| Literature DB >> 32934429 |
Veronika Geng1, Ralf Böthig2, Andreas Hildesheim3, Ines Kurze4, Eckhart Dietrich Leder5.
Abstract
The guidelines (AWMF register number: 179-004) on neurogenic bowel dysfunction (NBD) in spinal cord injury of the German-speaking Medical Society for Paraplegiology is addressed to all persons who care for people with congenital or acquired paraplegia with NBD. In particular, doctors, nurses and therapists are addressed. The multiprofessionally developed guidelines (involving neurourologists, visceral surgeons, gastroenterologists, health and nursing staff, nutritionists and associated professional societies in the review process) provides practical support for the care of patients with NBD. Definitions and up to date knowledge on the diagnostics of NBD as well as on the necessary conservative bowel management are conveyed in order to ensure the competent treatment of patients with NBD. The concept of NBD and its clinical implications are described. Drug interventions and surgical procedures are explained in brief and recommendations are given. The main objective of the present guidelines is to prevent complications including fecal incontinence and constipation and thus to positively influence the quality of life of those affected. Helpful appendices, which can be used in everyday life, complete the guidelines. © Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2020.Entities:
Keywords: Bowel management; Constipation; Incontinence; Secondary Continence; Stool modulation
Year: 2020 PMID: 32934429 PMCID: PMC7484609 DOI: 10.1007/s00053-020-00482-5
Source DB: PubMed Journal: Coloproctology ISSN: 0174-2442
| Formulierung | Empfehlungsstärke |
|---|---|
| „Soll“ | Starke Empfehlung |
| „Sollte“ | Empfehlung |
| „Kann“ | Offene Empfehlung |
| „Sollte nicht“ | Negativempfehlung |
| „Soll nicht“ | Starke Negativempfehlung |
| Inkontinenz-Skala bei Querschnittlähmung | ||
|---|---|---|
| Grad I | Inkontinenz nur für Darmgase (Winde) | Anale Inkontinenz |
| Grad II a | Schleimabgang | Anale Inkontinenz |
| Grad II b | Stuhlschmieren | Stuhlinkontinenz |
| Grad III | Inkontinenz für dünne Stühle (Bristol Stool Scale 5–7; [ | Stuhlinkontinenz |
| Grad IV | Inkontinenz für feste Stühle (Bristol Stool Scale 1–4; s. Zusatzmaterial online: Anhang 3.) | Stuhlinkontinenz |
| 1. | Harter Stuhlgang (bei mind. 25 % der Defäkationen) Bristol Stool Scale 1–2 |
| 2. | Manuelle Unterstützung der Entleerung (bei mind. 25 % der Defäkationen) |
| 3. | In der Regel weniger als 3 Stuhlentleerungen pro Woche |
| 4. | Verlängerte Entleerungszeit |
| 5. | Inkomplette Stuhlentleerungen (bei mind. 25 % der Defäkation) |
| 6. | Erfolglose Stuhlentleerungsversuche |
| 7. | Meteorismus mit funktionellen abdominellen oder respiratorischen Störungen |
| Läsion des oberen motorischen Neurons | Läsion des unteren motorischen Neurons |
|---|---|
| „Upper motor neuron lesion“ (UMNL) | „Lower motor neuron lesion“ (LMNL) |
| „Reflexiver Darm“ | „Areflexiver Darm“ |
| Läsion oberhalb des Conus medullaris, sakrales Reflexzentrum ist intakt | Läsion sakrale Segmente des Conus medullaris und/oder Schädigung der sakralen Nervenwurzeln |
| Stuhltransportstörung | |
| Veränderte perianale Empfindung | |
Stuhlentleerungsstörung Obstipation Stuhlinkontinenz (Überlauf- oder Reflexinkontinenz) | Stuhlentleerungsstörung Stuhlinkontinenz („passiv leakage“) |
| Erhöhter Tonus der Beckenbodenmuskulatur | Erniedrigter Tonus der Beckenbodenmuskulatur |
| Erhöhter Tonus des Sphincter ani externus | Fehlender Tonus des Sphincter ani externus |
| Intakter Bulbocavernosusreflex | Fehlender Bulbocavernosusreflex |
| Intakter Analreflex | Fehlender Analreflex |
| Entleerung durch rektale Stimulation möglich | Entleerung durch rektale Stimulation nicht möglich |
| Angestrebter Stuhlentleerungsrhythmus jeden 2. Tag | Angestrebter Stuhlentleerungsrhythmus täglich |
| Lähmungshöhe | Details |
|---|---|
| >Th7 | Keine Bauchpresse |
| <Th7 | Mit erhaltenen sakralen Reflexen |
| <Th7 | Ohne sakrale Reflexe |

| Phasen | Zielsetzung |
|---|---|
| 1 | Erreichen einer ersten Darmentleerung |
| 2 | Erreichen einer regelmäßigen, ausreichenden sowie zeitlich begrenzten Darmentleerung unter Berücksichtigung der individuellen Situation mittels des Assessments |
| 3 | Betroffener und/oder Betreuungsperson erhält Informationen und Instruktionen zum Darmmanagement und übernimmt das Darmmanagement eigenverantwortlich unter Anleitung/Unterstützung der Pflegepersonen |
| 4 | Betroffener beherrscht das Darmmanagement im Rahmen seiner Möglichkeiten (kognitiv/funktionell), sekundäre Stuhlkontinenz, regelmäßige und ausreichende Stuhlentleerung |
| 5 | Anpassung auf die individuellen Lebensumstände zu Hause, lebenslange Nachsorge |

| Läsion des oberen motorischen Neurons („upper motor neuron lesion“) | Läsion des unteren motorischen Neurons („lower motor neuron lesion”) |
|---|---|
| Entleerung täglich bis jeden 2. Tag | Entleerung 1‑ bis 2‑mal täglich |
| Stuhlkonsistenz 3–4 (Bristol Stool Scale) | Stuhlkonsistenz 2–3 (Bristol Stool Scale) |
| Ballaststoffreiche Ernährung, adäquate Flüssigkeitsmenge, Bewegung, Entspannung | |
| Gastrokolische Antwort ausnutzen (Abführen nach Mahlzeit) | |
| Kolonmassage | |
| Digitale Stimulation | – |
Rektaler Entleerungsreflex positiv: Suppositorium: CO2, Glycerin, Bisacodyl | – |
| Digitales Ausräumen | |
| Ampullencheck (Ampulle leer?) ca. 10 min nach der letzten Stuhlausscheidung | |
Beeinflussen der Stuhlkonsistenz (Stuhlmodulation) Quellmittel und/oder osmotisch wirksame, langzeitverträgliche Laxanzien (Macrogol, Laktulose) | |
| Mikroklistier, Klysma | – |
| Transanale Irrigation | |
| Erhöhung des Abdominaldrucks durch Einsatz noch innervierter Bauchmuskulatur. Veränderung der Sitzposition (Oberkörper vorbeugen, Pressen der Arme oder Beine auf den Bauchraum, Knie anziehen, Nutzung einer Bauchbandage oder Husten) | |
| Digitales Austasten der Rektumampulle zur Feststellung des Füllungszustandes vor und nach der Entleerung | |
| Digitales Aufdehnen des Analkanals zum Lösen der Sphinkterspastik bzw. zum Auslösen des Entleerungsreflexes | |
| Stimulation der Darmentleerung durch Setzen von externen Reizen zur Reflexentleerung | |
| Entleeren der Rektumampulle mit dem Finger durch den Betroffenen selbst oder die Pflegeperson (rechtliche Hinweise siehe Zusatzmaterial online: Anhang 9.) | |
| Instillation von körperwarmem Wasser bzw. konfektionierter Einlauflösung zur retrograden Spülung des Rektums und des linken Kolons | |
| Auslösen des Entleerungsreflexes sowie des rektoanalen Inhibitionsreflexes durch Einbringen einer individuell festgelegten Wassermenge mittels Rektalkatheter (Ballon- oder Konuskatheter). Die Irrigation kann mittels Schwerkraft oder manuellem oder elektrischem Pumpsystem durchgeführt werden. Eine kompetente und mehrfache Einweisung in die Handhabung sowie ein adäquates Troubleshooting sind Voraussetzungen für die erfolgreiche Anwendung [ | |
| Mikroklistiere/Klistiere sind Fertiglösungen. Mit dem Klistier wird ein chemischer und/oder physikalischer Reiz gesetzt, der dazu führt, dass die Peristaltik angeregt und der im Rektum befindliche Stuhlgang aufgeweicht wird | |
| Digitale Stimulation durch kreisende Bewegung mit einem behandschuhten Finger oberhalb des Analsphinkters ca. 15–20 s. Danach 5–10 min zuwarten, ob der Reflex zur Stuhlentleerung ausgelöst werden kann. Kann 2–3 Mal wiederholt werden |
| Bei inkompletter Lähmung: Die wichtigste Voraussetzung für ein erfolgreiches Beckenbodentraining ist die Fähigkeit, den Beckenboden wahrzunehmen und diesen isoliert an- und entspannen zu können. Das Beckenbodentraining wird primär unter Anleitung durchgeführt und kann durch funktionelle Elektrostimulation, ggf. Biofeedback [ | |
| Manuelle oder apparative, analwärts gerichtete Reflexmassage. Sie dient der Anregung der Peristaltik, verringert die Kolontransitzeit und erhöht die Stuhlfrequenz [ | |
| Wärme, z. B. in Form von Wickeln (eventuell auch feuchte Wärme), kann Krämpfe und Schmerzen lösen und den Stuhltransport unterstützen. Ätherische Substanzen können dies unterstützen. |


| Indikation: Stuhlinkontinenz bei schlaffem Analsphinkter | |
| Ziel: physiologische Entleerungsposition und Reduktion von Transfers | |
Indikation: Stuhlinkontinenz und Immobilität Prinzip = Stoma-Beutel | |
| Zur Unterstützung der Sitzposition und Optimierung des anorektalen Winkels | |
| Siehe unter 6.2 | |
| Indikation: Stuhlinkontinenz, Immobilität, Wundschutz bei Dekubitus. Neben der Stuhlausleitung sind Darmspülung und/oder Medikamentengabe möglich | |
| Einsatz bei eingeschränkter Handfunktion oder ungenügender Sitzstabilität | |
| Abpolsterung des Toilettensitzes (Dekubitusprophylaxe) | |
Erleichterung – Transfer Rollstuhl-Toilette-Rollstuhl Erleichterung – Zugang zum Analbereich bei Patienten mit frischen Frakturen im Lenden‑/Beckenbereich, welche keine Sitzposition in einem 90°-Winkel einnehmen dürfen | |
Anwendung bei eingeschränkter Handfunktion |
aSind im Hilfsmittelverzeichnis [18] gelistet
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| Das |
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Zunahme des Stuhlvolumens durch intestinale Flüssigkeitsaufnahme, reflektorische Anregung der Darmperistaltik. Da die Wirkung erst nach einigen Tagen eintritt, eignen sich diese Mittel nicht für eine sofortige Stuhlregulation. Zum Beispiel Flohsamenschalen (erfahrungsgemäß beginnen mit einem | |
Sog. Glaubersalze werden in der Langzeitbehandlung bei neurogenen Darmfunktionsstörungen | |
| Einsatz angepasst an Stuhlkonsistenz, Beginn mit 1 Btl./d, Dosissteigerung oder -reduktion nach Wirkung; Akute Obstipation: einmalig 5–6 Beutel auf 1–1,5 l über 3–4 h |
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| Einsatz angepasst an Stuhlkonsistenz, Beginn mit 7,5–15 ml Sirup (5–10 g Laktulose) 1‑bis 2‑mal/Tag, Dosisreduktion oder -steigerung nach Wirkung Akute Obstipation: einmalig 60–100 ml |
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| Zum Beispiel der Sennesfrüchte oder Sennesblätter. Kurzfristige Anwendung – 3 Drg. zur Stimulation der Entleerung – ca. 12. h vor Entleerung einnehmen |
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| 5–10 mg 1/Tag, kurzfristige Anwendung zur Stimulation der Entleerung, ca. 10–12 h vor Entleerung einnehmen |
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| 10–20 Tropfen 2‑tägig, kurzfristige Anwendung zur Stimulation der Entleerung, ca. 10–12 h vor Entleerung einnehmen |
aNebenwirkungen: Besonders die stark wirkenden stimulierenden Laxanzien – aber auch alle anderen – können bei nicht sachgerechtem Gebrauch durch enterale Verluste von Natrium, Kalium, Kalzium und Wasser zu Störungen des Elektrolythaushaltes führen. „Der intestinale Natriumverlust kann über einen sekundären Hyperaldosteronismus zusätzlich einen renalen Kaliumverlust verursachen. Die Kaliumverluste vermindern die Darmmotilität und verstärken die Obstipation, sodass eine Toleranz (Dosissteigerung) gegenüber dem Laxans entstehen kann“ [3]