Die Infektion mit dem erstmalig am 07.01.2020 isolierten
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CoronavirusSARS-CoV-2 ist eine
hochkontagiöse Tröpfcheninfektion, die sich von Mensch zu Mensch
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überträgt und sich
binnen weniger Monate global bis zur Pandemie ausbreitete. Deutschlandweit wurden
krisenausgerichtete Maßnahmen zur Prävention der
Infektionsausbreitung ergriffen. Hierbei waren neben zeitlichen auch deutliche
regionale Unterschiede zu beobachten. Insbesondere im Gesundheitssystem wurden in
Vorbereitung auf ein Massenaufkommen von intensivtherapiepflichtigen COVID-19
Patienten weitreichende Maßnahmen veranlasst, die zu einer radikalen
Reduktion der elektiven Patientenversorgung in den Kliniken führte.
Innerhalb des Gesundheitssystem kommt dabei der Geburtsmedizin eine Sonderposition
zu, da die Versorgung Schwangerer und Gebärender grundsätzlich nicht
elektiv sein kann und die Versorgung hier in fast unverändertem Umfang
aufrechterhalten werden musste und wurde. Die Zusammensetzung des Kollektivs an
Schwangeren und damit der Patientinnen in der Geburtsmedizin wurde daher durch die
Maßnahmen zur Epidemie-Eingrenzung nicht beeinflusst. Schwangere stellen
grundsätzlich eine unselektierte Stichprobe der ortsansässigen
weiblichen Bevölkerung in der Altersgruppe zwischen 15 und 45 Jahren
dar.Die Stadt Jena musste im März 2020 einen exponentiellen Anstieg der SARS-CoV2
Infektionen verzeichnen (
Abb. 1
) und galt
als Hotspot des Infektionsgeschehens innerhalb Thüringens, wobei die meisten
Infektionen in der Altersgruppe zwischen 15 und 34 Jahren auftraten (
Abb. 2
).
Abb. 1
Fallzahlentwicklung SARS-CoV2-Infektion in
Jena/Thüringen
15
Stand
11.05.2020.
Abb. 2
Bestätigte SARS-CoV2-Infektion nach Altersgruppen in
Jena/Thüringen
15
Stand:
11.05.2020.
Fallzahlentwicklung SARS-CoV2-Infektion in
Jena/Thüringen
15
Stand
11.05.2020.Bestätigte SARS-CoV2-Infektion nach Altersgruppen in
Jena/Thüringen
15
Stand:
11.05.2020.Parallel zu den deutschlandweiten Containmentmaßnahmen, wie der
Schulschließung am 16.03.2020 wurden in Jena frühzeitig und
konsequent weiterführende Maßnahmen ergriffen. So erließ die
Stadt bereits am 10.03.2020 eine weitergehende Quarantäneverfügung
für Rückkehrer aus Risikogebieten, und führte am 31.03.2020
als erste Stadt in Deutschland eine Pflicht zur Bedeckung von Mund und Nase ein.Das Universitätsklinikum ist das Krankenhaus der Regelversorgung für
die Stadt Jena und gleichzeitig überregionaler Maximalversorger mit
Perinatalzentrum Level 1. Es stellt damit die zentrale Anlaufstelle für
Schwangere und Gebärende innerhalb der Region dar. Das
Universitätsklinikum führte am 06.04.2020 ein generelles
PCR-Screening auf SARS-CoV-2 im Rachenabstrich bei allen stationär
aufgenommen Patientinnen und Patienten ein. Seit dem 06.04.2020 wurden daher auch
alle Patientinnen der Klinik für Geburtsmedizin des
Universitätsklinikums Jena bei stationärer Aufnahme einem Screening
auf SARS-CoV-2 unterzogen. Zusätzlich führten wir bei den
Schwangeren eine Antikörperbestimmung gegen SARS-CoV-2 im Serum durch.Die vorliegende Arbeit berichtet neben den Screening-Ergebnissen einer unselektierten
Stichprobe schwangerer Frauen Schätzungen der Periodenprävalenz von
SARS-CoV-2 Infektionen in der regionalen Bevölkerung. Gleichzeitig soll
dabei der Einfluss von im Haushalt lebenden Kindern, die zum Zeitpunkt der Erfassung
ganztags zu Hause betreut wurden, auf die Prävalenz der SARS-CoV-2
Infektionen berücksichtigt werden.
Material und Methodik
Vom 06.04.2020 bis 13.05.2020 wurden alle in der Klinik für Geburtsmedizin
des Universitätsklinikums Jena stationär behandelten Patientinnen
einem Screening auf SARS-CoV-2 unterzogen. Das Screening erfolgte mittels
PCR-Testung aus Rachenspülwasser.Der Direktnachweis vonSARS-CoV-2 RNA im Untersuchungsmaterial erfolgte mit einer
spezifischen Real-Time-PCR (TIBMOLBIOL, Berlin, Deutschland), bei der eine
konservierte Region im E-Gen des Virus amplifiziert wurde. Die
Antikörperbestimmung aus dem Serum für spezifisches SARS-CoV-2 IgG
wurde mit einem qualitativen ELISA-System (Epitope Diagnostics, San Diego, USA)
durchgeführt. Als Antigene werden laut Hersteller rekombinante
Nukleokapsid-Strukturen als auch das Spike-Proteine verwendet.Vorliegende Informationen zu den im Haushalt der Schwangeren betreuten Kindern wurden
erfragt und gingen in die deskriptive statistische Auswertung ein. Auf Basis der
Ergebnisse der PCR-Screening-Untersuchung und für die Subgruppe der
Schwangeren mit Antikörpertest wurden exakte 95% Konfidenzintervalle
für die Periodenprävalenz nach der Methode von Clopper und Pearson
4
kalkuliert. Für den
Gruppenvergleich von Periodenprävalenzen verwendeten wir Fischers exakten
Test und berichten zweiseitige exakte p-Werte; auf die Angabe von
Effektschätzern des Gruppenvergleichs wurde verzichtet, da im Screening
(ohne Antikörpertest) kein positives Testergebnis beobachtet wurde. Die
Berechnungen erfolgen in R (Version 3.6.1).
Ergebnisse
Im Zeitraum vom 06.04.2020 bis 13.05.2020 wurden in der Klinik für
Geburtsmedizin 234 Schwangere (Alter median 31 Jahre; min. 15, max. 45 Jahre)
stationär betreut. Keine der Patientinnen hatte zur Aufnahme Symptome einer
Covid-19 Erkrankung. Alle Patientinnen wurden aufgrund geburtshilflicher
Indikationen betreut. Bei 225 (96,2%) wurde ein Screening auf SARS-CoV-2
RNA, bei 180 (76,9%) dieser Frauen zusätzlich ein
Antikörpertest durchgeführt. Bei allen untersuchten Patientinnen kam
es nicht zu einem Virusnachweis. Bei einer Patientin konnte ein positiver
Antikörpertiter nachgewiesen werden (0,6%).Informationen zu betreuten Kindern lagen zu 172 (95,6%) Frauen vor. Von
diesen gaben 96 (55,8 %) an, eigene Kinder im Haushalt betreut zu haben.
Insgesamt wurden 189 eigene Kinder und zusätzlich mindestens 36 weitere
Kinder seit dem Tag der Schul- und Kindertagesstättenschließung
ganztags betreut (
Abb. 3
). Im Fall der
IgG-positiv getesteten Schwangeren betrifft dies ihr eigenes 6-jähriges
Kind.
Abb. 3
Zusammensetzung der Stichprobe.
Zusammensetzung der Stichprobe.Für 225 PCR-negativ getestete Schwangere ergibt sich für die
Intervallschätzung der Periodenprävalenz ein
95%-Konfidenzintervall zwischen 0–1,7%. Aufgeteilt nach der
Information zur Betreuung eigener Kinder im Haushalt ergibt die Schätzung
der Periodenprävalenz einen Wert zwischen 0–3,8% für
die 96 Haushalte mit eigenen Kindern und zwischen 0–4,8% für
die 76 Haushalte ohne eigene Kinder im Haushalt. Es ergeben sich somit auch keine
Hinweise auf Unterschiede zwischen diesen beiden Gruppen (p=1,0).
Für den Antikörpertest ergab sich für die 180 Schwangeren,
bei denen ein Test durchgeführt wurde, eine Punktschätzung der
Periodenprävalenz von 0,6% mit einem 95%-Konfidenzintervall
zwischen 0,01–3,1%.
Diskussion
Die vorliegende Arbeit beschreibt erstmalig für Deutschland die SARS-CoV-2
Prävalenz einer unselektierten Stichprobe schwangerer Frauen und der von
ihnen betreuten Kinder bei zunächst exponentiell ansteigenden
Infektionszahlen und daraufhin frühzeitig umgesetzten
Containmentmaßnahmen.Die klinische Manifestation der Infektion mit SARS-CoV-2 stellt sich variabel mit z.
T. auch asymptomatischen Verläufen dar
5
. Aktuelle Screening-Untersuchungen schwangerer Frauen bei
Hospitalisation in Regionen mit hohen Infektionsraten konnten einen relevanten
Anteil SARS-CoV-2-positiver asymptomatischer Patientinnen von 6,2% (London)
bis 32,6% (New York) nachweisen
6
7
8
.Der Beginn des konsekutiven Screenings von Patientinnen bei stationärer
Aufnahme in der Klinik für Geburtsmedizin und damit der Beginn des
Rekrutierungszeitraumes der vorliegenden Stichprobe liegt eine Woche nach
Inkrafttreten der Verfügung zur Bedeckung von Mund und Nase in Jena. Unsere
prospektive Untersuchung fand im „steady state“ des lokalen
Infektionsgeschehens statt (
Abb. 1
). Die
beschriebene Stichprobe gehört dabei der Altersgruppe mit der
höchstens Fallzahl in Jena an (
Abb.
2
).Nahezu alle COVID-19 Infizierten weisen binnen 10–20 Tagen nach Symptombeginn
ein positives IgG auf
9
. Dieser indirekte
SARS-CoV-2 Nachweis ist v. a. für Patientinnen ohne oder mit milden
Symptomen und später Vorstellung (mehr als 2 Wochen nach Symptombeginn) von
Bedeutung, wenn die PCR zum Virusnachweis bereits wieder negativ ist. ELISA-basierte
Antikörpertests weisen dabei eine Spezifität von
>95% für die Diagnose von COVID-19 auf
9
. Limitiert wird die Interpretation der
Antikörpertestung bisher durch die noch unklare zeitliche Dynamik der
Serokonversion nach Infektion mit SARS-CoV-2
9
10
und das Ausmaß einer damit
potentiell einhergehenden Immunität
11
. Der singuläre Nachweis von Antikörpern gegen
SARS-CoV-2 in der untersuchten Kohorte zeigt, dass es während des
exponentiellen Anstieges des Infektionsgeschehens zur Ausbildung einer messbaren,
jedoch äußerst geringen Serokonversionsrate in dieser
Bevölkerungsgruppe kam.Seit der pandemiebedingten Schließung der Kindertageseinrichtungen und
Schulen fungierten Schwangere Frauen, die bedingt durch Beschäftigungsverbot
oder Mutterschutz zu Hause waren, als Betreuungsperson im häuslichen Umfeld.
Bemerkenswerter Weise wurden, selbst in dieser Ausnahmesituation, im Rahmen der
Solidargemeinschaften von jeder fünften Schwangeren auch haushaltsfremde
Kinder mitbetreut. Insgesamt wurden in den Haushalten der getesteten Frauen 225
Kinder betreut.Kinder aller Altersklassen können an COVID-19 erkranken. Klinische
Verläufe sind in der Regel unspezifisch und milder als bei Erwachsenen
12
. Asymptomatische Verläufe werden
mit ca. 15 % angegeben. Auch bei milder Symptomatik ist generell eine hohe
Viruskonzentration in den Atemwegen nachweisbar
13
. Auch unter Berücksichtigung einer Inkubationszeit von
durchschnittlich fünf Tagen (1–14 Tagen) und einer vermuteten
Infektiosität von 1–2 Tagen vor bis ca. acht Tage nach
Erkrankungsbeginn bei Kindern wird ein zumindest theoretisch hohes
Übertragungspotential diskutiert, ist jedoch in seiner Bedeutung nicht
abschließend geklärt
13
14
. Bei der hohen
Kontagiösität des Virus kann jedoch davon ausgegangen werden, dass
auch die Kinder der hier getesteten Schwangeren keine SARS-CoV-2 Infektion
durchgemacht hatten. Dies ist umso bemerkenswerter, weil in Jena nahezu alle Kinder
ab dem Alter von einem Jahr Ganztagseinrichtungen besuchen. Auch für die
Partner der Schwangeren oder andere im Haushalt lebende Personen kann entsprechend
vermutet werden, dass keine SARS-CoV-2 Infektion vorlag.Unsere lokale, unselektierte Stichprobe liefert daher keine Hinweise auf eine
befürchtet hohe Dunkelziffer an SARS-CoV-2 Infektionen in der
asymptomatischen Bevölkerung, auch nicht in der Altersgruppe mit der
höchsten erwarteten Prävalenz, zumindest in einer Region mit
geringer Inzidenz.
Authors: Ricardo Savirón-Cornudella; Ana Villalba; Luis M Esteban; Mauricio Tajada; Belén Rodríguez-Solanilla; Mercedes Andeyro-Garcia; Javier Zapardiel; Segundo Rite; Berta Castán-Larraz; Faustino R Pérez-López Journal: Life Sci Date: 2021-02-09 Impact factor: 6.780
Authors: Christina Bahrs; Aurelia Kimmig; Sebastian Weis; Juliane Ankert; Stefan Hagel; Jens Maschmann; Andreas Stallmach; Andrea Steiner; Michael Bauer; Wilhelm Behringer; Michael Baier; Miriam Kesselmeier; Cora Richert; Florian Zepf; Martin Walter; André Scherag; Michael Kiehntopf; Bettina Löffler; Mathias W Pletz Journal: Transbound Emerg Dis Date: 2021-03-09 Impact factor: 4.521
Authors: Alexander Hein; Sven Kehl; Lothar Häberle; Carsten Tiemann; Rebecca Peuker; Denise Mereutanu; Florian M Stumpfe; Florian Faschingbauer; Kirstin Meyer-Schlinkmann; Martin C Koch; Franz Kainer; Ulf Dammer; Hanna Philipp; Carolin Kladt; Michael G Schrauder; Stefan Weingärtler; Volker Hanf; Arndt Hartmann; Matthias Rübner; Holm Schneider; Jos Lelieveld; Matthias W Beckmann; Lena A Wurmthaler; Peter A Fasching; Michael O Schneider Journal: Geburtshilfe Frauenheilkd Date: 2022-02-11 Impact factor: 2.915