Literature DB >> 35029713

[Adrenal diseases].

Martin Reincke1.   

Abstract

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Year:  2022        PMID: 35029713      PMCID: PMC8758982          DOI: 10.1007/s00108-021-01239-y

Source DB:  PubMed          Journal:  Internist (Berl)        ISSN: 0020-9554            Impact factor:   0.743


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Erkrankungen der Nebenniere spielen in der ambulanten und stationären Patientenversorgung eine wichtige Rolle. Sie sind ebenso relevant in der Inneren Medizin wie in der Endokrinologie, Viszeralchirurgie und Allgemeinmedizin, um nur einige Fachgebiete zu nennen. Einige Nebennierenerkrankungen haben eine hohe Prävalenz und betreffen Millionen von Patienten, beispielsweise finden sich Nebenniereninzidentalome bei 1–2 % der Bevölkerung, der primäre Hyperaldosteronismus bei 6 % der Patienten mit Hypertonie. Das macht Nebennierenerkrankungen zu einem relevanten Gesundheitsproblem in unserem Land. Die hohe Morbidität und Mortalität einiger der selteneren Nebennierenerkrankungen, wie Morbus Addison, Phäochromozytom und Cushing-Syndrom (Tab. 1), stellt gleichzeitig höchste Anforderungen an die Früherkennung und adäquate Behandlung, die allerorts einen hohen Standard voraussetzen. Dies ist eine implizite Herausforderung für jedes Gesundheitssystem, und ein Realitätscheck belegt die zu erwartende Differenz zwischen Anspruch und Wirklichkeit auch in Deutschland. Dies ist ein weiterer guter Grund, nach vielen Jahren wieder einen Schwerpunkt zum Thema Nebennierenerkrankungen in Der Internist aufzulegen.
Jährliche InzidenzPrävalenzMorbiditätMortalität
Adrenogenitales Syndrom1/10.000–1/15.0005,8 Krisen pro 100 Patientenjahre; Salzverlust-AGS: 8,8; einfache Virilisierung: 2,5HR für Versterben 2,3 (95 %-KI 1,2–4,3) bei männlichen Personen mit AGS und 3,5 (95 %-KI 2,0–6,0) bei weiblichen Personen mit AGS im Vergleich zu Kontrollen
Morbus Addison (primäre Nebenniereninsuffizienz)4,5/1.000.00082–144/1.000.0006–8 Nebennierenkrisen/100 Patientenjahre0,5 Todesfälle/100 Patientenjahre durch Nebennierenkrisen
Primärer Hyperaldosteronismusn. b.4–6 % der hypertensiven BevölkerungOR für Schlaganfall 4,2; OR für MI 6,5; OR für VHF 12,1 im Vergleich zu PH2‑fach gesteigert nach Beginn der Behandlung (IAH)
Morbus Cushing1–3/1.000.00066/1.000.000SMR für Gesamtmortalität bei behandeltem Morbus Cushing 1,61
Nebenniereninzidentalomn. b.1–2 % der allgemeinen Bevölkerungn. b.n. b.
Nebennierenkarzinom0,7–2,0/1.000.000Medianes Überleben 3–4 Jahre, 5‑Jahres-Überleben 60–80 % bei lokal begrenzten Tumoren und 10–20 % bei metastasierter Erkrankung

95 %-KI 95 %-Konfidenzintervall, AGS adrenogenitales Syndrom, n. b. nicht bekannt, IAH idiopathische Nebennierenhyperplasie, MI Myokardinfarkt, OR Odds Ratio, PH primäre Hypertonie, SMR „standardized mortality ratio“ (Standardsterblichkeitsrate), VHF Vorhofflimmern

95 %-KI 95 %-Konfidenzintervall, AGS adrenogenitales Syndrom, n. b. nicht bekannt, IAH idiopathische Nebennierenhyperplasie, MI Myokardinfarkt, OR Odds Ratio, PH primäre Hypertonie, SMR „standardized mortality ratio“ (Standardsterblichkeitsrate), VHF Vorhofflimmern In der Pathophysiologie vieler seltener Nebennierenerkrankungen gelangen jüngst wesentliche Fortschritte Moderne hypothesengenerierende Methoden wie Genomik, Transkriptomik und Steroidmetabolomik haben unser Verständnis von Nebennierenerkrankungen einschließlich des primären Aldosteronismus [2], des Cushing-Syndroms [3], des Nebennierenrindenkarzinoms [4] und des Phäochromozytoms [5] substanziell erweitert. In der Pathophysiologie vieler seltener Nebennierenerkrankungen wurden in jüngster Zeit wesentliche Fortschritte erzielt. An erster Stelle steht hier die Identifizierung somatischer Treibermutationen in Nebennierenrindenneoplasien, die in den letzten 10 Jahren gelungen ist; die Mutationen zeichnen verantwortlich für die charakteristische endokrine Autonomie und die begrenzte proliferative Aktivität dieser endokrinen Tumoren [2, 6]. Zwanzig Jahre früher, schon in den 1990er-Jahren, begann der genetische Siegeszug mit der Entschlüsselung von Keimbahnmutationen beim Phäochromozytom bzw. Paragangliom. Über die Jahre ist die Zahl auf mehr als 16 unterschiedliche Keimbahnmutationen angewachsen, und bei gut einem Drittel aller Patienten lässt sich heute ein familiär-genetischer Hintergrund etablieren [7]. Die wissenschaftlichen Erfolge deutscher Forscherteams bei der Aufklärung der Pathophysiologie vieler Nebennierenerkrankungen und die hohe translationale Relevanz molekularer Forschung für die Diagnostik und Therapie dieser Krankheitsentitäten führten 2017 zur Bewilligung des Transregio-Sonderforschungsbereichs (SFB) „The Adrenal Gland: Central Relay in Health and Disease“ (https://adrenal-research.de/de/). Forscher in Dresden, Würzburg und München beschäftigen sich in 19 Arbeitsgruppen mit grundlegenden Themen der Nebenniere wie der Stressantwort bei Sepsis, dem Nebennierengewebeersatz bei Nebenniereninsuffizienz, der Next-generation-Steroidmetabolomik zur Verbesserung der Frühdiagnose von Steroidexzesssyndromen und der Weiterentwicklung nuklearmedizinischer Therapien für maligne Nebennierenerkrankungen. Einige der Projektleiter des SFB konnten erfreulicherweise als Autoren für diesen Schwerpunkt gewonnen werden. Der erste Beitrag dieses Schwerpunkts beschäftigt sich mit dem hochaktuellen Thema von „coronavirus disease 2019“ (COVID-19), Glukokortikoiden und Nebennierenfunktion. J. Masjkur, A. Barthel, W. Kanczkowski, G. Müller u. S.R. Bornstein können anhand eigener hochrangig in The Lancet Diabetes & Endocrinology publizierter Daten zeigen, dass die Nebenniere ein Zielorgan des Virus ist [8]. Im zweiten Beitrag beschreiben T. Kienitz u. G. Meyer moderne Prinzipien der Glukokortikoidsubstitution bei Nebenniereninsuffizienz. Aufgrund der immer noch alarmierend hohen Mortalität der Nebennierenkrise sind die praxisrelevanten Präventionsansätze ein „Muss“ für jede Internistin und jeden Internisten. A. Riester u. F. Beuschlein stellen anhand neuester Daten zur autonomen Kortisolsekretion bei Nebenniereninzidentalomen dar, welche hohe Relevanz diese für Komorbiditäten und die Langzeitmortalität hat. Der primäre Hyperaldosteronismus wurde in den letzten Jahren als die führende endokrine Ursache von Bluthochdruck identifiziert und ist in der klinischen Praxis immer noch völlig unterdiagnostiziert, wie der Beitrag von C.T. Fuss, S. Hahner, D.A. Heinrich u. C. Adolf zeigt. Die letzten beiden Beiträge beschäftigen sich mit den Langzeitproblemen bei Morbus Cushing und dem adrenogenitalen Syndrom. Der Artikel von L. Braun, F. Vogel u. M. Reincke beleuchtet die besten Screeningstrategien und biochemischen Tests zur Frühdiagnose des Hyperkortisolismus. Der Beitrag von L. Tschaidse, F. Quitter, A. Hübner u. N. Reisch stellt die beim adrenogenitalen Syndrom beobachteten Langzeitfolgen übersichtlich dar. Dieser Beitrag wurde sinnvollerweise von Endokrinologinnen aus der Pädiatrie wie auch aus der Erwachsenenendokrinologie verfasst. Gerade am Übergang zwischen Adoleszenz und Erwachsenenperiode besteht im Sinne der Transition eine besondere Schnittstellenproblematik. Hocherfreulich finde ich als Herausgeber, dass die Autorenteams zu einem Gutteil aus Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern bestehen, die auch im SFB Nebenniere und im Bereich Endokrinologie der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin eine entscheidende Rolle spielen, und dass die Nachwuchsförderung Erfolge zu zeitigen scheint. So wünsche ich den Leserinnen und Lesern von Der Internist genauso viel Freude beim Lesen, wie ich sie als Herausgeber beim Zusammenstellen des Schwerpunkts hatte.
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Review 1.  Diagnosis and treatment of primary aldosteronism.

Authors:  Martin Reincke; Irina Bancos; Paolo Mulatero; Ute I Scholl; Michael Stowasser; Tracy Ann Williams
Journal:  Lancet Diabetes Endocrinol       Date:  2021-12       Impact factor: 32.069

Review 2.  International consensus on initial screening and follow-up of asymptomatic SDHx mutation carriers.

Authors:  Laurence Amar; Karel Pacak; Olivier Steichen; Scott A Akker; Simon J B Aylwin; Eric Baudin; Alexandre Buffet; Nelly Burnichon; Roderick J Clifton-Bligh; Patricia L M Dahia; Martin Fassnacht; Ashley B Grossman; Philippe Herman; Rodney J Hicks; Andrzej Januszewicz; Camilo Jimenez; Henricus P M Kunst; Dylan Lewis; Massimo Mannelli; Mitsuhide Naruse; Mercedes Robledo; David Taïeb; David R Taylor; Henri J L M Timmers; Giorgio Treglia; Nicola Tufton; William F Young; Jacques W M Lenders; Anne-Paule Gimenez-Roqueplo; Charlotte Lussey-Lepoutre
Journal:  Nat Rev Endocrinol       Date:  2021-05-21       Impact factor: 43.330

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