuellen und chronischen Erkrankungen, inkl. Impfstatus und stattgehabte Operationen | |
| Familienanamnese und Begleitpersonen | |
| Anamnese zur Flucht | |
| Relevante psychische Erkrankungen oder Belastungen | |
| Anthropometrische Daten | |
| Allgemeine körperliche Untersuchung | |
| Weitere Untersuchungen: Seh- und Hörtest, Entwicklungsstatus | |
| Blutdruck | |
| Impfstatus (inkl. Nachholimpfungen und Dokumentation) | |
| Blutbild mit Differenzialblutbild | |
| Tuberkulose: IGRA oder ggf. THT (< 5 Jahre); ggf. ab 15 Jahre Thoraxröntgen | |
| Hepatitis B-Serologie (HBs-Antigen) | |
| Hepatitis C-Serologie (HCV-Antikörper) | |
| HIV1/2-Screening-Test (p24-Antigen + HIV1/2-Antikörper) | |
| Schistosomiasis (Serologie) | |
| Strongyloidose (Serologie): vor geplanter Immunsuppression | |
| MRE-Screening: vor stationärem Aufenthalt bei Risiko-Konstellation |
Ein Screening ist empfohlen bei Herkunft aus einem Land mit erhöhter Prävalenz
Hepatitis C: Afrika, Naher und Mittlerer Osten, Osteuropa
HIV: Afrika südlich der Sahara, Osteuropa, zudem sollte ein Test bei Risikokonstellationen und in jeder Schwangerschaft erfolgen. Weiterhin ist es sinnvoll, generell im Rahmen der Erstuntersuchung einen Test anzubieten
Schistosomiasis: insbesondere Subsahara-Afrika und bei Herkunft oder Aufenthalt entlang des Nils
Trypanosoma cruzi: Lateinamerika (insbesondere Bolivien)