Literature DB >> 33860805

[Perioprocedural mortality after ICD implantation].

Harilaos Bogossian1,2, Dimitrios Panteloglou3, Zana Karosiene3, Susanne Macher-Heidrich4, Heinz Jürgen Adomeit5, Bernd Lemke3, Carsten W Israel6.   

Abstract

BACKGROUND: Implantable cardioverter defibrillators (ICD) represent an established treatment in preventing sudden cardiac death in patients with indications for primary or secondary prophylaxis. As for all complex surgical procedures there remains a risk for the occurrence of complications including death also for ICD implantation. The aim of the present study was to analyze the procedure-related mortality in patients after ICD implantation using the data from the obligatory quality assurance program in North-Rhine/Westphalia.
METHODS: Data of all 18,625 patients from the quality assurance datasets who underwent ICD implantation in the years 2010-2012 were analyzed.
RESULTS: During the in-hospital stay 118 patients (0.6%) died after ICD implantation. Patients > 80 years old had a higher mortality (1.9% vs. 0.5% in patients < 80 years old, p < 0.001) as well as women (0.95% vs. 0.54% in men, p = 0.004) and patients with higher New York Heart Association (NYHA) class (0.3% for NYHA II, 0.7% for NYHA III, 3.4% for NYHA IV, p < 0.001 for all comparisons). The presence of diabetes mellitus (23% of the collective) did not influence the perioperative mortality, whereas renal failure requiring dialysis showed a significantly increased mortality (p < 0.001 compared to patients with creatinine ≤ 1.5 mg/dl and p = 0.002 for patients with creatinine > 1.5 mg/dl not requiring dialysis). Patients with indications for ICD secondary prophylaxis had a significantly higher mortality (1.2% vs. 0.4%, p < 0.001), which increased from 0.6% to 3.7% (p < 0.001) with the occurrence of complications.
CONCLUSION: The procedure-related mortality after ICD implantation is increased in patients over 80 years of age, higher NYHA class, patients requiring dialysis, in secondary prevention indications and after the occurrence of perioperative complications.
© 2021. The Author(s).

Entities:  

Keywords:  Complications; Defibrillators; Quality assurance; Risk factors; Surgery

Mesh:

Year:  2021        PMID: 33860805      PMCID: PMC8642318          DOI: 10.1007/s00059-021-05033-2

Source DB:  PubMed          Journal:  Herz        ISSN: 0340-9937            Impact factor:   1.443


Einleitung

Die Einpflanzung eines implantierbaren Kardioverter-Defibrillators (ICD) ist ein etabliertes Verfahren zum Schutz von Patienten mit hohem Risiko für das Auftreten des plötzlichen Herztodes [1, 2]. Gegenüber der Herzschrittmacherimplantation ist die Inzidenz der perioperativen Letalität bei ICD-Implantationen niedriger [3]. In den deutschen Registerdaten wird die In-hospital-Mortalität zwischen 0,1 % und 1 % beschrieben [4]. In Nordrhein-Westfalen (NRW) fanden in den Jahren von 2010 bis 2012 18.625 stationäre ICD-Implantationen statt. Für alle diese stationären Implantationen ist eine Qualitätssicherung (QS) mit Angabe von Basisdaten, Operationsdaten inklusive Komplikationen und Outcome-Daten (z. B. Patient nach Hause entlassen, verlegt oder verstorben) verpflichtend. Da die Anzahl an ambulanten ICD-Implantationen verschwindend gering ist, bilden diese Datensätze der QS NRW praktisch alle konsekutiven ICD-Implantationen dieser 3 Jahre ab. Das Versterben während des stationären Aufenthalts zur ICD-Implantation stellt dabei ein Sentinelereignis dar, das in jedem Fall von der betroffenen Klinik erläutert werden muss. In der vorliegenden Arbeit sollen aus den Datensätzen der QS NRW die Baseline- und Implantationsparameter identifiziert werden, die mit einer erhöhten perioperativen Mortalität nach ICD-Implantation assoziiert sind.

Methode

In der aktuellen Studie wurden die Datensätze der ICD-Implantationen in NRW von 2010 bis 2012 ausgewertet. Für die Auswertung wurde das Datenmaterial verwendet, das der Geschäftsstelle der QS NRW im Rahmen der gesetzlichen stationären externen Qualitätssicherung vorliegt (insgesamt 18.625 Implantationen: 8507 Einkammer-ICD, 4364 Zweikammer-ICD, 5596 kardiale Resynchronisationstherapie [CRT], 158 sonstige ICD). Aus dem Datenmaterial wurden folgende Parameter über den stationären Aufenthalt der Patienten analysiert: Patientencharakteristika: Alter, Geschlecht, NYHA(New York Heart Association)-Klasse, ASA(American Society of Anesthesiologists)-Klassifikation [5], Diabetes mellitus (vorhanden/nicht vorhanden/insulinpflichtig), Niereninsuffizienz (Kreatinin: < 1,5/1,5–2,5/> 2,5 mg/dl ohne und mit Dialyse), Vorliegen einer koronaren Herzkrankheit (KHK) oder Kardiomyopathie; Echokardiographie (linksventrikuläre Ejektionsfraktion, LVEF); Indikation zur ICD-Implantation; perioperative Komplikationen während des stationären Aufenthalts (Reanimation, Pneumothorax, Hämatothorax, Perikarderguss, Taschenhämatom, Sondendislokation, Wundinfektion, sonstige); Art der Entlassung (nach Hause, Verlegung in anderes Krankenhaus, Rehabilitation oder Heim, Patient verstorben). Im „strukturierten Dialog“, werden im Rahmen des Indikators „Mortalität“ verbindlich Fragebögen ausgefüllt, die sich auf verstorbene Patienten beziehen. Mit Einschätzung des Operateurs findet eine Beurteilung darüber statt, ob aufgetretene Komplikationen ursächlich oder mitursächlich für den Tod des Patienten verantwortlich waren. Die Komplikationsart und der zeitliche Zusammenhang zur Implantation müssen angegeben werden. Sollte weder eine Komplikation noch eine Herzrhythmusstörung für den Tod des Patienten verantwortlich sein, muss dies ausdrücklich vermerkt werden. Ein unsicherer Zusammenhang zwischen dem Tod des Patienten und einer Komplikation der ICD-Implantation wird ebenfalls dokumentiert. Zudem macht der Operateur Angaben zu Begleiterkrankungen, die im Rahmen der ICD-Implantation hinsichtlich der Prognose sowie des peri- und postoperativen Verlaufs einen beeinflussenden Charakter besitzen. Die Angaben erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Der Operateur muss dokumentieren, ob nach der ICD-Implantation ein Röntgenthorax, eine Echokardiographie und eine ICD-Kontrolle stattgefunden haben, und dabei den zeitlichen Zusammenhang mit der Implantation berücksichtigen. Für die Analyse des „strukturierten Dialogs“ liegen nur die Daten für die Jahre von 2010 bis 2011 vor.

Statistische Analyse

Es erfolgte eine deskriptive Analyse des Datenmaterials. Die statistische Signifikanz der Ergebnisse wurde mittels Chi-Quadrat-Tests nach Pearson berechnet (Signifikanzniveau: p ≤ 0,05). Die statistische Auswertung der Ergebnisse erfolgte unter Verwendung der Statistik- und Analysesoftware SPSS. Die Darstellung erfolgt in tabellarischer Form sowie in Form von Balkendiagrammen.

Ergebnisse

Patientenkollektiv und Altersverteilung

In den Jahren von 2010 bis 2012 erhielten 18.625 Patienten einen ICD. Während des stationären Aufenthalts verstarben 118 Patienten (0,6 %). Beim weiblichen Geschlecht zeigt sich eine signifikant höhere Mortalität (männlich: 79 von 14.508 [0,54 %]; weiblich: 39 von 4117 [0,95 %; p = 0,004]). Das Alter der Patienten betrug zum Zeitpunkt der ICD-Implantation im Mittel 66 Jahre (Median: 69; Minimum: < 1, Maximum: 91 Jahre), das der Verstorbenen im Mittel 71 Jahre (Median: 74; Minimum: 25, Maximum: 88 Jahre). Die Patienten wurden in die folgenden Altersgruppen eingeteilt: ≤ 60 Jahre (n = 5212; 27,98 %), 61–80 Jahre (n = 12.020; 64,54 %), > 80 Jahre (n = 1393; 7,48 %). Die Überlebenswahrscheinlichkeit zwischen den ersten beiden Altersgruppen zeigte keinen signifikanten Unterschied (p = 0,0748). Die Patienten der dritten Altersgruppe hatten gegenüber den beiden jüngeren Gruppen eine signifikant höhere Mortalität (jeweils p < 0,001; Abb. 1; Tab. 1).
GesamtGesamt %ToteTote %
Alter
≤ 60 Jahre521227,98200,4
61–80 Jahre12.02064,54720,6
> 80 Jahre13937,48261,9

≤ 60 Jahre und > 80 Jahre: p < 0,001

61–80 Jahre und > 80 Jahre: p < 0,001

≤ 60 Jahre und 61–80 Jahre: p = 0,0748

Geschlecht
Männlich14.50877,9790,5
Weiblich411722,1391
Männlich vs. Weiblich: p = 0,004
ASA-Klassifikation
ASA I4292,300
ASA II481725,960,1
ASA III12.26865,9860,7
ASA IV10965,9252,3
ASA V150,116,7

Wegen geringer Fallzahl wird für die ASA-Klassen I und V keine Signifikanz angegeben.

ASA II vs. III: p < 0,001

ASA II vs. IV: p < 0,001

ASA III vs. IV: p < 0,001

NYHA-Klasse
Keine9905,310,1
NYHA I11486,210,1
NYHA II622933,4210,3
NYHA III951751,1700,7
NYHA IV7414253,4

NYHA II vs. NYHA III: p < 0,001

NYHA II vs. NYHA IV: p < 0,001

NYHA III vs. NYHA IV: p < 0,001

Ejektionsfraktion (EF)
EF unbekannt3431,851,5
EF > 50 %13287,160,5
EF 50 bis > 35 %198110,6110,6
EF ≤ 35 %14.97380,4960,6

EF ≤ 35 % und 35–50 %: p = 0,6506

EF ≤ 35 % und > 50 %: p = 0,4

ASA American Society of Anesthesiologists, NYHA New York Heart Association

≤ 60 Jahre und > 80 Jahre: p < 0,001 61–80 Jahre und > 80 Jahre: p < 0,001 ≤ 60 Jahre und 61–80 Jahre: p = 0,0748 Wegen geringer Fallzahl wird für die ASA-Klassen I und V keine Signifikanz angegeben. ASA II vs. III: p < 0,001 ASA II vs. IV: p < 0,001 ASA III vs. IV: p < 0,001 NYHA II vs. NYHA III: p < 0,001 NYHA II vs. NYHA IV: p < 0,001 NYHA III vs. NYHA IV: p < 0,001 EF ≤ 35 % und 35–50 %: p = 0,6506 EF ≤ 35 % und > 50 %: p = 0,4 ASA American Society of Anesthesiologists, NYHA New York Heart Association

ASA-Klassifikation, NYHA-Stadium und linksventrikuläre Ejektionsfraktion

Die Mortalität war bei Patienten mit höherer ASA-Klasse gegenüber Patienten mit niedriger ASA-Klasse signifikant höher. Wegen geringer Fallzahl in den ASA-Klassen I und V konnte keine adäquate Signifikanzberechnung erfolgen. Die Ermittlung der Signifikanzen zwischen den Gruppen ASA II–IV ergab folgende Werte (Abb. 1; Tab. 1): ASA II zu III: p < 0,001; ASA II zu IV: p < 0,001; ASA III zu IV: p < 0,001. Die Mortalität bei Patienten höherer NYHA-Klassen war signifikant höher als bei Patienten niedriger NYHA-Klassen. Bei NYHA I erfolgte wegen der geringeren Fallzahl keine Signifikanzberechnung. Die übrigen Signifikanzen wurden wie folgt berechnet (Abb. 1; Tab. 1): NYHA II und NYHA III: p < 0,001; NYHA II und NYHA IV: p < 0,001; NYHA III und NYHA IV: p < 0,001. Bei der Unterteilung der Patienten nach ihrer EF wurden 4 Gruppen gebildet (EF > 50 %, EF > 35–50, EF ≤ 35, EF unbekannt; Tab. 1). Entsprechend der ICD-Indikationen war die Gruppe von Patienten mit einer EF von 35 % oder weniger am größten (> 80 % der Patienten). Die Mortalität zeigte keine signifikanten Unterschiede zwischen den hier gebildeten Gruppen (Tab. 1): EF ≤ 35 % vs. > 35–50 %: p = 0,6506; EF ≤ 35 % vs. > 50 %: p = 0,4.

Komorbidität, Kardiomyopathien, führende Indikation und Komplikationen

Die Analyse der perioperativen Mortalität der Patienten mit und ohne Diabetes mellitus zeigte keine signifikanten Unterschiede (Tab. 1): kein Diabetes mellitus vs. nicht insulinpflichtiger Diabetes mellitus: p = 0,452; kein Diabetes mellitus vs. insulinpflichtiger Diabetes mellitus: p = 0,892; kein Diabetes mellitus vs. Diabetes mellitus (insulinpflichtig und nicht insulinpflichtig): p = 0,61. Dagegen war die dialysepflichtige Niereninsuffizienz sowohl gegenüber Patienten ohne Niereninsuffizienz als auch gegenüber nicht dialysepflichtigen niereninsuffizienten Patienten mit einer signifikant höheren Mortalität assoziiert (Tab. 1; Abb. 1). Die Verteilung der Kardiomyopathien ist in Tab. 3 dargestellt. Bei den beiden größten Gruppen (ischämische [ICM] und dilatative Kardiomyopathie [DCM]) zeigten sich keine signifikanten Unterschiede hinsichtlich der Mortalität (p = 0,228). Auch die Analyse der KHK im Speziellen zeigte hinsichtlich der perioperativen Mortalität keine signifikanten Unterschiede. Die Mortalität bei Patienten mit und ohne KHK war gleich (Tab. 2):
Kardiale GrunderkrankungGesamtGesamt %ToteTote %
Keine4812,600
ICM10.50656,4730,7
DCM593931,9320,5
Hypertensive Herzkrankheit3291,810,3
Erworbene Herzklappenfehler1720,931,7
Angeborene Herzklappenfehler600,300
Brugada-Syndrom910,500
Kurzes QT-Syndrom0000
Langes QT-Syndrom1440,800
HCM3972,120,5
ARVC480,300
Sonstige4582,571,5
ICM vs. DCM: p = 0,228

ICM ischämische Kardiomyopathie, DCM dilatative Kardiomyopathie, HCM hypertrophe Kardiomyopathie, ARVC arrhythmogene rechtsventrikuläre Kardiomyopathie

GesamtGesamt %ToteTote %
Diabetes mellitus (DM)
Kein DM14.25976,6880,6
Nicht insulinpflichtiger DM283715,2210,7
Insulinpflichtiger DM15298,290,6

Kein Diabetes mellitus vs. Diabetes mellitus (nicht insulinpflichtig): p = 0,452

Kein Diabetes mellitus vs. Diabetes mellitus (insulinpflichtig): p = 0,892

Kein Diabetes mellitus vs. Diabetes mellitus (insulinpflichtig und nicht insulinpflichtig): p = 0,61

Niereninsuffizienz
Kreatinin ≤ 1,5 mg/dl14.85679,8880,6
Kreatinin > 1,5 mg/dl (nicht dialysepflichtig)317717,1210,7
Kreatinin > 1,5 mg/dl (dialysepflichtig)4232,392,1
Unbekannt1690,900

Kreatinin ≤ 1,5 mg/dl vs. > 1,5 mg/dl (dialysepflichtig): p < 0,001

Kreatinin ≤ 1,5 mg/dl vs. > 1,5 mg/dl (nicht dialysepflichtig): p = 0,65

Kreatinin > 1,5 mg/dl (nicht dialysepflichtig) vs. > 1,5 mg/dl (dialysepflichtig): p = 0,002

Koronare Herzkrankheit (KHK)
KHK ohne MI in der Anamnese447324250,6
KHK mit MI in der Anamnese735739,5510,7
Nein679536,5420,6

KHK mit MI vs. keine KHK: p = 0,581

KHK mit MI vs. KHK ohne MI: p = 0,375

MI Myokardinfarkt

KHK mit Myokardinfarkt in der Anamnese vs. Patienten ohne KHK: p = 0,581; KHK mit Myokardinfarkt in der Anamnese vs. KHK ohne Myokardinfarkt in der Anamnese: p = 0,375. Kein Diabetes mellitus vs. Diabetes mellitus (nicht insulinpflichtig): p = 0,452 Kein Diabetes mellitus vs. Diabetes mellitus (insulinpflichtig): p = 0,892 Kein Diabetes mellitus vs. Diabetes mellitus (insulinpflichtig und nicht insulinpflichtig): p = 0,61 Kreatinin ≤ 1,5 mg/dl vs. > 1,5 mg/dl (dialysepflichtig): p < 0,001 Kreatinin ≤ 1,5 mg/dl vs. > 1,5 mg/dl (nicht dialysepflichtig): p = 0,65 Kreatinin > 1,5 mg/dl (nicht dialysepflichtig) vs. > 1,5 mg/dl (dialysepflichtig): p = 0,002 KHK mit MI vs. keine KHK: p = 0,581 KHK mit MI vs. KHK ohne MI: p = 0,375 MI Myokardinfarkt ICM ischämische Kardiomyopathie, DCM dilatative Kardiomyopathie, HCM hypertrophe Kardiomyopathie, ARVC arrhythmogene rechtsventrikuläre Kardiomyopathie Hinsichtlich der Implantationsindikation zeigte sich die Mortalität bei Patienten mit primärpräventiver ICD-Indikation gegenüber der sekundärpräventiven Indikation niedriger (p ≤ 0,001; Abb. 2a).
Bei 1,9 % der Patienten traten peri- oder postoperative Komplikationen (kardiopulmonale Reanimation, Pneumothorax, Hämatothorax, Perikarderguss, Taschenhämatom, Sondendislokation, Wundinfektion oder sonstige) auf; bei diesen Patienten lag die Mortalität mit 3,7 % signifikant höher als bei Patienten ohne perioperative Komplikationen (0,6 %; p < 0,001; Abb. 2b).

Prozedurbedingte Mortalität

Für die Jahre 2010 und 2011 liegen die Fragebögen des „strukturierten Dialogs“ vor. Demnach wurden die Fälle der 89 verstorbenen Patienten (von insgesamt 12.121 ICD-versorgten Patienten in den Jahren 2010–2011) im Einzelnen mit den implantierenden Kliniken/Operateuren diskutiert. Daraus resultierte, dass nur 4 Patienten (0,033 %) unmittelbar perioperativ verstorben sind.

Diskussion

Die vorliegende Analyse von fast 20.000 ICD-Implantationen zeigt, dass eine ICD-Implantation bei folgenden Patienten bzw. Bedingungen mit einer erhöhten Mortalität noch während des stationären Aufenthalts nach Implantation assoziiert ist: Alter > 80 Jahre, weibliches Geschlecht, schlechterer Allgemeinzustand bzw. fortgeschrittene Herzinsuffizienzsymptomatik (ASA-Klasse, NYHA-Klasse), terminale Niereninsuffizienz mit Notwendigkeit einer Dialyse, sekundärprophylaktische ICD-Indikation (Tab. 4),
Führende IndikationGesamtGesamt %ToteTote %
Primärpräventiv13.25571,2550,4
Sekundärpräventiv537028,8631,2
Primärpräventiv vs. sekundärpräventiv: p ≤ 0,001
Komplikationen
Nein18.27198,11050,6
Ja3541,9133,7
Auftreten von Komplikationen vs. keine Komplikationen: p < 0,001
Auftreten von Komplikationen während oder nach der Implantation (Tab. 4). Die Beurteilung von QS-Daten wird kontrovers diskutiert [6]. Die vorgestellten Daten sind jedoch aufgrund ihrer praktisch lückenlosen Abbildung der Mortalität bei einer so großen Zahl konsekutiver, nichtselektionierter ICD-Implantationen von beträchtlicher klinischer Relevanz. Nicht zuletzt weil „Tod“ einen „harten“ Endpunkt darstellt, der aufgrund der Verknüpfung der Krankenhaussoftware überprüfbar ist und kaum fehldokumentiert werden kann, ist die Validität der Daten als sehr hoch einzustufen. Die Ergebnisse können für operierende Ärzte von hoher Relevanz sein, da sie helfen, Patienten zu identifizieren, die ein besonderes Risiko haben, noch während des stationären Aufenthalts zu versterben und von der ICD-Implantation keinen Nutzen zu erlangen. Die Ergebnisse können insbesondere für die Patientenaufklärung hilfreich sein, das individuelle perioperative Risiko genauer einzustufen. Die Indikationen zur ICD-Implantation sind sowohl zur Primär- als auch zur Sekundärprävention etabliert [2, 7–10], obwohl sie auf älteren Studien basieren. Es liegen viele Langzeitdaten zu Komplikationen und Mortalität vor [11-13]. Hinsichtlich der perioperativen Mortalität basieren die Daten insbesondere auf Registerdaten [4, 14, 15]. Die vorliegende Auswertung der Datensätze der QS NRW ist vergleichbar mit ausländischen Ergebnissen, denen zufolge die Mortalität bei der ICD-Implantation tatsächlich niedriger liegt als bei Schrittmacherimplantationen [3]. Über die Ursachen dessen kann nur spekuliert werden (jüngeres Alter der Patienten mit ICD- im Vergleich zur Schrittmacherimplantation, Operation in erfahreneren Institutionen bzw. von erfahreneren Implanteuren, geringere Komorbidität?). Im Unterschied zur Schrittmacherimplantation fordert die aktuelle QS für Patienten mit ICD-Implantation eine mindestens 1‑jährige Lebenserwartung in gutem funktionellen Status. Das geschlechtsspezifische Outcome variiert in der Literatur stark. Neben Studien, in denen kaum relevante geschlechtsspezifische Unterschiede beobachtet wurden [16], konnte in anderen gezeigt werden, dass Komplikationen bei Frauen häufiger auftreten [17]. Hierbei sind insbesondere der Pneumothorax und die Perikardtamponade zu nennen [18]. In der vorliegenden Auswertung zeigte sich eine perioperativ signifikant erhöhte Mortalität bei Frauen. Kanadische Kardiologen haben die ICD-Versorgung von Männern und Frauen analysiert und berichtet, dass – trotz Adjustierung – Männer nach Myokardinfarkt oder mit Herzinsuffizienz 3‑mal häufiger mit einem ICD versorgt werden [19]. Dies lässt vermuten, dass Frauen nur bei schwerer Herzinsuffizienz versorgt werden und somit eine höhere Anfälligkeit haben könnten. Eine höhere Rate an Komplikationen bei Frauen (Blutungen, Wundheilungsstörungen etc.) wurde in vielen Studien mit invasiven bzw. operativen Therapien nachgewiesen. Al-Khatib et al. haben wesentliche Risikofaktoren der Sterblichkeit definiert. Hierunter zählen unter anderem [17]: Herzinfarkt in der Anamnese, Diabetes mellitus, Niereninsuffizienz und Herzinsuffizienz. Hinsichtlich der perioperativen Mortalität haben sich in den aktuell ausgewerteten Daten nur die dialysepflichtige Niereninsuffizienz und die Herzinsuffizienz, basierend auf der NYHA-Klasse, aber nicht die EF als signifikante Marker bestätigt. Trotzdem sollte Dialysepatienten eine ICD-Implantation nicht vorenthalten werden, da auch neue Daten zeigen, dass Dialysepatienten von einer sekundärprophylaktischen ICD-Implantation profitieren [20]. Die vorliegenden Daten zeigen ein 3‑fach erhöhtes Risiko bei der sekundärprophylaktischen ICD-Implantation. Dies ist am ehesten auf dem Boden der akuten Arrhythmielast mit möglicherweise auch reduziertem Status der Patienten vor der Operation (z. B. nach Reanimation) zu erklären. Daher sollte der Zeitpunkt der ICD-Implantation bei diesen Patienten kritisch gewählt werden. Das Hauptargument gegen ein längeres Zuwarten ist die Gefahr eines Arrhythmierezidivs. Allerdings sollte in einem stabilen Zustand und nicht unmittelbar nach einem VT(ventrikuläre Tachykardie)-Sturm operiert werden. Dabei gilt es abzuwägen, ob im stationären Setting eine protrahierte Implantation erfolgen oder sogar nach Versorgung mit tragbarer Defibrillatorweste der Zeitpunkt der Operation weiter verschoben werden sollte. Auch eine frühzeitige VT-Ablation vor der ICD-Implantation ist Gegenstand aktueller Studien [21]. Unsere Daten sollten dazu genutzt werden, bei multimorbiden Patienten bereits im Vorfeld an ein erhöhtes Risiko für Komplikationen und perioperative Mortalität zu denken und daher bei jedem Schritt der Implantation besondere Sorgfalt walten zu lassen. Dies bekräftigen auch die Daten aus dem „strukturierten Dialog“. Einerseits ist das sehr niedrige operationsassoziierte Risiko als positiv zu bewerten, und es bestätigt die sichere Durchführung der Implantationen, andererseits rückt der Appell für die korrekte Auswahl der Patienten weiter in den Vordergrund, da die Mortalität überwiegend durch die Komorbidität der Patienten während des stationären Aufenthalts erklärt ist. Bei der Implantation von Ein- und Zweikammer-ICD ist eine Komplikationsrate von 1,0–4,5 % beschrieben [4]. In der aktuellen Auswertung bei 18.625 Patienten betrug die Inzidenz von Komplikationen 1,9 %. Diese Patienten bedürfen postoperativ einer besonderen Aufmerksamkeit, da ein signifikant (rechnerisch 6‑fach) erhöhtes Risiko einer perioperativen Mortalität besteht (3,7 % vs. 0,6 %; p < 0,001). Das perioperative Mortalitätsrisiko ist in der vorliegenden Analyse bei Patienten mit sekundärprophylaktischer Indikation mit 1,2 % signifikant höher als bei solchen mit primärprophylaktischer Indikation (0,4 %; p ≤ 0,001). Dies beschreibt allerdings nur die akute Beobachtung. Hinsichtlich des Langzeitbeobachtung liegen in der Literatur auch entgegengesetzte Daten vor. So besteht bei Patienten nach primärprophylaktischer Implantation (nach der ersten ICD-Auslösung) eine höhere Arrhythmielast als bei Patienten nach sekundärprophylaktischer Implantation [22]. Zusammengefasst präsentieren die analysierten Daten einer großen Patientenkohorte, dass es, obwohl die perioperative Mortalität bei der ICD-Implantation mit 0,6 % niedrig ist, Patienten mit deutlich erhöhtem Risiko gibt, die identifiziert und entsprechend protektiv behandelt werden sollten. Aufgrund von sowohl neuen kritischen Daten bezüglich der ICD-Therapie [23, 24], verbesserter medikamentöser Herzinsuffizienztherapie, verbesserter Interventions- und Ablationstherapie als auch der Option, längere zeitliche „Risikofenster“ mit tragbaren Defibrillatoren zu überbrücken, sollten insbesondere bei Risikopatienten alle Möglichkeiten genutzt werden, um eine ICD-Implantation, sofern dies sinnvoll sein kann, zu vermeiden.

Limitationen

Die Ergebnisse liefern wichtige Erkenntnisse über postoperative Komplikationen und das Risikomanagement von ICD-Patienten, die jedoch auf die durch die QS erfassten Daten limitiert sind. Die Analyse ist auf die Krankenhausmortalität beschränkt, und es kann keine Aussage über die Mortalität nach Entlassung oder im Follow-up getroffen werden. Dafür werden hier jedoch sicher alle Todesfälle zum Entlassungszeitpunkt erfasst. Natürlich können nach Entlassung und darüber hinaus noch Patienten verstorben sein, aber deren Anzahl ist als gering einzuschätzen. Diese Limitation resultiert aus der gewählten Methodik, die durch die QS vorgegeben ist.

Fazit für die Praxis

Hinsichtlich der perioperativen Mortalität besteht ein signifikant erhöhtes Risiko an einer ICD(implantierbarer Kardioverter-Defibrillator)-Operation zu versterben, wenn die Patienten älter als 80 Jahre oder weiblich sind, ein fortgeschrittenes NYHA(New York Heart Association)-Stadium oder eine dialysepflichtige Niereninsuffizienz aufweisen. Patienten, die einen ICD aufgrund einer sekundärprophylaktischen Indikation erhalten, haben ein höheres perioperatives Mortalitätsrisiko. Wie bei der Herzschrittmacherimplantation ist auch bei der ICD-Implantation das Auftreten von Komplikationen ein Risikomarker für eine höhere perioperative Mortalität.
  24 in total

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Authors:  Silvia G Priori; Carina Blomström-Lundqvist; Andrea Mazzanti; Nico Blom; Martin Borggrefe; John Camm; Perry Mark Elliott; Donna Fitzsimons; Robert Hatala; Gerhard Hindricks; Paulus Kirchhof; Keld Kjeldsen; Karl-Heinz Kuck; Antonio Hernandez-Madrid; Nikolaos Nikolaou; Tone M Norekvål; Christian Spaulding; Dirk J Van Veldhuisen
Journal:  Europace       Date:  2015-08-29       Impact factor: 5.214

2.  ACC/AHA/ESC 2006 guidelines for management of patients with ventricular arrhythmias and the prevention of sudden cardiac death: a report of the American College of Cardiology/American Heart Association Task Force and the European Society of Cardiology Committee for Practice Guidelines (Writing Committee to Develop guidelines for management of patients with ventricular arrhythmias and the prevention of sudden cardiac death) developed in collaboration with the European Heart Rhythm Association and the Heart Rhythm Society.

Authors:  Douglas P Zipes; A John Camm; Martin Borggrefe; Alfred E Buxton; Bernard Chaitman; Martin Fromer; Gabriel Gregoratos; George Klein; Arthur J Moss; Robert J Myerburg; Silvia G Priori; Miguel A Quinones; Dan M Roden; Michael J Silka; Cynthia Tracy; Silvia G Priori; Jean-Jacques Blanc; Andrzej Budaj; A John Camm; Veronica Dean; Jaap W Deckers; Catherine Despres; Kenneth Dickstein; John Lekakis; Keith McGregor; Marco Metra; Joao Morais; Ady Osterspey; Juan Luis Tamargo; José Luis Zamorano; Sidney C Smith; Alice K Jacobs; Cynthia D Adams; Elliott M Antman; Jeffrey L Anderson; Sharon A Hunt; Jonathan L Halperin; Rick Nishimura; Joseph P Ornato; Richard L Page; Barbara Riegel
Journal:  Europace       Date:  2006-08-25       Impact factor: 5.214

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Authors:  Stephan Willems; Roland Richard Tilz; Daniel Steven; Stefan Kääb; Karl Wegscheider; László Gellér; Christian Meyer; Christian-Hendrik Heeger; Andreas Metzner; Moritz F Sinner; Michael Schlüter; Peter Nordbeck; Lars Eckardt; Harilaos Bogossian; Arian Sultan; Beate Wenzel; Karl-Heinz Kuck
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Authors:  A Markewitz
Journal:  Herzschrittmacherther Elektrophysiol       Date:  2019-12

6.  Can we rely on Danish? Real-world data on patients with nonischemic cardiomyopathy from the German Device Registry.

Authors:  Gerrit Frommeyer; Dietrich Andresen; Hüseyin Ince; Sebastian Maier; Christoph Stellbrink; Thomas Kleemann; Karlheinz Seidl; Ellen Hoffmann; Bernhard Zrenner; Matthias Hochadel; Jochen Senges; Lars Eckardt
Journal:  Heart Vessels       Date:  2019-01-03       Impact factor: 2.037

7.  Defibrillator implantation early after myocardial infarction.

Authors:  Gerhard Steinbeck; Dietrich Andresen; Karlheinz Seidl; Johannes Brachmann; Ellen Hoffmann; Dariusz Wojciechowski; Zdzisława Kornacewicz-Jach; Beata Sredniawa; Géza Lupkovics; Franz Hofgärtner; Andrzej Lubinski; Mårten Rosenqvist; Alphonsus Habets; Karl Wegscheider; Jochen Senges
Journal:  N Engl J Med       Date:  2009-10-08       Impact factor: 91.245

8.  Single chamber implantable cardioverter defibrillator compared to dual chamber implantable cardioverter defibrillator: less is more! Data from the German Device Registry.

Authors:  Harilaos Bogossian; Gerrit Frommeyer; Matthias Hochadel; Hüseyin Ince; Stefan G Spitzer; Lars Eckardt; Sebastian K G Maier; Thomas Kleemann; Johannes Brachmann; Christoph Stellbrink; Bernd-Dieter Gonska; Stefan Kääb; Jochen Senges; Bernd Lemke
Journal:  Clin Res Cardiol       Date:  2019-12-10       Impact factor: 5.460

9.  Is mortality a useful parameter for public reporting in pacemaker implantation? Results of an obligatory external quality control programme.

Authors:  Bernd Nowak; Björn Misselwitz; Oliver Przibille; Rajendra H Mehta
Journal:  Europace       Date:  2017-04-01       Impact factor: 5.214

10.  Cardiac device implantation in the United States from 1997 through 2004: a population-based analysis.

Authors:  Chunliu Zhan; William B Baine; Artyom Sedrakyan; Claudia Steiner
Journal:  J Gen Intern Med       Date:  2008-01       Impact factor: 5.128

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Review 1.  Big Data in electrophysiology.

Authors:  Sotirios Nedios; Konstantinos Iliodromitis; Christopher Kowalewski; Andreas Bollmann; Gerhard Hindricks; Nikolaos Dagres; Harilaos Bogossian
Journal:  Herzschrittmacherther Elektrophysiol       Date:  2022-02-08
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