| Literature DB >> 35316345 |
Abstract
The article provides an overview of the most important innovations in hygiene recommendations that were published in 2018 by the Committee for Hospital Hygiene and Infection Prevention (KRINKO) on the prevention of postoperative wound infections. This summarizes several older recommendations and supplements, updates and extends them. The article focusses on technical and constructional hygiene regulations for operating theaters and includes the position of the German Statutory Accident Insurance (DGUV).Entities:
Keywords: Basic hygiene measures; Preventive measures; Risk stratification; Room air classes; Room air conditioning installations
Year: 2022 PMID: 35316345 PMCID: PMC8938722 DOI: 10.1007/s00104-022-01613-y
Source DB: PubMed Journal: Chirurg ISSN: 0009-4722 Impact factor: 0.955
| Empfehlung | Evidenzkategoriea | |
|---|---|---|
| … soweit möglich, präoperativ bestehende Infektionen beim Patienten zu erkennen und zu behandeln | Ib | |
| … bei kardiochirurgischen und orthopädischen Operationen bei Patienten mit nasaler Kolonisation mit | Ib | |
| Alternativ kann der Einsatz von Antiseptika für die Nase und die Haut bei diesen Patienten sinnvoll sein | II | |
| … die präoperative Verweildauer so kurz wie möglich zu halten | II | |
| … vor kolorektalen Operationen eine mechanische Darmentleerung in Verbindung mit oraler Antibiotikagabe durchzuführen | II | |
| … die Haut des Operationsgebietes des Patienten außerhalb der Operationsabteilung gründlich zu reinigen (Kategorie II); Haare im Operationsgebiet mittels Kürzen der Haare und nicht durch Rasur zu entfernen (Kategorie IA). Der Zeitpunkt für das Kürzen mittels Clipping kann unter arbeitsorganisatorischen Gesichtspunkten gewählt werden (Kategorie II) | I und II | |
| … allen Personen, die die Operationsabteilung betreten wollen, in der Personalumkleide ihre gesamte Oberbekleidung einschließlich der Schuhe abzulegen und im reinen Bereich nach hygienischer Händedesinfektion keimarme (im Desinfektionswaschverfahren aufbereitete) Bereichskleidung (z. B. Hose, Hemd/Kittel, Operationsschuhe) anzulegen (Kategorie II); bei zu erwartender Durchfeuchtung flüssigkeitsdichte Schuhe zu verwenden (unter dem Aspekt des Personalschutzes; Kategorie IV); keinen Schmuck und keine Ringe oder Uhren an Unterarmen und Händen zu tragen (Kategorie II) bzw. keine anderen gefahrenträchtigen Schmuckstücke sowie keine künstlichen Fingernägel und keinen Nagellack (Kategorie IB) | II, IV und Ib | |
| … vor Betreten des Operationsraumes einen MNS und Haarschutz anzulegen (Kategorie IB), Haarschutz und MNS müssen sämtliche Bart- und Kopfhaare sowie Mund und Nase vollständig bedecken, ebenso eine ggf. aus persönlichen Gründen zusätzlich getragene Kopfbedeckung (Kategorie II); den MNS vor jeder Operation und bei sichtbarer Verschmutzung oder Durchfeuchtung zu erneuern (Kategorie II). Wurde der MNS entfernt, so wird er durch einen neuen MNS ersetzt. Anschließend ist eine hygienische Händedesinfektion durchzuführen (Kategorie Ib) | Ib und II | |
| … den Operationsbereich mit sauberen Händen zu betreten; nach Händewaschung und vor einer chirurgischen Händedesinfektion die Hände zu trocknen | II | |
| … die chirurgische Händedesinfektion vom Operationsteam einschließlich der instrumentierenden Mitarbeiter durchführen zu lassen | Ib | |
| … als Mittel der Wahl für die chirurgische Händedesinfektion arzneilich zugelassene alkoholbasierte Präparate anzuwenden (Kategorie IB), der Zusatz eines remanent wirksamen Antiseptikums ist nicht erforderlich und erhöht das Risiko von Nebenwirkungen (Kategorie II) | Ib und II | |
| … dem Operationsteam im Operationsraum nach der chirurgischen Händedesinfektion das Anlegen eines sterilen Operationskittels und anschließend steriler Handschuhe (Kategorie IB); bei Operationen, die erfahrungsgemäß mit einer vermehrten Läsion von Handschuhen einhergehen, zwei Paar Handschuhe zu tragen (Kategorie II); nach der manuellen Handhabung scharfkantiger Implantate oder Explantatbestandteile oder der Entfernung von Zementbruchstücken (z. B. bei Endoprothesenwechsel) die Handschuhe zu wechseln (Kategorie IB), ebenso unmittelbar vor Implantation einer Gelenkendoprothese (Kategorie II) | Ib und II | |
| … als Schutzkittel als Medizinprodukt zertifizierte sterile Operationskittel aus Einweg- oder Mehrwegmaterial zu verwenden; bei Operationen mit geringem Flüssigkeitsanfall flüssigkeitsabweisende Kittel („low performance“) und bei erwartet hohem Flüssigkeitsanfall und bei bekannter Infektion des Patienten mit hoher Personalgefährdung (z. B. HIV, Hepatitis-C-Virus) flüssigkeitsdichte Kittel („high performance“) zu verwenden (Kategorie IB); bei Operationen, bei denen mit dem Auftreten von Aerosolen/Sekretspritzern zu rechnen ist, Schutzbrillen oder Schutzschilde zu tragen (Kategorie II/IV) | Ib, II und IV | |
| … dem übrigen Operationspersonal (z. B. Springern), eine Kontamination der Hände mit potenziell kontaminierten Materialien oder Flüssigkeiten durch das Tragen von Schutzhandschuhen zu vermeiden; bei akzidentieller Verschmutzung eine hygienische Händedesinfektion durchzuführen, ggf. mit anschließendem Händewaschen (Kategorie IA); nach Berühren kontaminierter Gegenstände (z. B. Manipulation am MNS) ebenso wie vor allen Maßnahmen am Patienten eine hygienische Händedesinfektion durchzuführen | Ia | |
| … nach Toilettenbesuch eine Händewaschung durchzuführen (Kategorie IB), ob auch neue Bereichskleidung angelegt werden muss, ist eine ungelöste Frage (Kategorie III); vor Wiederaufnahme der Arbeit eine hygienische Händedesinfektion durchzuführen | Ib und III | |
| … im Operationsraum eine gründliche Antiseptik der Haut des Operationsgebietes mit einem alkoholbasierten Hautantiseptikum durchzuführen (Kategorie IA), durch Zusatz eines remanent wirkenden Antiseptikums wird eine über die Wirkung von Alkohol hinaus anhaltende Wirkung erreicht (Kategorie 1B), welchem Wirkstoff der Vorzug zu geben ist, ist derzeit ungeklärt (Kategorie III); zur Antiseptik auf Schleimhäuten und dem Auge für den jeweiligen Anwendungsbereich zugelassene Antiseptika zu verwenden; während der deklarierten Einwirkzeit das Hautareal satt benetzt und feucht zu halten, bevorzugt durch mehrfaches Aufbringen des Antiseptikums; dabei auf die längere Einwirkzeit auf talgdrüsenreichen Hautarealen zu achten (Kategorie II); ferner darauf zu achten, dass der Patient nicht in einer Flüssigkeitsansammlung des Hautantiseptikums zu liegen kommt, da dies zu Hautnekrosen und zur Verpuffung führen kann (Kategorie II) | Ia, Ib, II und III | |
| … nach der Antiseptik des Operationsfeldes die Umgebung des Operationsgebietes steril abzudecken (Kategorie IB); bei Operationen, bei denen ein Durchfeuchten nicht auszuschließen ist, flüssigkeitsundurchlässige Abdeckungen zu verwenden (Kategorie IB), die Verwendung nicht antiseptisch imprägnierter Inzisionsfolien wird nicht empfohlen (Kategorie IB). Operationsringfolien bieten nicht bei allen Operationen nachweisbare Vorteile in Bezug auf Prävention von SSI (Kategorie II) | Ib und II | |
| … während der Operation die Anzahl der im Operationsraum Anwesenden, deren Fluktuation und deren Sprechen auf ein Mindestmaß zu begrenzen, die Türen des Operationsraumes, soweit möglich, geschlossen zu halten | II | |
| … falls es während der Operation zur Kontamination des Operationskittels, des Sterilfeldes oder der Operationshandschuhe kommt, Kittel bzw. Handschuhe zu wechseln bzw. das Operationsfeld neu abzudecken, unsteril gewordene Instrumente zu wechseln | Ib | |
| … den Wechsel von Operationskittel oder Operationshandschuhen abseits vom Operationsfeld vorzunehmen | Ib | |
| … die Indikation zu einer systemischen antibiotischen Prophylaxe eingriffsspezifisch zu stellen; Mehrfachdosierungen während der Operation ausschließlich bei sehr lange dauernden Operationen vorzunehmen; auf eine verlängerte Antibiotikagabe nach Operationsende zu verzichten | Ia | |
| … nach Ende der Operation Instrumente und andere aufzubereitende Materialien im Operationsraum bedarfsweise mit manueller Vorbereitung in geeignete Behältnisse abzulegen, diese werden geschlossen zur zentralen Sterilgutversorgungsabteilung bzw. zum Übergaberaum für unreine Güter verbracht, hierbei wird insbesondere auf eine gefahrlose Entsorgung spitzer Gegenstände geachtet; benutzte Operationshandschuhe und Operationskittel im Operationsraum abzulegen | IV | |
| … nur sachgerecht aufbereitete Medizinprodukte zur Anwendung kommen zu lassen (siehe MPG und MPBetreibV) | IV | |
| … nach jeder Operation die patientennahen Flächen, alle sichtbar kontaminierten Flächen sowie den gesamten begangenen Fußboden des Operationsraumes desinfizierend zu reinigen. Nach Abtrocknen des Desinfektionsmittels kann der Operationsraum wieder begangen werden | II | |
| … in den Waschzonen die benutzten Armaturen und Waschbecken in regelmäßigen Abständen desinfizierend zwischenzureinigen, in den übrigen Nebenräumen erfolgt eine desinfizierende Zwischenreinigung bei sichtbaren Verschmutzungen | II | |
| … generell bei Kontamination mit Bakteriensporen oder unbehüllten Viren sporozid bzw. viruzid wirksame Präparate auszuwählen | Ib | |
| … wenn nach vorangegangener Operation die Flächenzwischendesinfektion abgeschlossen ist, mit der Vorbereitung der folgenden Operation zu beginnen; die benötigten sterilen Instrumente und Materialien im Operationssaal von einer steril bekleideten Person auf steril abgedeckten Tischen herzurichten und anschließend bis zum Beginn der eigentlichen Operation mit sterilen Tüchern abzudecken; diese Tätigkeit durchzuführen, bevor andere Aktivitäten im Operationssaal stattfinden (z. B. Lagerung, Narkoseeinleitung) | II | |
| … für das Herrichten steriler Instrumente im Vorlauf ausschließlich einen gesonderten Raum zu benutzen | II | |
| … am Ende des täglichen Operationsprogramms alle Fußbodenflächen und potenziell kontaminierten Flächen in allen Räumen der Operationsabteilung einer desinfizierenden Reinigung zu unterziehen. Auch Dokumentationshilfsmittel (z. B. Datenverarbeitungseinrichtungen) bedürfen einer regelmäßigen Desinfektion | II | |
| … für das Personal, die Operationsabteilung durch die Personalumkleide zu verlassen und dort die gesamte Bereichskleidung abzulegen | – | |
| … die Anwendung von Hautschutz- und Hautpflegepräparaten im Hautschutzplan festzulegen | II/IV | |
| … die Operationswunde am Ende der Operation mit einer sterilen Wundauflage abzudecken; den ersten Verbandwechsel nach etwa 48 h durchzuführen, sofern nicht Hinweise auf eine Komplikation zu einem früheren Verbandwechsel Anlass geben (Kategorie IB), ist danach die Wunde trocken und verschlossen, kann unter hygienischen Aspekten auf eine erneute sterile Wundabdeckung verzichtet werden (Kategorie IB), die regelmäßige ärztliche Inspektion der Wunde ist Teil einer vollständigen und sachgerechten Nachsorge; Drainagen (unter hygienischem Aspekt) möglichst frühzeitig zu entfernen (Kategorie II); der Zeitpunkt der Entfernung ist chirurgisch determiniert | Ib und II | |
| … wenn sich klinische Verdachtsmomente einer SSI ergeben, diese zeitnah und mit Dringlichkeit auszuräumen bzw. zu verifizieren | Ib | |
| Eine Surveillance der SSI ist verpflichtend | Ia/IV | |
| … dass Operationsräume in sich abgeschlossen sind und möglichst wenige, aber ausreichend dimensionierte Türen haben; sofern Bodeneinläufe innerhalb eines Operationsraumes vorhanden sein müssen, Techniken zu wählen, die eine Kontamination der Umgebung verhindern | – | |
| Räume bzw. Flächen für folgende Funktionen können jeweils für mehrere Operationsräume zusammengefasst werden: Narkoseeinleitung, Patientenvorbereitung, Narkoseausleitung, Patientennachbetreuung, Händewaschung, Händedesinfektion. Auch andere Räume können zusammengefasst werden, soweit dies unter dem Aspekt der Infektionsprävention und der Funktion möglich ist | – | |
| … in der Personalumkleide die reine und unreine Seite mindestens funktionell zu trennen; bei der Wegeführung eine Kreuzung zu vermeiden; in der unreinen Seite ausreichend Fläche/Schränke für die Ablage der Stationskleidung und Sammelbehälter für benutzte Bereichskleidung, weiterhin Waschbecken, WC-Anlagen und ggf. Duschen vorzuhalten; in der reinen Seite Lagermöglichkeiten zur geschützten Lagerung des Tagesbedarfs an reiner Bereichskleidung sowie Möglichkeiten zur Händedesinfektion vorzuhalten | – | |
| … in der Patientenübergabefläche den Patienten umzulagern und zwar bevorzugt mittels Umbetthilfen; in unmittelbarer Nähe ausreichend Warteplätze für Betten vorzuhalten; bei Operationsbetrieb für ambulante Patienten zusätzlich Patientenumkleiden vorzuhalten | – | |
| Den Aufwachraum baulich bevorzugt an den Übergang von der Operationsabteilung zum übrigen Krankenhaus zu legen und durch funktionelle und organisatorische Maßnahmen einer Durchbrechung des Prinzips der Personalschleuse entgegenzuwirken | – | |
| … für die Materialversorgung einen Raum oder eine Zone vorzuhalten, wo die Güter ohne Transportverpackung angeliefert werden; entsprechend für die Entsorgung einen separaten Entsorgungsraum vorzuhalten; innerhalb der Operationsabteilung reine Güter (Sterilgüter, Medikamente, aufbereitete Geräte usw.) in speziellen Räumen oder in geeigneten Behältnissen auf dafür ausgewiesenen Flächen zu bevorraten; unreine Güter (Schmutzwäsche, Abfälle etc.) im entsprechenden gesonderten Übergaberaum zu lagern. Für Leihinstrumente ist ausreichend Platz vorzuhalten | – | |
| … in der gesamten Operationsabteilung in angemessener Anzahl bedarfsgerecht verteilte Spender für die Händedesinfektion und Untersuchungshandschuhe vorzuhalten | – | |
| … die Oberflächen der Räume und betrieblichen Einbauten (z. B. Türen, Regalsysteme, Lampen) sowie der Geräte so zu beschaffen bzw. so zu positionieren, dass es zu möglichst wenigen Beschmutzungen kommt und sie problemlos gereinigt und desinfiziert werden können. Oberflächen müssen intakt sein, ohne dass es z. B. zu Abblätterung (z. B. von Farbe) oder schwer zu reinigenden/desinfizierenden Oberflächen kommt. Gleiches gilt für die Lagerung von Materialien und Geräten | – | |
| … sofern die Operationsabteilung mit einer raumlufttechnischen Anlage ausgestattet ist, diese regelmäßig zu warten, sodass sie dem technischen Standard entspricht, in die Operationsräume (und ggf. Vorbereitungsräume für das Herrichten von Instrumentiertischen) wird dreifach gefilterte Luft eingeleitet, die Operationssäle haben eine Überdruckhaltung im Vergleich zu den Nebenräumen; Geräte mit eigenständigen Lüftungen (z. B. Hypothermiegeräte bei kardiochirurgischen Operationen) so zu positionieren bzw. zu gestalten, dass von ihnen keine eigene Kontaminationsgefahr ausgeht | – | |
| Aus der Nutzung von LAF/TAV („laminar air flow“/turbulenzarme Verdrängungsströmung) ergibt sich kein eigener infektionspräventiver Effekt | II | |
| Aus der Trennung „reiner“ und „unreiner“ Operationsabteilungen ergibt sich kein eigener infektionspräventiver Effekt | II |
KRINKO Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention, MNS Mund-Nasen-Schutz, MPG Medizinproduktegesetz, MPBetreibV Medizinprodukte-Betreiberverordnung, SSI „surgical site infection“
aIa: Empfehlung basiert auf gut konzipierten systematischen Reviews oder einzelnen hochwertigen randomisierten kontrollierten Studien, Ib: Empfehlung basiert auf klinischen oder hochwertig epidemiologischen Studien und strengen, plausiblen nachvollziehbaren theoretischen Ableitungen, II: Empfehlung basiert auf hinweisenden Studien/Untersuchungen und strengen plausiblen, nachvollziehbaren theoretischen Ableitungen, III: Maßnahmen, über deren Wirksamkeit nur unzureichende oder widersprüchliche Hinweise vorliegen, deshalb ist eine Empfehlung nicht möglich, IV: Anforderungen, Maßnahmen und Verfahrensweisen, die durch allgemein geltende Rechtsvorschriften zu beachten sind. (In Anlehnung an [11])