Literature DB >> 35925185

[41/f-ARDS and long-term dependence on a ventilator after ECMO treatment : Preparation course anesthesiological intensive care medicine: case 28].

Philipp Simon1, Hermann Wrigge2,3.   

Abstract

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Year:  2022        PMID: 35925185      PMCID: PMC9272859          DOI: 10.1007/s00101-022-01160-5

Source DB:  PubMed          Journal:  Anaesthesiologie        ISSN: 2731-6858


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Prüfungssimulation

Fallschilderung

Eine 41-jährige Patientin hatte sich vor 3 Wochen mit Dyspnoe und Fieber in einem Krankenhaus der Regelversorgung vorgestellt. Sie wurde auf SARS-CoV‑2 positiv getestet und, da sie in der 32. Schwangerschaftswoche war, in ein Haus der Maximalversorgung verlegt. Dort wurde das Kind wohlbehalten per Sectio entbunden. Im weiteren Verlauf wurde die Patientin allerdings respiratorisch insuffizient und erfüllte die Kriterien für ein ARDS („acute respiratory distress syndrome“). Sie musste für 1 Woche invasiv beatmet werden und wurde wiederholt in Bauchlage verbracht. Darunter hatte sich die Lungenfunktion deutlich erholt, sodass ein Extubationsversuch möglich schien. Dennoch war dieser wiederholt nicht erfolgreich aufgrund von Agitation und Fehlen ausreichender Wachheit. Letztlich wurde die Patientin nach 2 Extubationsfehlversuchen komplikationslos tracheotomiert.

Prüfungsfragen

Wie ist Weaning definiert, und wann beginnt der Weaningprozess? Welche Voraussetzungen müssen für einen Weaningbeginn erfüllt sein? Welche verschiedenen Weaningkonzepte kennen Sie? Wann ist ein Weaning prolongiert, und wann gilt es als erfolgreich? Was sind mögliche Entwöhnungsindices? Nennen Sie klinische Zeichen für ein kardial bedingtes Weaningversagen? Ist nichtinvasive Ventilation (NIV) als Weaningstrategie geeignet? Wozu dienen Weaningprotokolle? Was ist automatische Entwöhnung vom Respirator? Welche Beatmungszugänge gibt es, und wann ist ein Wechsel indiziert?

Antworten

Wie ist Weaning definiert, und wann beginnt der Weaningprozess?

Der Prozess der Beendigung der maschinellen Beatmung, das sog. Weaning, ist eines der schwierigsten Probleme in der Intensivmedizin [1]. Die maschinelle Beatmung der Lungen mit Überdruck wird in 6 Phasen eingeteilt (Abb. 1). Der eigentliche Weaningprozess beginnt ab Phase 4.

Welche Voraussetzungen müssen für einen Weaningbeginn erfüllt sein?

Für einen Weaningbeginn müssen klinische als auch objektive Kriterien erfüllt sein [3]. Klinische Kriterien: Ausreichender Hustenstoß Keine exzessive Sekretion Rückbildung der akuten Erkrankungsphase, die zur Intubation geführt hat Objektive Kriterien: Klinische Stabilität (hämodynamisch und metabolisch) Keine schwere Oxygenierungsstörung bei adäquater Beatmung (adäquater positiver endexspiratorischer Druck [PEEP]) Adäquate pulmonale Funktion (Atemfrequenz ≤ 35/min; Tidalvolumen > 5 ml/kg ideales Körpergewicht; keine signifikante respiratorische Azidose) Adäquate mentale Funktion (Richmond Agitation Sedation Scale [RASS] 0/−1)

Welche verschiedenen Weaningkonzepte kennen Sie?

Es wird zwischen diskontinuierlichem und kontinuierlichem Weaning unterschieden. Die diskontinuierliche Form besteht aus dem Wechsel zwischen Phasen kontrollierter invasiver Beatmung und Phasen reiner Spontanatmung ohne jegliche Form der Atemunterstützung. Diese Strategie hat sich v. a. bei Patienten mit schwerer chronisch obstruktiver Ventilationsstörung bzw. neuromuskulärer Erkrankung bewährt. In der Intensivmedizin hat sich hingegen das kontinuierliche Weaning etabliert. Dabei kommt es zu einem fließenden Übergang von der kontrollierten Beatmung zur Spontanatmung unter Verwendung augmentierter Beatmungsformen [4].

Merke.

Beim Weaning steht zunächst die Reduktion des endinspiratorischen Drucks im Vordergrund, danach die Reduktion der mandatorischen Atemfrequenz und des PEEP.

Wann ist ein Weaning prolongiert, und wann gilt es als erfolgreich?

Das Weaning wird in 3 Gruppen eingeteilt (Tab. 1). Zudem ist eine Einteilung nach Ursache der respiratorischen Insuffizienz wahrscheinlich sinnvoll (hypoxämisch, hyperkapnisch oder gemischt), da sich daraus unterschiedliche Konzepte ableiten könnten [3, 5]. Jedoch ist dies bisher nicht weiter untersucht. Mit Dauer des Weanings steigt zudem das Risiko zum Versterben [6].
Gruppe 1Einfaches WeaningErfolgreiches Weaning im ersten Versuch ohne Spontanatmungsversuch
Gruppe 2Schwieriges WeaningErfolgreiches Weaning nach ≤ 3 Spontanatmungsversuchen bzw. ≤ 7 Tage Beatmungsdauer
Gruppe 3Prolongiertes WeaningErfolgreiches Weaning nach > 3 Spontanatmungsversuchen bzw. > 7 Tage Beatmungsdauer

Was sind mögliche Entwöhnungsindices?

Die Bestimmung des Verhältnisses von Atemfrequenz zum Tidalvolumen, (AF [1/min]/VT [l]) im Spontanatmungsversuch („spontaneous breathing trial“) wird auch als „rapid shallow breathing index“ bezeichnet [3]. Werte von 100 bis 120 machen eine erfolgreiche Extubation unwahrscheinlich. Messung des Unterdrucks während einer spontanen Inspiration nach 100 ms (P0.1). Werte von weniger als −6 mbar gelten als Zeichen für einen erhöhten Atemantrieb (z. B. Atemnot). „Peak expiratory flow“ vor Extubation/Dekanülierung v. a. bei neuromuskulärer Beeinträchtigung zu messen und bei Werten ≤ 60 l/min nach Extubation oder Dekanülierung ein intensives nichtinvasives Sekretmanagement durchzuführen [3]. Cuff-Leak-Test zur Beurteilung der Wahrscheinlichkeit eines Postextubationsstridors vor einer Extubation [7].

Cave.

Die Tests liefern nur Hinweise, haben im Einzelfall eine geringe Sensitivität und Spezifität und sollten daher nie alleinige Entscheidungsgrundlage sein.

Nennen Sie klinische Zeichen für ein kardial bedingtes Weaningversagen?

Abnahme der zentralvenösen (ScvO2) bzw. gemischtvenösen Sauerstoffsättigung (SvO2) Anstieg des zentralvenösen Venendrucks (ZVD) während eines Spontanatmungsversuchs Anstieg der linksventrikulären Füllungsvolumina und Füllungsdrücke Anstieg des pulmonal-kapillären Verschlussdrucks (PCWP) Erhöhtes natriuretisches Peptid vom B‑Typ („brain natriuretic peptide“ [BNP]) [4] Durch Senkung des intrathorakalen Drucks nach Extubation kommt es zu einer Erhöhung des venösen Rückstroms zum rechten Herzen mit Erhöhung der Vorlast. Eine Verschlechterung der Belüftung nach Wegfall des kontinuierlichen Atemwegsüberdrucks (CPAP) kann über die hypoxische pulmonale Vasokonstriktion auch die Nachlast des rechten Ventrikels erhöhen. Eine pulmonale Stauung kann über die Senkung des alveolären Drucks nach Extubation wieder zunehmen. Durch die Wegnahme eines alleinigen CPAP kann ein vorher ruhig atmender, latent kardial insuffizienter Patient nach Extubation erneut kardiorespiratorisch dekompensieren womit ein kardiales Weaningversagen induziert wird.

Ist nichtinvasive Ventilation (NIV) als Weaningstrategie geeignet?

Die Strategie, beatmete COPD-Patienten frühzeitig zu extubieren und die Beatmung unmittelbar nichtinvasiv weiterzuführen, kann bei COPD-Patienten die Beatmungsdauer verkürzen und die Rate an nosokomialen Pneumonien senken [8]. Auch bei schon stattgefundener Extubation kann mit nichtinvasiver Ventilation (NIV) eine Reintubation bei erneuter respiratorischer Insuffizienz vermieden werden. NIV stellt eine evidenzbasierte, etablierte Weaningstrategie bei COPD-Patienten dar.

Wozu dienen Weaningprotokolle?

Weaningprotokolle dienen dazu, die Entwöhnung von der invasiven Beatmung standardisiert durchzuführen und regelmäßig zu überprüfen [9]: Entwöhnungsbereitschaft („readiness to wean“) Spontanatmungsversuche („spontaneous breathing trial“) Kriterien zur Beendigung der invasiven Beatmung bzw. Extubation/Dekanülierung Dokumentation von Gründen für die Notwendigkeit der Fortführung der Beatmung Dabei sollten automatisierte Protokolle zum Einsatz kommen [10]. Ein Weaningprotokoll sollte mit protokollbasierten Sedierungsregimen kombiniert werden (Ziel ist ein möglichst wacher oder leicht sedierter, kooperativer Patient) [11].

Was ist automatische Entwöhnung vom Respirator?

Bei sog. Closed-Loop-Beatmungsverfahren handelt es sich um spezielle Algorithmen, welche anhand von vordefinierten Parametern dem Algorithmus folgend Beatmungsparameter kontinuierlich an den Patienten anpassen können. Generell ist somit auch auf Algorithmen basierendes, automatisches Weaning möglich, jedoch ist der klinische Stellenwert nicht abschließend geklärt. Beispiele für Closed-Loop-Beatmungssysteme sind: MMV (Mandatory Minute Volume Ventilation), ASV (Adaptive Support Ventilation), Smart Care/PS (Pressure Support).

Welche Beatmungszugänge gibt es, und wann ist ein Wechsel indiziert?

Als Beatmungszugänge gibt es den nichtinvasiven mittels CPAP-Unterstützung (Maske oder Helm) oder invasiv mittels translaryngealen Endotrachealtubus oder Tracheotomie. Alle 3 Formen haben Vor- und Nachteile (s. Tab. 2).
Nichtinvasiver AtemwegszugangTranslaryngealer EndotrachealtubusTracheotomie
VorteileKeine Verletzungen der AtemwegeReduzierte AspirationsrateWie „Endotrachealtubus“ plus:
Kein oder nur geringer SedierungsbedarfKeine LeckageReduktion von Totraum, Atemwegswiderstand und Atemarbeit
Intermittierender Einsatz möglichAbsaugen und Bronchialtoilette möglichBesserer Patientenkomfort
Erhaltene KommunikationEinfaches und umfassendes Monitoring möglichKeine Sedierung nötig
Erhaltene HustenclearanceOffenhalten der AtemwegeErhaltene Glottisfunktion mit geringerem Risiko der Aspiration
Orale NahrungsaufnahmeKeine Spontanatmung/Schutzreflexe nötigOrale Nahrungsaufnahme möglich
NachteileLeckage mit PEEP-VerlustTubusassoziierte InfektionenFrühkomplikationen:
AspirationsrisikoReduzierte Sekretclearance– Lokale Wundinfektionen
Eingeschränktes Monitoring des applizierten AtemzugvolumensNotwendigkeit tieferer Sedierung– Komplikationen infolge des invasiven Eingriffes
Unzureichende Effektivität bei geringer ComplianceErhöhte resistive AtemarbeitSpätkomplikationen:
Lokale Komplikationen (Druckstellen, Konjunktivitis, Aerophagie)Verletzung obere Atemwege, Sprechapparat und Larynx– Tracheale Narbenstrikturen bzw. Granulationsgewebe
Risiko für Sinusitis (nasaler Tubus)
Narbenbildung
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Review 1.  Advances in mechanical ventilation.

Authors:  M J Tobin
Journal:  N Engl J Med       Date:  2001-06-28       Impact factor: 91.245

Review 2.  Protocol-driven ventilator weaning: reviewing the evidence.

Authors:  Timothy D Girard; E Wesley Ely
Journal:  Clin Chest Med       Date:  2008-06       Impact factor: 2.878

Review 3.  Protocolized versus non-protocolized weaning for reducing the duration of mechanical ventilation in critically ill adult patients.

Authors:  Bronagh Blackwood; Karen E A Burns; Chris R Cardwell; Peter O'Halloran
Journal:  Cochrane Database Syst Rev       Date:  2014-11-06

4.  [Prolonged weaning: S2k-guideline published by the German Respiratory Society].

Authors:  B Schönhofer; J Geiseler; D Dellweg; O Moerer; T Barchfeld; H Fuchs; O Karg; S Rosseau; H Sitter; S Weber-Carstens; M Westhoff; W Windisch
Journal:  Pneumologie       Date:  2014-01-15

5.  Characteristics and outcomes of ventilated patients according to time to liberation from mechanical ventilation.

Authors:  Oscar Peñuelas; Fernando Frutos-Vivar; Cristina Fernández; Antonio Anzueto; Scott K Epstein; Carlos Apezteguía; Marco González; Nicholas Nin; Konstantinos Raymondos; Vinko Tomicic; Pablo Desmery; Yaseen Arabi; Paolo Pelosi; Michael Kuiper; Manuel Jibaja; Dimitros Matamis; Niall D Ferguson; Andrés Esteban
Journal:  Am J Respir Crit Care Med       Date:  2011-08-15       Impact factor: 21.405

6.  Predictors of prolonged weaning and survival during ventilator weaning in a respiratory ICU.

Authors:  Jacobo Sellares; Miquel Ferrer; Esteban Cano; Hugo Loureiro; Mauricio Valencia; Antoni Torres
Journal:  Intensive Care Med       Date:  2011-03-04       Impact factor: 17.440

7.  Weaning from mechanical ventilation.

Authors:  J-M Boles; J Bion; A Connors; M Herridge; B Marsh; C Melot; R Pearl; H Silverman; M Stanchina; A Vieillard-Baron; T Welte
Journal:  Eur Respir J       Date:  2007-05       Impact factor: 16.671

Review 8.  Cuff-leak test for the diagnosis of upper airway obstruction in adults: a systematic review and meta-analysis.

Authors:  Maria Elena Ochoa; Maria del Carmen Marín; Fernando Frutos-Vivar; Federico Gordo; Jaime Latour-Pérez; Enrique Calvo; Andres Esteban
Journal:  Intensive Care Med       Date:  2009-04-28       Impact factor: 17.440

Review 9.  Automated weaning and SBT systems versus non-automated weaning strategies for weaning time in invasively ventilated critically ill adults.

Authors:  Karen E A Burns; Francois Lellouche; Rosane Nisenbaum; Martin R Lessard; Jan O Friedrich
Journal:  Cochrane Database Syst Rev       Date:  2014-09-09

Review 10.  Evidence and consensus based guideline for the management of delirium, analgesia, and sedation in intensive care medicine. Revision 2015 (DAS-Guideline 2015) - short version.

Authors:  Ralf Baron; Andreas Binder; Rolf Biniek; Stephan Braune; Hartmut Buerkle; Peter Dall; Sueha Demirakca; Rahel Eckardt; Verena Eggers; Ingolf Eichler; Ingo Fietze; Stephan Freys; Andreas Fründ; Lars Garten; Bernhard Gohrbandt; Irene Harth; Wolfgang Hartl; Hans-Jürgen Heppner; Johannes Horter; Ralf Huth; Uwe Janssens; Christine Jungk; Kristin Maria Kaeuper; Paul Kessler; Stefan Kleinschmidt; Matthias Kochanek; Matthias Kumpf; Andreas Meiser; Anika Mueller; Maritta Orth; Christian Putensen; Bernd Roth; Michael Schaefer; Rainhild Schaefers; Peter Schellongowski; Monika Schindler; Reinhard Schmitt; Jens Scholz; Stefan Schroeder; Gerhard Schwarzmann; Claudia Spies; Robert Stingele; Peter Tonner; Uwe Trieschmann; Michael Tryba; Frank Wappler; Christian Waydhas; Bjoern Weiss; Guido Weisshaar
Journal:  Ger Med Sci       Date:  2015-11-12
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