Seit Beginn der COVID-19-Pandemie wird die Rolle von Kindern bei der Transmission kontrovers berichtet und über die Virusbelastung („viral load“) im Nasen-Rachen-Raum diskutiert. Ein im Journal of Infection publizierter Research Letter [1] aus Spanien liefert nun einen weiteren Beitrag zu dieser Diskussion. Dafür wurden im Rahmen der 2. und 3. Welle gesammelte Nasen-Rachen-Abstriche von 126 Kindern und 127 Erwachsenen mittels RT-PCR auf SARS-CoV‑2 untersucht und die Virusbelastung quantifiziert. Es zeigte sich, dass die relative Viruslast bei Kindern signifikant niedriger war als bei Erwachsenen; bei einem Viertel der Kinder lag diese unter der 5. Perzentile der Erwachsenen. Die Autoren bringen dieses Ergebnis mit der (möglicherweise niedrigeren) Transmissionsrate sowie der niedrigeren Sensitivität von Antigentests bei Kindern in Zusammenhang.
Mütterliche COVID-19: erhöhtes Risiko für Neugeborene
Eine retrospektive Multizenterstudie aus dem Iran [2] analysierte neonatale Komplikationen im Zusammenhang mit COVID-19 der Mutter. 600 Neugeborene wurden in die Studie eingeschlossen. Davon bestand in 255 Fällen eine positive COVID-19-Anamnese in der Schwangerschaft (COV+), 345 Neugeborene ohne derartige Anamnese dienten als Kontrollgruppe (K). Erwartungsgemäß zeigten sich nach COVID-19 der Mutter u. a. folgende neonatalen Komplikationen signifikant häufiger als ohne derartige Infektion: Sepsis (1,2 vs. 0 %), Fieber (1,2 vs. 0 %), Pneumothorax (1,6 vs. 0 %), neonatales RDS (12,5 vs. 10,6 %), Asphyxie (6,4 vs. 5,5 %), niedriges Geburtsgewicht (16,5 vs. 7,2 %). 14,9 % aus der COV+-Gruppe (vs. 9 % in der K‑Gruppe) wurden auf einer neonatologischen Intensivstation aufgenommen, der RT-PCR-Test war in 0,8 % im Sinn einer vertikalen Transmission positiv. Ein Neugeborenes verstarb an nekrotisierender Enterokolitis (NEC). Die Daten belegen – wie mittlerweile auch andere Studien – das erhöhte neonatale Risiko nach COVID-19 der Schwangeren/Mutter und begründen die vermehrte Observanz für diese Gruppe.
Verbergen Masken unsere Emotionen?
Die Verwendung von Gesichtsmasken ist im Rahmen der COVID-19-Pandemie fast überall zur täglichen Routine geworden. Es bestehen dabei aber auch Befürchtungen, dass Emotionen und insbesondere Empathie dadurch nicht ausreichend vermittelt werden können. Eine Schweizer Studie [3] hat nun untersucht, inwiefern Vorschulkinder die Emotionen Erwachsener „hinter Masken“ erkennen bzw. richtig zuordnen können. 276 Kinder im Alter von 36 bis 72 Monaten wurden in die Untersuchung eingeschlossen. Mit 15 Schauspieler*innen wurden insgesamt 90 Fotos mit und ohne Maske angefertigt, die den Teilnehmenden auf einem Bildschirm zur Beurteilung in 3 Kategorien (Freude, Traurigkeit, Zorn) vorgelegt wurden. Die „Trefferquote“ betrug bei den Fotos ohne Maske 70,6 %, bei jenen ohne Maske 66,9 %. Die höchste Trefferrate wurde in der Kategorie „Freude“ beobachtet (94,8 bzw. 87,3 %). In der Kategorie „Traurigkeit“ war die Erkennungsrate mit und ohne Maske deutlich geringer (54,1 vs. 48,9 %). In der Kategorie „Zorn“ wurde diese Emotion sogar in den „Maskenfotos“ häufiger richtig eingeschätzt (62,2 vs. 64,6 %). Die Beobachtung, dass Trauer und Zorn vielfach als „Freude“ fehlinterpretiert wurden, führen die Autoren auf einen „Positivbias“ von Kindern zurück. Zunehmendes Alter korrelierte – nicht unerwartet – vermehrt mit richtiger Zuordnung der gezeigten Emotion. Die Autoren halten aber fest, dass (auch) Kleinkinder die im Gesichtsausdruck gezeigte Emotion in den meisten Fällen auch „hinter der Maske“ richtig beurteilen.
Whole Genome Sequencing als frühes diagnostisches Tool
Eine Studie 5 US-amerikanischer Kliniken [4] untersuchte, wie sich frühes Whole Genome Sequencing (WGS) bei Verdacht auf eine genetische Erkrankung auf Diagnosestellung und Therapieverlauf auswirken. In die Studie eingeschlossen wurden 354 akut erkrankte Säuglinge im Alter von 0 bis 120 Tagen. Bei diesen wurde ein WGS entweder früh (innerhalb von 15 Tagen) oder spät (innerhalb von 60 Tagen) durchgeführt. Hauptzielgröße war eine Änderung im Therapiemanagement; Nebenzielgrößen waren richtige Diagnosestellung und Aufenthaltsdauer. Bei frühem WGS ergab sich innerhalb von 30 Tagen eine Änderung des Therapiemanagements für 21,1 % der Kinder, in der Gruppe mit spätem WGS lediglich für 10,3 %. Die häufigsten Anpassungen betrafen Überweisungen an spezialisierte Einrichtungen (11 %), chirurgische und andere invasive Interventionen (4 %) sowie eine spezifische Arzneimittelbehandlung (2 %). Bezüglich der Aufenthaltsdauer zeigte sich kein Unterschied zwischen den beiden Gruppen. Die Autoren empfehlen den frühzeitigen Einsatz von WGS bei entsprechendem Verdacht als Beitrag zu optimiertem Krankheitsmanagement.
Authors: Ian D Krantz; Livija Medne; Jamila M Weatherly; K Taylor Wild; Sawona Biswas; Batsal Devkota; Tiffiney Hartman; Luca Brunelli; Kristen P Fishler; Omar Abdul-Rahman; Joshua C Euteneuer; Denise Hoover; David Dimmock; John Cleary; Lauge Farnaes; Jason Knight; Adam J Schwarz; Ofelia M Vargas-Shiraishi; Kristin Wigby; Neda Zadeh; Marwan Shinawi; Jennifer A Wambach; Dustin Baldridge; F Sessions Cole; Daniel J Wegner; Nora Urraca; Shannon Holtrop; Roya Mostafavi; Henry J Mroczkowski; Eniko K Pivnick; Jewell C Ward; Ajay Talati; Chester W Brown; John W Belmont; Julia L Ortega; Keisha D Robinson; W Tyler Brocklehurst; Denise L Perry; Subramanian S Ajay; R Tanner Hagelstrom; Maren Bennett; Vani Rajan; Ryan J Taft Journal: JAMA Pediatr Date: 2021-12-01 Impact factor: 16.193