Literature DB >> 33343095

Margitta Worm1, Barbara Ballmer-Weber2, Randolf Brehler3, Mandy Cuevas4, Anna Gschwend5, Karin Hartmann6, Thomas Hawranek7, Wolfram Hötzenecker8, Bernhard Homey9, Thilo Jakob10, Natalija Novak11, Julia Pickert12, Joachim Saloga13, Knut Schäkel14, Axel Trautmann15, Regina Treudler16, Bettina Wedi17, Gunter Sturm18, Franziska Rueff19.   

Abstract

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Year:  2020        PMID: 33343095      PMCID: PMC7735182          DOI: 10.1007/s15007-020-2646-7

Source DB:  PubMed          Journal:  Allergo J        ISSN: 0941-8849


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Eingang 20. Juli 2020 Annahme 24. August 2020 Englische Fassung http://link.springer. com/journal/40629

Zusammenfassung

Die Insektengiftallergie ist mit einem Vorkommen von 3-5 % in der Bevölkerung häufig und kann bei bis zu 1 % der Betroffenen potenziell lebensbedrohliche allergische Reaktionen auslösen [1]. Patienten, die eine systemische allergische Reaktion nach einem Insektenstich erlitten haben, sollten allergologisch vorgestellt und versorgt werden. Aufgrund der vielerorts in den letzten Monaten durch die COVID-19-Pandemie reduzierten ambulanten und stationären Versorgungskapazitäten wurden länderspezifisch unterschiedliche Maßnahmen ergriffen, um auch Patienten mit einer Insektengiftallergie fortwährend optimal allergologisch zu versorgen. Eine aktuelle Datenanalyse zeigt, dass es 2020 zu einer Einschränkung von Neueinleitungen der Insektengiftimmuntherapie gekommen ist (März-Juni 2019 im Vergleich März-Juni 2020: Rückgang 48,5 %; Daten aus verschiedenen Zentren in Deutschland, Österreich und Schweiz). Es werden konkrete organisatorische (z. B. Telefon- und Videosprechstunden, die Umgestaltung von Wartebereichen mit Umsetzung von Hygienemaßnahmen und Abstandsregeln bei stabiler Patientenzahl) und medizinische Maßnahmen (Zusammenarbeit mit niedergelassenen Ärzten bzgl. primärer Diagnostik, kurzfristige COVID-19-Testung, die ambulante Fortführung einer begonnenen Insektengiftimmuntherapie unter Ausnutzung der zulässigen Injektionsintervalllängen, Neueinleitung einer Insektengiftimmuntherapie zeitnah innerhalb der Saison, ggf. Einsatz ambulanter Schemata vor allem außerhalb der Saison) zur Betreuung von Insektengiftallergikern während der COVID-19-Pandemie vorgeschlagen. Zitierweise: Worm M, Ballmer-Weber B, Brehler R, Cuevas M, Gschwend A, Hartmann K, Hawranek T, Hötzenecker W, Homey B, Jakob T, Novak N, Pickert J, Saloga J, Schäkel K, Trautmann A, Treudler R, Wedi B, Sturm G, Ruëff F. Healthcare provision for insect venom allergy patients during the COVID-19 pandemic. Allergo J Int 2020; 29:257-61 https://doi.org/10.1007/s40629-020-00157-z Die Insektengiftallergie ist mit einem Vorkommen von 3-5 % in der Bevölkerung häufig und kann bei bis zu 1 % der Betroffenen potenziell lebensbedrohliche allergische Reaktionen auslösen [1]. Daher sollten Patienten, die eine systemische allergische Reaktion nach einem Insektenstich erlitten haben, allergologisch vorgestellt und versorgt werden. Das Standardvorgehen beinhaltet neben der Anamnese mit Erfassung der Symptome und der Begleitumstände der Reaktion, die Durchführung einer titrierten Hautpricktestung und gegebenenfalls einer Intrakutantestung und/oder die Bestimmung spezifischer Immunglobulin(Ig)-E-Antikörper gegen Insektengift und gegebenenfalls dessen Komponenten zum Nachweis einer Allergie vom Soforttyp (Abb. 1). Zur besseren Risikoabschätzung, vor allem nach schweren Reaktionen, wird auch die Bestimmung der basalen Serumtryptase empfohlen. Wenn die oben genannten Befunde positiv sind und die betroffenen Patienten anamnestisch eine systemische allergische Reaktion zeigten, wird die Einleitung einer allergenspezifischen Immuntherapie mit dem entsprechenden Insektengift empfohlen [2].
Eine unterlassene spezifische Immuntherapie bei gefährdeten Patienten impliziert neben dem Gesundheitsrisiko für die Betroffenen gegebenenfalls einen vermehrten Bedarf von ambulanten Notfallversorgungen bei Insektenstichreaktionen. Eine solche Situation sollte im Falle eines Notstands im Gesundheitswesen vermieden werden. Die Bedeutung der COVID-19-Pandemie für die Allergologie wurde kürzlich in verschiedenen Positionspapieren diskutiert [3, 4]. Aufgrund der vielerorts in den letzten Monaten durch die COVID-19-Pandemie reduzierten ambulanten und stationären Versorgungskapazitäten wurden länderspezifisch unterschiedliche Maßnahmen ergriffen, um auch Patienten mit einer Insektengiftallergie fortwährend optimal allergologisch zu versorgen. Insgesamt ist jedoch festzustellen, dass es zu einer Einschränkung von Neueinleitungen der Insektengifthyposensibilisierung gekommen ist (Tab. 1). Eine Abfrage von verschiedenen Zentren bezüglich der Neueinleitung der "venom immuntherapy" (VIT) ergab für die Monate März bis Juni 2019/2020 im Vergleich einen Rückgang von fast 50 % (Abb. 2). Mit dazu beigetragen haben auch die Patienten selbst, denen es aufgrund der COVID-19-Pandemie zu riskant erschien, einen Arzt beziehungsweise ein Krankenhaus aufzusuchen.
Klinikeingeleitete VIT März bis Juni 2019eingeleitete VIT März bis Juni 2020
Allergologie und Dermatologie, Universitätsspital Basel, Schweizkeine Angabekeine Angabe
Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Charité - Universitätsmedizin Berlin289
Poliklinik, Universitätsklinik für Rheumatologie, Immunologie und Allergologie, Inselspital Bern, Schweiz~ 3012
Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie, Universitätsklinikum Bonn2821
Klinik und Poliklinik für HNO, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden2325
Klinik für Dermatologie, Universitätsklinikum Düsseldorfkeine Angabekeine Angabe
Klinik für Dermatologie und Allergologie, Universitätsklinikum Gießen und Marburg 76 (36 G, 40 M)42 (33 G, 9 M)
Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie, Medizinische Universität Graz, Österreich502
Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie, Medizinische Hochschule Hannover8918
Hautklinik, Universitätsklinikum Heidelberg1517
Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Universitätsklinikum Leipzig3533
Klinik für Dermatologie und Venerologie, Kepler Universitätsklinikum, Linz, Österreich3116
Hautklinik und Poliklinik, Universitätsmedizin, Johannes Gutenberg-Universität Mainzkeine Angabekeine Angabe
Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie, Universität München8753
Klinik für Hautkrankheiten, Universitätsklinikum Münster6140
Universitätsklinik für Dermatologie und Allergologie, Paracelsus Medizinische Privatuniversität Salzburg, Österreich2917
Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Kantonsspital St. Gallen, Schweiz205
Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Universitätsklinikum Würzburgkeine Angabekeine Angabe
VIT, "venom immuntherapy"; G, Gießen; M, Marburg
Im Folgenden werden von den Autoren Maßnahmen vorgeschlagen, wie die allergologische Versorgung von Insektengiftallergikern in Zeiten von Notstandsregelungen im Gesundheitssystem wie während der COVID-19-Pandemie gesichert werden kann (Tab. 2).
— Verstärkter Einsatz von Telefon- und Videosprechstunden
— Umgestaltung von Wartebereichen mit Umsetzung von Hygienemaßnahmen und Abstandsregeln bei stabiler Patientenzahl
— Zusammenarbeit mit niedergelassenen Ärzten bzgl. primärer Diagnostik (Bestimmung von sIgE Biene/Wespe)
— Kurzfristige COVID-19-Testung (vorstationär bzw. bei Aufnahme)
— Uneingeschränkte ambulante Fortführung einer begonnenen Insektengiftimmuntherapie (außer bei selbst COVID-19-erkrankten Patienten) unter Ausnutzung der zulässigen Injektionsintervalllängen
— Neueinleitung einer Insektengiftimmuntherapie zeitnah innerhalb der Saison, ggf. Einsatz ambulanter Schemata vor allem außerhalb der Saison
— Explizite Ansprache der COVID-19-Situation bei den Patienten (persönlich oder im Einbestellungsbrief)
— Bei Engpässen Triage nach Schweregrad der Reaktion auf den Stich
— Organisation der Klinik anpassen, z. B. Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen, gestreckte Ambulanz-Zeiten, Aufdosierung am Wochenende
sIgE, spezifisches Immunglobin E

1. Fortführung einer begonnenen Insektengiftimmuntherapie (siehe auch [3])

Eine begonnene allergenspezifische Immuntherapie mit Insektengift sollte trotz etwaiger Einschränkungen medizinischer Ressourcen unter Ausnutzung der möglichen Intervalllängen möglichst konsequent fortgeführt werden. Die Unterbrechung der spezifischen Immuntherapie kann zu einem Verlust des Schutzes führen und verursacht durch die Notwendigkeit einer erneuten Einleitung bei Zeitüberschreitung des Therapieintervalls zu einem späteren Zeitpunkt unnötige Aufwendungen. Bei eigener COVID-19-Erkrankung des Patienten wird eine Therapiepause bis zur Genesung angeraten. Nach der Genesung sollte zeitnah eine Wiederaufdosierung (falls noch im erlaubten Intervall) oder gegebenenfalls eine Neueinleitung der allergenspezifischen Immuntherapie erfolgen. Gegebenenfalls kann es sinnvoll sein, den Patienten vor der persönlichen Vorstellung zur Injektion im Rahmen einer telefonischen oder telemedizinischen Sprechstunde zu kontaktieren, um aktuelle Kontraindikationen für die Injektion auszuschließen und dem Patienten möglicherweise eine überflüssige Vorstellung zu ersparen.

2. Neueinleitung einer Insektengiftimmuntherapie (siehe auch [3])

Eine Verschiebung der Neueinleitung einer Insektengiftimmuntherapie außerhalb der Saison ist unter Beachtung der Zeitfenster möglich. Eine Verschiebung einer Einleitungstherapie in der Saison ist zu vermeiden, um Patienten nicht dem Risiko einer schweren erneuten Reaktion nach einem ungewollten Stich auszusetzen. Die Einleitung sollte bevorzugt als Ultra-Rush-Therapie unter medizinischer Überwachung erfolgen. Hierfür haben sich Ein- bis Fünftagesprotokolle bewährt [5, 6]. Diese besitzen den Vorteil, dass die Maximaldosis nach einer kurzen Behandlungsphase erreicht wird. Auch verkürzte ambulante Aufdosierungsprotokolle wurden für Wespengiftallergiker untersucht und zeigen bezüglich der Sicherheit gute Ergebnisse [7]. Sie erfordern jedoch einen längeren Zeitraum der Einleitungsphase (sieben Wochen), sodass ein solches Behandlungsschema eher außerhalb der Saison eingesetzt werden sollte. Zusammenfassend sollte die Diagnostik der Insektengiftallergie einschließlich der Anamnese und Hauttestungen an die aktuellen Bedingungen angepasst werden. Einleitungstherapien sollten weiterhin mit einem Ultra-Rush-Schema begonnen und vor allem während der Saison nicht zurückgestellt werden. Insbesondere außerhalb der Saison, bei stationären Engpässen oder bestimmten regionalen Voraussetzungen ist eine ambulant durchgeführte Aufdosierung möglich. Speziell für Wespengiftallergiker ist kürzlich auch ein verkürztes Sieben-Wochen-Protokoll publiziert worden [7]. Die ambulante Aufdosierung sollte möglichst in einer mit dieser Therapie erfahrenen Einrichtung erfolgen, die auch eine notfallmedizinische Versorgung vorhält. Allergologie und Immunologie Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie Charité - Universitätsmedizin Berlin Charitéplatz 1 10117 Berlin, Deutschland E-Mail: margitta.worm@charite.de
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1.  Prospective safety analysis of an ultrarush specific immunotherapy in adults with wasp venom allergy.

Authors:  H Lee; C Roediger; A Bauer; T Zuberbier; M Worm
Journal:  Allergy       Date:  2006-10       Impact factor: 13.146

2.  First European data from the network of severe allergic reactions (NORA).

Authors:  M Worm; A Moneret-Vautrin; K Scherer; R Lang; M Fernandez-Rivas; V Cardona; M L Kowalski; M Jutel; I Poziomkowska-Gesicka; N G Papadopoulos; K Beyer; T Mustakov; G Christoff; M B Bilò; A Muraro; J O B Hourihane; L B Grabenhenrich
Journal:  Allergy       Date:  2014-08-16       Impact factor: 13.146

3.  Safety of a two-day ultrarush insect venom immunotherapy protocol in comparison with protocols of longer duration and involving a larger number of injections.

Authors:  R Brehler; H Wolf; B Kütting; J Schnitker; T Luger
Journal:  J Allergy Clin Immunol       Date:  2000-06       Impact factor: 10.793

4.  Comment on: Bilò MB, Pravettoni V, Mauro M, Bonadonna P. Treating venom allergy during COVID-19 pandemic: Management of venom allergen immunotherapy during the COVID-19 outbreak in Spain.

Authors:  Emilia Martínez-Lourido; Andrea Otero; Margarita Armisén; Carmen Vidal
Journal:  Allergy       Date:  2020-10-23       Impact factor: 13.146

Review 5. 

Authors:  Ludger Klimek; Oliver Pfaar; Margitta Worm; Karl-Christian Bergmann; Thomas Bieber; Roland Buhl; Jeroen Buters; Ulf Darsow; Thomas Keil; Jörg Kleine-Tebbe; Susanne Lau; Marcus Maurer; Hans Merk; Ralph Mösges; Joachim Saloga; Petra Staubach; Dagmar Poethig; Klaus Rabe; Uta Rabe; Claus Vogelmeier; Tilo Biedermann; Kirsten Jung; Wolfgang Schlenter; Johannes Ring; Adam Chaker; Wolfgang Wehrmann; Sven Becker; Norbert Mülleneisen; Katja Nemat; Wolfgang Czech; Holger Wrede; Randolf Brehler; Thomas Fuchs; Peter-Valentin Tomazic; Werner Aberer; Antje Fink-Wagner; Friedrich Horak; Stefan Wöhrl; Verena Niederberger-Leppin; Isabella Pali-Schöll; Wolfgang Pohl; Regina Roller-Wirnsberger; Otto Spranger; Rudolf Valenta; Mübecell Akdis; Cezmi Akdis; Karin Hoffmann-Sommergruber; Marek Jutel; Paolo Matricardi; François Spertini; Nikolai Khaltaev; Jean-Pierre Michel; Laurent Nicod; Peter Schmid-Grendelmeier; Eckard Hamelmann; Thilo Jakob; Thomas Werfel; Martin Wagenmann; Christian Taube; Jean Bousquet; Torsten Zuberbier; Christian Vogelberg; Michael Gerstlauer
Journal:  Allergo J       Date:  2020-05-08

6.  A safe and efficient 7-week immunotherapy protocol with aluminum hydroxide adsorbed vespid venom.

Authors:  Christoph Schrautzer; Lisa Arzt-Gradwohl; Danijela Bokanovic; Ines Schwarz; Urban Čerpes; Lukas Koch; Sereina Annik Herzog; Karin Laipold; Barbara Binder; Werner Aberer; Gunter Johannes Sturm
Journal:  Allergy       Date:  2019-09-03       Impact factor: 13.146

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