| Literature DB >> 33180158 |
Katharina Wahedi1, Louise Biddle1, Rosa Jahn1, Sandra Ziegler1, Steffen Kratochwill1, Susanne Pruskil2, Stefan Noest1,3, Kayvan Bozorgmehr4,5.
Abstract
During the time of increased in-migration of asylum seekers to Germany in 2015 and 2016, different models of healthcare provision were established in reception centres, often on an ad hoc basis and influenced by local actors. The goal of this study was to map different care models and identify challenges in the implementation of effective and needs-based health service structures.Data was generated through 13 semi-structured interviews and in an interactive workshop with group discussions. An analysis was conducted using a qualitative content analysis method. Participants were stakeholders from clinics in reception centres, including medical and healthcare personnel, administrators, representatives of public health offices and researchers.Different models of ambulatory care have formed as a response to the particular medical needs of asylum seekers and the complex context in which care takes place, often exceeding the simple offer of primary care. The facilities fundamentally differ with regard to objectives and organisational aspects, e.g. the responsible carrier, structure of human resources and the extent of health services provided. Shared challenges include planning needs-based care, the lack of shared guidelines and a lack of opportunities for exchange between the different actors working in the clinics. Action is required to transform ad hoc initiatives into resilient health care practices, particularly regarding structured and continued opportunities for exchange, as well as the development and implementation of nation-wide guidelines. Jointly developed areas for action and proposed solutions presented here can serve as a basis for further work in this area.Entities:
Keywords: Ambulatory care; Asylum seekers; Medical care; Organisational research; Reception centres
Mesh:
Year: 2020 PMID: 33180158 PMCID: PMC7686202 DOI: 10.1007/s00103-020-03243-3
Source DB: PubMed Journal: Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz ISSN: 1436-9990 Impact factor: 1.513


| Komponente | Spektrum |
|---|---|
| Betrieb der Ambulanzen | Betreiber: – Öffentlich: Universitätskliniken, Kassenärztliche Vereinigung, Öffentlicher Gesundheitsdienst – Privat: profitorientiert und nichtprofitorientiert (z. B. kirchlich) |
| Personalstruktur | In den Ambulanzen arbeiteten: – Fachärzt*innen (an Uni auch Assistenzärzt*innen) – Meist zusätzlich verschiedene Angehörige von Gesundheitsfachberufen: Rettungssanitäter*innen, Notfallsanitäter*innen, Pflegekräfte und medizinische Fachangstelle (MFA) – An vereinzelten Standorten zusätzlich Sozialarbeiter*innen Arbeitsverhältnis in Teilen abhängig vom Betreiber: – Private Betreiber: Vor allem Honorarärzt*innen – Öffentliche Betreiber: Mischung aus Honorarärzt*innen und Angestellten (Bruttostundenlohn für Honorarärzt*innen variierte zwischen 75 € und 130 €, häufig waren diese bereits im Ruhestand) |
| Praktische Auswirkungen des AsylbLG auf die medizinische Versorgung | An einem Standort: Definition des Leistungskatalogs durch Gesundheitskarte An allen anderen Standorten: Antrag auf Kostenübernahme notwendig für – Sehr teure Behandlungen oder Medikamente – Alle Medikamente Vom Ambulanzpersonal wahrgenommenes Spektrum der Versorgung: – Stark eingeschränkt bis – Sehr nah an Regelversorgung |
| Ärztliche Versorgung | Angebotene Fachrichtungen: – Immer: Allgemeinmedizin (2,6–10 h/100 Bewohner*innen) – z. T. zusätzliche Fachrichtungen, u. a. Gynäkologie, Pädiatrie, Zahnmedizin, Dermatologie |
| Psychosoziale Versorgung | Häufig keinerlei psychosoziale Versorgung, wenn Versorgung angeboten, dann: – „Stabilisierungssprechstunde“ – Psychotherapeutische Sprechstunde in der Ambulanz – Anbindung an eine psychiatrische Ambulanz der Uniklinik – „Psychosoziale“ Sprechstunde (Dennoch berichteten alle Standorte, den psychologischen Bedarf der Bewohner*innen der AE nicht ausreichend adressieren zu können.) |
| Sprechstundenmanagement und nichtärztliche Versorgung | Große Unterschiede in den Aufgaben des Gesundheitspersonals: – Terminorganisation mit externen Versorgern – Durchführung von EKG, Labor – Durchführung von „pflegerischen“ Tätigkeiten, wie Wundversorgung, Triage und Erstversorgung – Dokumentation und Assistenz in den Sprechstunden – Individuelle Betreuung und Nachverfolgung der einzelnen Patient*innen – „Pflegerische Sprechstunde“ (einfache medizinische Versorgung bei Erkältung, Magen-Darm-Beschwerden etc.) – Organisation des Medikamenten- und Hilfsmittelbestands – Erstellung von Dienstplänen – Betreuung und Organisation weiteren Personals (Dolmetscher/Security) |
| Sprachmittlung | Unterschiede in der Finanzierung von Sprachmittler*innen: – Keine Finanzierung, nur Familienmitglieder und Freunde als Sprachmittler*innen – Bezahlte Dolmetscher*innen verfügbar bei bestimmten Indikationen (z. B. Aufklärung zu Operationen, psychologische Versorgung, Überweisung in die Regelversorgung) – Immer Dolmetscher*innen vor Ort für häufigste Sprachen Unterschiedliche Konzepte: – „Laiensprachmittler*innen“, z. T. auch Medizinstudierende – Vereidigte Dolmetscher*innen – Videodolmetschsysteme für ärztliches Personal und Leitstelle |
| Ausgabe von Rezepten und Arzneimitteln | Mögliche Prozesse: – Medikamentenstandard vor Ort (z. T. sehr umfangreich, z. T. nur das Allernötigste) – Ausgabe von Rezepten; diese wurden von Asylsuchenden in einer Apotheke der Wahl eingelöst – Lieferung nach Ausstellung des Rezeptes von städtischen Apotheken |
| Dokumentations- und Informationssysteme | Dokumentation der Versorgung entweder – Papierbasiert (vor allem am Anfang) – Elektronische Dokumentation; gebräuchliche Praxissysteme: – Spezifische Software des Betreibers für die gesamte Unterkunft – Klinikinformationssysteme (KIS) – Refugee Care Manager (RefCare©) |
| Akteure | Erarbeitete Lösungsstrategien und Handlungsbedarf |
|---|---|
| Landesbehörde | – Definition und Vergütung von Organisations- und Leitungsfunktionen – Vorgaben zur Erstellung und Etablierung von Standardabläufen und Vernetzungstreffen – Koordination relevanter Akteur*innen innerhalb des Versorgungsauftrags – Kontinuität in der Versorgung sicherstellen: Nicht viele unterschiedliche Versorger*innen mit wenigen Stellen und Wechsel in der Personalbesetzung vermeiden Sprachmittlung: Ausarbeitung und Finanzierung von Konzepten zur Sicherstellung der für die medizinische Versorgung notwendigen Kommunikation Dokumentation und Informationsweitergabe: – Schnittstellen zwischen den einzelnen Einrichtungen (Ambulanzen untereinander, aber auch Öffentlicher Gesundheitsdienst) technisch und datenschutzkonform ermöglichen |
| Öffentlicher Gesundheitsdienst | Psychosoziale Versorgung: – Vermehrt präventive Konzepte für die psychosoziale Versorgung in die Formulierung einbringen Schnittstellen zu kurativer Versorgung aufbauen: – Kommunikationskanäle etablieren, um identifizierte Vulnerabilitäten und z. B. Impfbedarfe effizienter mit kurativen Versorgern auszutauschen Zentrale Steuerung und Qualitätsmanagement: – Diskussion der Einbringung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes in Leitung und Organisation der Ambulanzen |
| Wissenschaft | Transfer von Wissenschaft zu Praxis erleichtern: – wissenschaftliche Berichte in Form von kurzen Berichten verfassen, Kommunikation an Politik verstärken Forschungsbedarfe adressieren: – Interventionsstudien zu unterschiedlichen Versorgungsmodellen, Triage und Notfallversorgung, Kosteneffektivität von Dolmetschern |
| Ambulanzpersonal | Fort‑/Weiterbildung des Ambulanzpersonals: – Schulung im Umgang mit psychosozialen Problemstellungen, integrierten Versorgungskonzepten und Fähigkeiten des Case-Managements Erfahrungsaustausch: – Vernetzung mit anderen Ambulanzen und anderen Akteur*innen auf dem Gelände der Aufnahmeeinrichtung stärker ausbauen Bedarfe erfassen: – Aktiv Schwankungen in der Inanspruchnahme von Versorgung wahrnehmen und Unter‑/Überangebot der angebotenen Sprechstunden wahrnehmen und kommunizieren |