Literature DB >> 36018330

[Radiotherapy for cutaneous lymphomas].

Daniel Rolf1, Hans Theodor Eich2.   

Abstract

BACKGROUND: Primary cutaneous lymphomas (CL) are highly radiosensitive. Therefore, radiotherapy is an integral part of multimodality treatment. AIM: The present work provides an overview of indications, technical developments, and dose concepts for total skin electron beam therapy (TSEBT), local radiotherapy as well as maintenance therapy, and current combination studies regarding cutaneous T‑ and B‑cell lymphomas.
MATERIALS AND METHODS: We performed a selective literature search in the PubMed database on the topic of radiotherapy for CL and a search for current studies using clinicaltrials.gov. Furthermore, we describe our own treatment strategies and summarize national and international guidelines.
RESULTS: Low-dose TSEBT is nationally and internationally recommended as an alternative to conventional 36 Gy TSEBT. The main advantages are better tolerability, the possibility of retreatment, a shorter treatment course (approximately 3 weeks), and a short time to response. In current studies, TSEBT is usually delivered to a total dose of 12 Gy and combined with immunotherapy and epigenetic therapy. Local radiotherapy is indicated for mycosis fungoides (MF) tumors and is a curative treatment regimen for other CL, particularly primary cutaneous B‑cell lymphomas.
CONCLUSION: TSEBT is a very effective treatment for MF and is a highly effective palliative treatment, leading to rapid symptom relief and improvement in quality of life. It is an important treatment option, especially in patients with extensive generalized lesions or advanced tumor stage. Local radiation is used as part of TSEBT for tumors and as a boost to undertreated areas. Other CLs are primarily curable with local radiotherapy.
© 2022. The Author(s), under exclusive licence to Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature.

Entities:  

Keywords:  Local radiotherapy; Mycosis fungoides; Radiotherapy; Sezary syndrome; Total skin electron beam therapy

Year:  2022        PMID: 36018330      PMCID: PMC9412812          DOI: 10.1007/s00105-022-05046-w

Source DB:  PubMed          Journal:  Dermatologie (Heidelb)        ISSN: 2731-7005


Kurz nach Röntgens Entdeckung der Röntgenstrahlung berichtete der Dermatologe Scholtz 1902 beeindruckt von der lokalen Radiatio kleinerer Tumoren der Mycosis fungoides, die zu einer „oberflächlichen Necrotisierung der betreffenden Stellen“ und diese „dauernd zum Verschwinden“ brachte [24]. Lymphomzellen sowie normale Lymphozyten gehören zu den strahlenempfindlichsten aller Zellen. Aktuell ist die Strahlentherapie kutaner Lymphome Teil eines multimodalen therapeutischen Konzepts und erfolgt mittels niedrig dosierter Ganzhautelektronenbestrahlung und lokalen Elektronen- oder Photonenbestrahlungen.

Ganzhautelektronenbestrahlung

Indikationen

Die Ganzhautelektronenbestrahlung („total skin electron beam therapy“ [TSEBT]) ist eine sehr effektive Behandlungsoption der Mycosis fungoides (MF) und bietet einen wichtigen palliativen Nutzen, indem sie zügig zur Symptomlinderung und Verbesserung der Lebensqualität führt [12, 19, 20]. Patienten mit ausgeprägten generalisierten Plaques, im Tumorstadium oder mit schnellem Progress oder fehlendem Ansprechen auf medikamentöse Therapien profitieren von einer TSEBT. Bei Patienten mit Sézary-Syndrom (SS) kann neben einer Verbesserung des Hautbefundes und des Juckreizes ein Abfall von peripheren, malignen T‑Zell-Populationen erzielt werden [2, 17]. Daher empfiehlt die European Organisation for Research and Treatment of Cancer (EORTC) die TSEBT im Stadium IIB bis IV der MF neben systemischen Therapien als Erstlinien- und im Stadium IB und IIA als Zweitlinientherapie [28], während die nationale Leitlinie die TSEBT beim Sézary-Syndrom (SS) und bei der MF von Stadium IB bis IVA als Zweitlinientherapie empfiehlt [1].

Entwicklung der Bestrahlungstechnologie

Die TSEBT ist eine technisch anspruchsvolle Strahlentherapietechnik, die der gesamten Haut eines Patienten eine homogene Dosis zuführt. Frühe Versuche mit einem „Ganzhautröntgenbad“ mit 2–9 Gy à 0,1 Gy scheiterten an schwerwiegenden Komplikationen wie einer schweren Dermatitis und Agranulozytose bis hin zum Tod [13]. Die TSEBT basiert auf der Entwicklung eines 2,5-MeV-Elektronenstrahls im Jahr 1953, der auf den liegenden Patienten auf einem beweglichen Tisch gerichtet worden ist, um die gesamte Haut zu bestrahlen [29]. Heutzutage werden 6‑ bis 9‑MeV-Elektronen in modernen Linearbeschleunigern erzeugt und abgeschwächt, um nur in die Epidermis und die obere Dermis einzudringen und tiefer liegende Hautschichten und Organe zu schonen. Während zunächst eine 4‑Felder Technik angewendet wurde, wird aktuell die „Six-Dual-Field“- oder Standford-Technik am häufigsten eingesetzt (Abb. 1; [10, 12]). Hier steht der Patient in 6 verschiedenen Positionen, wie in Abb. 2 dargestellt. In jeder Position wird der Patient aus 2 verschiedenen Winkeln bestrahlt, wodurch die Dosisverteilung an der Patientenoberfläche sehr homogen wird und die Photonenkontamination, die in der Mittelachse des Strahls am größten ist, reduziert. Eine vollständige Fraktion, also 12 Felder über 6 Positionen, mit einer Gesamtdosis von 1,5–2 Gy wird über einen Zeitraum von 1 bis 2 Tagen verabreicht und dauert etwa 20–30 min. Die meisten Patienten tolerieren 2 Gy pro Fraktion, aber bei Patienten mit Erythrodermie, atrophischer Haut oder einer Vorbestrahlung können niedrigere Dosen verwendet werden.
Aktuell wird die „Six-Dual-Field“- oder Standford-Technik am häufigsten eingesetzt Bei dieser Technik erhalten manche Regionen wie die Fußsohlen, die Submammärfalten oder der Damm anatomisch bedingt geringere Strahlendosen. Zur Kompensation können diese Regionen ergänzend lokal bestrahlt werden. Außerdem kann zu Beginn eine ergänzende Boost-Bestrahlung auf Tumoren appliziert werden, um ihre Dicke zu verringern und das Eindringen der TSEBT zu ermöglichen. Zum Schutz der Linsen und der Nägel können Bleiabschirmungen verwendet werden [5, 12, 26, 28]. Alternative Techniken sind die 2‑Felder-Rotations-TSEBT [9] oder die Radiatio in liegender Position [30].

Konventionelle Konzepte: Hohe Komplettremissionsrate auf Kosten starker Toxizität?

Mehrere klinische Studien haben die Dosis-Wirkungs-Beziehungen bei MF untersucht. Kim et al. [16] zeigten eine direkte Korrelation zwischen dem krankheitsfreien Intervall und der Dosis. Obwohl eine partielle Remission (PR) mit Einzeldosen von nur 1 Gy beobachtet wurden, erforderte eine komplette Remission (CR) eine Dosis von 7 Gy oder höher. Dabei waren die Remissionsraten ähnlich, wenn dieselbe Gesamtdosis entweder in einer oder in mehreren Fraktionen verabreicht wurde. Das deutet auf eine geringe Erholung der Lymphome zwischen den Behandlungsfraktionen hin und ermöglicht die Verwendung langwieriger Fraktionierungsschemata, wodurch sich die Komplikationswahrscheinlichkeit des Normalgewebes verringert [26]. Eine ähnliche Dosis-Kontroll-Beziehung wurde für die TSEBT identifiziert. Die Stanford-Daten [11] zeigten eine erhöhte CR-Rate bei zunehmender Dosis. Sie betrug 18 % für Dosen unter 10 Gy, 55 % für Dosen von 10–20 Gy, 66 % für Dosen von 20–25 Gy, 75 % für Dosen von 25–30 Gy und 94 % für Dosen von 30 Gy oder mehr. Darüber hinaus war die CR-Dauer bei Patienten, die mit höheren Dosen (25 Gy oder mehr) behandelt wurden, länger als bei Patienten mit niedrigeren Dosen. Daher galt die TSEBT mit einer konventionellen Gesamtdosis von 30–36 Gy über 8 bis 10 Wochen lange als Therapiestandard und erzielt insbesondere bei T2- und T3-Erkrankungen hohe Remissionsraten. Die Ansprechraten betragen über 90 %, und die mediane Zeit bis zur Progression liegt bei 11 bis 102 Monaten. Allerdings ist die Toxizität ebenfalls dosisabhängig, wobei die häufigsten Nebenwirkungen Strahlendermatitiden und Hautabschuppungen sind. Außerdem treten bei konventionellen Dosen eine chronisch trockene Haut, Teleangiektasien, eine vorübergehende Anhidrose und der vorübergehende Verlust von Finger- und Fußnägeln auf. Eine Alopezie ist bei Dosen ab 25 Gy irreversibel [10–12, 29].

Moderne Konzepte: sehr gute Ansprechraten, kürzere Behandlungsdauer, Wiederholbarkeit und Verbesserung der Lebensqualität

Seit 2012 gibt es prospektive Phase-2-Studien, die gezeigt haben, dass eine niedrig dosierte TSEBT (ND-TSEBT) mit Dosen zwischen 10 und 12 Gy, appliziert über einen Zeitraum von 2 bis 3 Wochen, ebenfalls zu einer erheblichen Symptomlinderung führt. Hierdurch können einerseits Toxizitäten und Behandlungsdauer reduziert werden, andererseits wird die Compliance verbessert. Die Ansprechrate liegt im Median bei 88 %, die CR-Rate jedoch bei nur 17–30 % (Tab. 1; [5, 7, 8, 12, 14, 15, 19, 23]). Für Dosen zwischen 10 und < 20 Gy und 20 und < 30 Gy ist das Wirksamkeitsprofil ähnlich, sodass v. a. der Dosisbereich < 20 Gy weiter untersucht wurde [8]. Obwohl die CR-Raten mit konventionellen Dosen (> 30 Gy) mit bis zu 75 % höher sind, erleiden die meisten Patienten innerhalb von 2 Jahren ein Rezidiv, und wegen des hohen Risikos einer signifikanten Hautatrophie, Xerosen und Nekrosen sieht man von mehreren Re-Bestrahlungen in konventioneller Dosis ab [8, 12].
AutorNRT-Dosis (Gy)ORR (%)CR (%)
Harrison et al. 20111025–< 300,960,31
Kamstrup et al. 201210100,90,7
Elsayad, Eich et al. 20154512–300,750,25
Kamstrup et al. 201521100,950,29
Hoppe et al. 201533120,880,27
Morris et al. 2017103120,870,18
Rolf, Eich et al. 202168 (4 Gy ED)10,17
Elsayad, Eich et al. 2022468–150,850,31
Gesamt3665–300,88 (Median)0,29 (Median)

RT Radiotherapie

RT Radiotherapie Die ND-TSEBT wird bemerkenswert gut vertragen. Im Vergleich zur Standarddosierung kommt es zu weniger schwerwiegenden Nebenwirkungen [7]. Es zeigen sich leichte Strahlendermatitiden, vorübergehender Haarausfall, Nagelveränderungen und Fatigue. Diese Nebenwirkungen sind in der Regel mild und reversibel. Höhergradige Toxizitäten wie Erytheme Grad 2 bis 3, Hautinfekte mit Staphylococcus aureus, Bakteriämien oder Ödeme sind in Einzelfällen nach der ND-TSEBT beschrieben. Eine relevante hämatologische Toxizität besteht aufgrund der begrenzten Eindringtiefe der Elektronen nicht [4, 9, 11, 12, 16]. Die ND-TSEBT wird bemerkenswert gut vertragen Das Risiko von Sekundärmalignomen wie Plattenepithel- oder Basalzellkarzinomen der Haut nach TSEBT ist für Patienten relevant, die wiederholt Bestrahlungen in konventionellen Dosen bekommen und zusätzlich mit Lokaltherapien und PUVA (Psoralen plus UV-A) behandelt werden [1]. Aufgrund der COVID-19-Pandemie hat die International Lymphoma Radiation Oncology Group (ILROG) alternative Bestrahlungsschemata empfohlen, um die Behandlungsdauer und die Exposition von Patienten und Personal gegenüber einer möglichen COVID-19-Infektion zu minimieren. Bezüglich der TSEBT wurde hier eine ultrahypofraktionierte Radiatio mit 2‑mal 4 Gy in einer Fraktion pro Woche empfohlen, entsprechend einer biologisch äquivalenten Dosis von 11–17 Gy [25]. Dieses Konzept wurde bereits auch von unserer Arbeitsgruppe an 6 Patienten überprüft und als sichere und praktikable Alternative evaluiert [23]. Die MF ist unabhängig von der Behandlungsmodalität eine chronische Erkrankung, und die meisten Patienten benötigen im Laufe ihres Lebens mehrere Therapien. Da jede Behandlung mit einer kumulativen Hauttoxizität verbunden ist, sollte der Nutzen jeder Therapie maximiert werden. Im Gegensatz zum topischen Steroid eradiziert die niedrig dosierte RT den malignen Klon in der Haut und führt bei Hochrisikopatienten im Frühstadium zu einem längeren Gesamtüberleben [22]. Obwohl eine CR erstrebenswert ist, ist eine PR ebenfalls von großem Nutzen, und verbliebene Manifestationen können mit topischen Therapien kontrolliert werden. Daher kann die ND-TSEBT alternativ zu konventionellen Dosen eingesetzt werden, da hier die Möglichkeit mehrfacher Therapiewiederholungen besteht und Therapieziele wie die Reduzierung des mSWAT-Scores, die Linderung des Juckreizes und die Verbesserung der Lebensqualität über bis zu 24 Monate erreicht werden (Abb. 3; [12, 20, 26]). Außerdem zeigen sich keine Unterschiede im Gesamtüberleben zwischen konventioneller und ND-TSEBT [8].
Daher wird die ND-TSEBT als Alternative zur konventionellen 36-Gy-TSEBT national und international empfohlen, obwohl es bisher keine prospektiven Vergleichsstudien gibt ([2, 9, 21, 23]; Tab. 2). In den aktuell laufenden Studien zur TSEBT wird in der Regel eine Dosis von 12 Gy verwendet (Tab. 3).
Konventionelle TSEBTNiedrigdosis-TSEBT
Dosis (Gy)30–3610–12
Dauer (Wochen)9–102–3
Ansprechrate (%)Nahezu 10088
Rate kompletter Remissionen (%)7517–30
Ereignisfreies Überleben (Monate)156
NebenwirkungenAkut und chronischVor allem akut
RadiodermatitisGrad 2 bis 3, zum Teil Unterbrechung der Therapie nötigHauptsächlich Grad 1
Chronische HauttrockenheitJaNein
AlopezieIrreversibel ab 25 GyReversibel
NagelverlustVorübergehendUntypisch
Anhidrose6 bis 12 Monate nach TherapieNicht beschrieben
Wiederholbarkeit1‑mal. CR: 40 % und PR 60 %. Assoziiert mit Teleangiektasien, Xerose und Hautatrophie3‑mal
Clinical trials.gov KennungTSEBT-Dosis (Gy)Medikament (Art der Verabreichung)WirkungTimingErkrankungStudienphase
NCT0425601812Mogamulizumab (i.v.)Rekombinanter humanisierter Antikörper gegen CCR4Simultan und sequenziellMF IB–IV, SSII
NCT03617224Nicht spezifiziertPembrolizumab (i.v.)Checkpoint-Blockade mit Anti-PD‑1SequenziellMF IB–IV, SSI
NCT0338522612Pembrolizumab (i.v.)Checkpoint-Blockade mit Anti-PD‑1Simultan und sequenziellMF IB–IVB, SSII
NCT0282258612Brentuximab vedotin (i.v.)CD30-Antikörper-Wirkstoffkonjugat (ADC)Simultan und sequenziellCD30 + MF IB–IVA; SSI
NCT05357794Ultra-low-Dose (2 Behandlungstage, variierende Dosen)Brentuximab vedotin (i.v.)CD30-Antikörper-Wirkstoffkonjugat (ADC)SimultanMF I–IV, SS (< 1000 Sézary-Zellen/μl)II
NCT0288174912Mechlorethamin (Gel)Bifunktionelles AlkylansSequenziellMFII
NCT02953301Nicht spezifiziertResminostat (p.o.)Histon-Deacetylase(HDAC)-InhibitorSequenziellMF IIB–IVB, SSII
NCT0118744612Vorinostat (p.o.)Histon-Deacetylase-InhibitorSimultan und sequenziellMF IB–IIIBII
NCT0254212412NM-IL-12 (s.c.)Rekombinantes IL-12SimultanMF IB–IIIB, SSII
NCT052963044–8Bexaroten (p.o.)Synthetisches RetinoidanalogonSimultanMF IB–IIIB, SSI

IL Interleukin, MF Mycosis fungoides, SS Sézary-Syndrom

IL Interleukin, MF Mycosis fungoides, SS Sézary-Syndrom

Erhaltungstherapien und aktuelle Studien

Da die Mehrheit der Patienten nach der ND- oder der konventionellen TSEBT trotz exzellenter Ansprechraten Rezidive entwickelt, ist die Kombination mit systemischer oder Erhaltungstherapien ein sinnvoller Ansatz zur Verbesserung der Remissionsrate und -dauer bei der MF und dem SS [5, 7, 12, 15, 19, 20, 28]. Mehrere topische und systemische Begleit- und Erhaltungstherapien wurden bisher getestet und haben das Ansprechen nach TSEBT potenziell verbessert, aber bisher gibt es keine standardisierten Strategien. Daher sollten hauptsächlich Patienten mit Stadium ≥ IB (T2b) mit hohem Rückfall- und/oder Progressionsrisiko nach sorgfältiger Beratung für eine Erhaltungstherapie in Betracht gezogen werden [27, 28]. In der klinischen Praxis werden ohne harte Evidenz z. B. die Psoralen plus UV-A-Therapie, IFN(Interferon)-α, extrakorporale Photopherese (ECP), Methotrexat (MTX) und Retinoide angewendet und von der S2k-Leitlinie nach Remission empfohlen [1, 23]. Bezüglich der Retinoide hat eine prospektive Beobachtungsstudie gezeigt, dass die Kombination der TSEBT mit oralem Bexaroten im Vergleich zur alleinigen TSEBT die Ansprechrate und das progressionsfreie Überleben von 5 auf 17 Monate verbessert, ohne die Strahlentherapie-assoziierte Toxizität zu erhöhen [7]. Die TSEBT könnte synergistisch mit immunstimulierenden Medikamenten wirken, da durch die Radiatio die Expression von PD-L1 und MHC Klasse I auf Tumorzellen hochreguliert wird und dadurch die antitumoralen Immunantworten verstärkt werden können [6]. Daher werden aktuell einige Immuntherapeutika in Phase-1- bis -2-Studien in der Kombination mit der ND-TSEBT getestet: Aktuell wird vom MD Anderson Cancer Center in einer Phase-II-Studie untersucht, ob eine Ultra-low-dose-TSEBT in Kombination mit dem CD30-Antikörper-Wirkstoffkonjugat Brentuximab vedotin vierteljährlich über 12 Monate zu einer langfristigen Symptomkontrolle führen kann (ClinicalTrials.gov Kennung: NCT05357794). In einer britischen Phase-II-Studie erhalten Patienten zunächst alle 3 Wochen eine Checkpoint-Blockade mit dem Anti-PD-1-Antikörper Pembrolizumab. In Woche 12 sollen die Patienten simultan zu Pembrolizumab mit einer TSEBT (12 Gy in 3 Fraktionen) beginnen. Falls sich vor Woche 12 eine Progression zeigt, beginnen Patienten so bald wie möglich nach der Progression mit der TSEBT. Nach Abschluss der Strahlentherapie erhalten die Patienten weiterhin Pembrolizumab in 3‑wöchigen Abständen für maximal 2 Jahre (ClinicalTrials.gov Kennung: NCT03385226). In der multizentrischen „MOGAT“-Studie der EORTC erhalten Patienten den Antikörper gegen CCR4 Mogamulizumab vor einer 12-Gy-TSEBT und sequenziell als Erhaltungstherapie. Mit diesem Ansatz soll untersucht werden, ob eine Langzeitverabreichung von Mogamulizumab und eine systemische Krankheitskontrolle möglich sind (ClinicalTrials.gov Kennung: NCT04256018). Weitere Ansätze sind die Kombinationsbehandlung mit Histon-Deacetylase-Inhibitoren, die radiosensibilisierend wirken. Es ist wahrscheinlich, dass durch die Erhöhung der Strahlenempfindlichkeit das Ansprechen der TSEBT verbessert und die Remissionsdauer verlängert wird (s. Tab. 2).

Lokale Radiatio

Die Indikation zur lokalen Radiatio besteht bei der MF bei Tumoren oder zur Aufsättigung unterdosierter Areale nach TSEBT [1, 26, 28]. Die uniläsionale MF ist eine Sonderform der MF im Stadium I und kann mit lokaler Strahlentherapie mit Dosen von 20–24 Gy (ILROG) bzw. 30–36 Gy (Sk2-Leitlinie) kurativ behandelt werden [1, 26]. Beim primär kutanen anaplastischen großzelligen Lymphom, dem zweithäufigsten Subtyp der kutanen T‑Zell-Lymphome, kann als Lokaltherapie eine Radiotherapie oder eine Exzision erfolgen. Die meisten ILROG-Mitglieder verwendeten Dosen im Bereich von 30–39 Gy, womit Komplettremissionen zu 95 % und ein 5‑Jahres-Überleben von 85–100 % erreicht werden. Unabhängig vom T‑Stadium scheinen jedoch auch niedrigere Dosen wirksam zu sein. Die ILROG empfiehlt daher für eine definitive Strahlenbehandlung 24–30 Gy [18, 26]. Bei primär indolenten kutanen B‑Zell-Lymphomen (PKBZL) (kutanes Follikelzentrums- und Marginalzonenlymphom) empfiehlt die ILROG in kurativer Intention 24–30 Gy und die EORTC 20–36 Gy, womit sich CR-Raten von nahezu 100 % für behandelte Läsionen zeigen [3, 25, 26]. So zeigten eigene Analysen eine CR bei 34 von 35 Patienten nach einer medianen Dosis von 45 Gy [3]. Palliative Dosen (2-mal 2 Gy) erreichen eine CR von 72 %, wobei 30 % der Läsionen innerhalb eines halben Jahres eine erneute Behandlung benötigen [26]. Diesbezüglich analysierte unsere Arbeitsgruppe 44 bestrahlte kutane PKBZL-Läsionen (16 % mit 4 Gy; 84 % mit konventioneller Dosis ≥ 24 Gy, median 40 Gy). Das Niedrigdosiskonzept mit 4 Gy war mit einer vergleichbaren lokoregionären Kontrolle und reduzierter Akuttoxizität verbunden. Allerdings waren die Ansprechraten für diese Gruppe signifikant niedriger (86 % Niedrigdosis vs. 92 % konventionelle Dosis), sodass die Radiatio mit 4 Gy nicht als Standardbehandlung empfohlen werden kann [21]. Das rasch progrediente primär kutane diffus großzellige B‑Zell-Lymphom vom Bein-Typ, eine extranoduläre Variante des diffus großzelligen B‑Zell-Lymphoms, wird mit einer Kombinationschemotherapie (R[Rituximab]-CHOP [C = Cyclophosphamid, H = Doxorubicin, O = Vincristin, P = Prednison]), gefolgt von einer lokalen Radiatio mit 36 Gy behandelt. Falls eine Chemotherapie nicht toleriert wird, werden 40 Gy als alleinige palliative Therapie oder in Kombination mit dem CD20-Antikörper Rituximab empfohlen [26].

Technik

Die lokale Radiatio von KL kann in Weichstrahltechnik, mit Elektronen oder Photonen erfolgen. Der Vorteil der Elektronen besteht darin, dass die Eindringtiefe durch die adäquate Wahl der Elektronenenergie kontrolliert werden kann. In der Regel erfolgt die lokale Radiatio von Makulae und Papulae mit 6‑MeV-Elektronen und Sicherheitsabständen zwischen 1 und 2 cm zur Läsion. Die Radiatio von Plaques kann mit 6‑ bis 9‑MeV-Elektronen erfolgen. Es kann ein Bolus mit einer Dicke von 0,5–1 cm verwendet werden, um das Dosismaximum an die Hautoberfläche zu bringen. Exophytische Tumoren oder komplexe Oberflächen können mit höheren Elektronenenergien oder Photonen mit unterschiedlicher Feldanordnung bestrahlt werden, um eine homogene Dosisverteilung im Tumor zu gewährleisten (Abb. 4; [3, 12, 26]).

Fazit für die Praxis

Die Strahlentherapie bei Patienten mit kutanen Lymphomen erfolgt als Teil eines multimodalen Konzepts und erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen der Strahlentherapie und der Dermatologie. Die Ganzhautelektronenbestrahlung (TSEBT) zeigt sehr hohe Ansprechraten für Mycosis fungoides und verbessert die Lebensqualität. Die radiogenen Nebenwirkungen sind insbesondere bei der Low-dose-TSEBT sehr gering. Die Kombination der TSEBT mit Erhaltungstherapien ist vielversprechend. Andere lokalisierte kutane Lymphome können mit einer definitiven Strahlenbehandlung häufig kurativ behandelt werden. Die Strahlenbehandlung kutaner Lymphome sollte an hierfür spezialisierten Zentren erfolgen.
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1.  Dose-time fractionation study in patients with mycosis fungoides and lymphoma cutis.

Authors:  J H Kim; L Z Nisce; G J D'Anglo
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2.  Lying-on position of total skin electron therapy.

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Review 3.  European Organisation for Research and Treatment of Cancer consensus recommendations for the treatment of mycosis fungoides/Sézary syndrome - Update 2017.

Authors:  Franz Trautinger; Johanna Eder; Chalid Assaf; Martine Bagot; Antonio Cozzio; Reinhard Dummer; Robert Gniadecki; Claus-Detlev Klemke; Pablo L Ortiz-Romero; Evangelia Papadavid; Nicola Pimpinelli; Pietro Quaglino; Annamari Ranki; Julia Scarisbrick; Rudolf Stadler; Liisa Väkevä; Maarten H Vermeer; Sean Whittaker; Rein Willemze; Robert Knobler
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4.  Radiotherapy Eradicates Malignant T Cells and Is Associated with Improved Survival in Early-Stage Mycosis Fungoides.

Authors:  John T O'Malley; Adele de Masson; Elizabeth L Lowry; Anita Giobbie-Hurder; Nicole R LeBoeuf; Cecilia Larocca; Ahmed Gehad; Edward Seger; Jessica E Teague; David C Fisher; Thomas S Kupper; Phillip M Devlin; Rachael A Clark
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5.  The rationale for curative radiotherapy in mycosis fungoides.

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7.  Low-dose total skin electron beam therapy as a debulking agent for cutaneous T-cell lymphoma: an open-label prospective phase II study.

Authors:  M R Kamstrup; L M Lindahl; R Gniadecki; L Iversen; L Skov; P M Petersen; A Loft; L Specht
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8.  Niedrig dosierte Ganzhautelektronenbestrahlung mit oraler Bexaroten-Erhaltungstherapie beim kutanen T-Zell-Lymphom.

Authors:  Khaled Elsayad; Daniel Rolf; Cord Sunderkötter; Carsten Weishaupt; Elisa Christina Müller; Tarek Nawar; Rene Stranzenbach; Elisabeth Livingstone; Rudolf Stadler; Kerstin Steinbrink; Rose K C Moritz; Hans Theodor Eich
Journal:  J Dtsch Dermatol Ges       Date:  2022-03       Impact factor: 5.584

9.  Radiation Therapy for Primary Cutaneous Anaplastic Large Cell Lymphoma: An International Lymphoma Radiation Oncology Group Multi-institutional Experience.

Authors:  Lynn Million; Esther J Yi; Frank Wu; Rie Von Eyben; Belinda A Campbell; Bouthaina Dabaja; Richard W Tsang; Andrea Ng; Lynn D Wilson; Umberto Ricardi; Youlia Kirova; Richard T Hoppe
Journal:  Int J Radiat Oncol Biol Phys       Date:  2016-03-24       Impact factor: 7.038

10.  Total Skin Electron Beam for Primary Cutaneous T-cell Lymphoma.

Authors:  Khaled Elsayad; Jan Kriz; Christos Moustakis; Sergiu Scobioala; Gabriele Reinartz; Uwe Haverkamp; Normann Willich; Carsten Weishaupt; Rudolf Stadler; Cord Sunderkötter; Hans Theodor Eich
Journal:  Int J Radiat Oncol Biol Phys       Date:  2015-09-05       Impact factor: 7.038

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