| Literature DB >> 35288765 |
Jovanna Thielker1,2, Mussab Kouka1,2, Orlando Guntinas-Lichius3,4.
Abstract
Handling of the facial nerve during surgery for parotid cancer is relevant for the patient's long-term quality of life. In about two thirds of cases, the facial nerve is not affected by the tumor. In these cases, in addition to complete tumor resection, identification and preservation of the facial nerve are important components of a successful operation. If the nerve is infiltrated by the tumor, the affected part must be resected during radical parotidectomy. When possible, primary nerve reconstruction leads to the best long-term cosmetic and functional outcomes. Individual selection of the optimal treatment concept is based on clinical examination of facial muscle mobility, preoperative imaging to understand the positional relationship between tumor and nerve, and on the basis of an electrophysiological examination of nerve function. Intraoperatively, standardized dissection helps to identify and preserve the facial nerve. If radical parotidectomy is indicated, in addition to one-step reconstruction, preoperative diagnostic tests can help to plan postoperative adjuvant therapy. The aim of rehabilitation is restoration of facial tone, facial symmetry, and movement of the paralyzed face. Restoration of eye closure is of high importance. The surgical treatment of facial paralysis has seen many improvements in recent years. The present work provides an overview of the most recent advances in diagnostics, surgical techniques, and further possibilities for preventing damage to the normal facial nerve during parotid cancer treatment. Furthermore, the options for rehabilitation of the tumor-infiltrated facial nerve in the context of treatment of salivary gland malignancies are described.Entities:
Keywords: Parotid neoplasms; Reconstructive surgical procedures; Rehabilitation; Salivary gland diseases; Surgical oncology
Year: 2022 PMID: 35288765 PMCID: PMC8920054 DOI: 10.1007/s00106-022-01148-y
Source DB: PubMed Journal: HNO ISSN: 0017-6192 Impact factor: 1.284

| Diagnostisches Verfahren | Kommentar |
|---|---|
| Eine automatische Bild- oder Videoanalyse ist in der klinischen Routine noch nicht etabliert | |
| Klinisches Grading | Am besten ist im Deutschen das Sunnybrook Facial Grading System geeignet |
| „Patient-related outcome measures“ (PROM) | Wichtig zur Erfassung der psychosozialen Einschränkungen, Facial Clinimetric Evaluation (FaCE) Scale und der Facial Disability Index (FDI) liegen in deutscher Sprache vor |
| Erfolgt häufig wegen des Parotismalignoms, eignet sich nebenbei auch für die Untersuchung der mimischen Muskulatur | |
| Hochauflösender Ultraschall der Gesichtsmuskulatur | Kann bei wiederholter Untersuchung die Volumenabnahme der mimischen Muskulatur bei fortschreitender Denervierung und genauso die Volumenzunahme bei Reinnervation dokumentieren; ermöglicht die Visualisierung von Muskelbewegungen HNO-Ärzte sind ultraschallerfahren. Die modernen Ultraschallgeräte lassen mit 12- bis 15-MHz-Schallköpfen eine gute Darstellung vieler Gesichtsmuskeln zu |
| CT/MRT der Gesichtsmuskulatur | Die hochauflösende Standardbildgebung des Kopfs, welche auch gut für die mimische Muskulatur im Seitenvergleich geeignet ist |
| Erlaubt keine direkte Untersuchung des N. facialis, aber indirekte Beurteilung über die mimische Muskulatur | |
| Elektromyographie | Zeigt die Denervierung bei einer Infiltration des Nervs durch ein Parotismalignom auf; zeigt die fortschreitende Reinnervation der Muskulatur nach Nervennaht; zeigt die Avitalität bei fortschreitender Muskelatrophie bei Langzeitparalyse an |
| Elektrostimulation | Zeigt, ob eine atrophe Muskulatur bei Langzeitparalyse noch elektrisch stimulierbar und damit auch für eine Nervenplastik noch geeignet erscheint |
| Fazialismonitoring | Standard zur Protektion des normalen, nicht tumorinfiltrierten N. facialis, auch zum Aufsuchen noch nicht tumorinfiltrierter funktionierender Nervenäste bei einem tumorinfiltrierten N. facialis |
| Fazialismapping | Transkutane Elektrostimulation, um den Verlauf des Nervs und der peripheren Äste in Beziehung zum Tumor präoperativ besser zu verstehen |
CT Computertomographie, MRT Magnetresonanztomographie
| Aktuell im Fokus | Kommentar |
|---|---|
| Hochauflösender Ultraschall der Gesichtsmuskulatur | Siehe Tab. |
| Transkutane Elektrostimulation | Hiermit kann überprüft werden, ob bei einer schlaffen Lähmung nach Langzeitdenervation die mimische Muskulatur noch reanimierbar ist. Zudem kann eine tägliche Elektrostimulation auch zum Aufbau denervierter Muskulatur genutzt werden |
| Masseterikus-Fazialis-Nervennaht | Über gute Erfolge wird vermehrt berichtet; der Nerv liegt in der Region und kann direkt an den peripheren N. facialis angeschlossen werden |
| Kombinierter Wiederaufbau | Es ist ein Trend zur Kombination von mehreren Nerven zur Reanimation komplexer Defekte zu erkennen, also die Kombination aus gleichzeitiger Reanimation über den N. facialis selbst und über einen oder mehrere weitere Kreuznerven (N. hypoglossus, N. massetericus), ggf. auch über Seit-zu-Seit-Nervennähte |
| Seit-zu-Seit-Nervennaht | Wenn eine spontane oder durch Nervenrekonstruktion induzierte Reanimation einer Muskelregion zu einer funktionell schwachen Bewegung geführt hat, können durch eine ergänzende Seit-zu-Seit-Nervennaht über eine Kreuznervennaht weitere Nervenfasern zur Stärkung der Bewegung gebracht werden |
| Biofeedbacktraining bei Synkinesien | Selbst nach Jahren leiden die Patienten sehr unter den Synkinesien, sind sehr therapieinteressiert, und ein Biofeedbacktraining kann Synkinesien lindern. Dies stellt eine Alternative zur Botulinumtoxinbehandlung dar |
| Telemedizinische Rehabilitation | Die Pandemie hat gezeigt, dass Trainingselemente in der Nachsorge nach Reanimation des Gesichts auch telemedizinisch vermittelt werden können |
| Gradingsystem | Kommentar |
|---|---|
| House-Brackmann-Skala | Einfache ordinale 6‑Punkte-Skala: Weltweit immer noch das meist angewandte System, obwohl die geringe Reliabilität lange bekannt ist; erlaubt keine Einschätzung der Defektheilung – was gerade nach einer Nervenplastik relevant ist; diese Skala wurde nie in deutscher Sprache validiert |
| Stennert-Parese-Index | 10-Item-Skala, die getrennt eine Klassifikation des Ruhetonus und der Motilität ermöglicht. Im deutschsprachigen Raum sehr verbreitet, aber nicht darüber hinaus. Viel weniger bekannt ist, dass E. Stennert zusätzlich auch einen Defektheilungs-Index publiziert hat; dieser ist geeignet, um die Defektheilung getrennt zu bewerten |
| Sunnybrook Facial Grading System | 13-Item-Skala, jedes Item wiederum mit ordinaler 3‑ bis 5‑Punkte-Skala. Bewertet getrennt das Gesicht in Ruhe, in Bewegung und Synkinesien. Gilt als verlässliche Klassifikationsschema, und es gibt eine validierte deutsche Version [ |
| Facial Nerve Grading Scale 2.0 | Eine Weiterentwicklung der House-Brackmann-Skala, greift Elemente des Stennert-Parese-Index auf; wird bislang wenig benutzt |
| Electronic Clinician Graded Facial Function Scale (eFACE) | Ein digitales 15-Item-Instrument mit visuellen Analogskalen; die Ergebnisse werden direkt grafisch aufgearbeitet; nichtsdestotrotz reflektiert dies wie die anderen Skalen auch die subjektive Einschätzung des Beurteilers. Eine Weiterentwicklung ist Emotrics ( |
| Normal | 0 | ||||
| Eng | 1 | ||||
| Weit | 1 | ||||
| Oberlidoperation | 1 | ||||
| Normal | 0 | ||||
| Fehlt | 2 | ||||
| Weniger ausgeprägt | 1 | ||||
| Mehr ausgeprägt | 1 | ||||
| Normal | 0 | ||||
| Mundwinkel hängend | 1 | ||||
| Mundwinkel hoch-/seitwärts gezogen | 1 | ||||
(FRO – M. frontalis) | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 |
(OCS – M. orbicularis oculi) | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 |
(ZYG/RIS – M. zygomaticus, M. risorius) | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 |
(LLA/LLS – z. B. M. levator labii superior) | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 |
(OOS/OOI – z. B. M. orbicularis oris) | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 |
(FRO – M. frontalis) | 0 | 1 | 2 | 3 | |
(OCS – M. orbicularis oculi) | 0 | 1 | 2 | 3 | |
(ZYG/RIS – M. zygomaticus, M. risorius) | 0 | 1 | 2 | 3 | |
(LLA/LLS – z. B. M. levator labii superior) | 0 | 1 | 2 | 3 | |
(OOS/OOI – z. B. M. orbicularis oris) | 0 | 1 | 2 | 3 | |
| – | |||||
| Parameter | Kommentar |
|---|---|
| Ausmaß der Nervenresektion | Bei Parotismalignomen mit Nerveninfiltration sind zumeist ein oder mehr Interponate notwendig; bleiben andererseits nach der radikalen Parotidektomie nur kleine periphere Äste unmittelbar an der mimischen Muskulatur übrig, kann eine Nervenrekonstruktion unmöglich werden |
| Lokalisation der Nervenresektion | Bei Parotismalignomen zumeist im Bereich des Fazialisfächers, sodass komplexe Interponate gebraucht werden oder ein Combined Approach (Tab. |
| Prognose | Eine Nervennaht braucht 12–15 Monate bis zum optimalen Ergebnis, sodass schnellere Alternativen zur Reanimation bei schlechter Prognose zu bevorzugen sind |
| Alter und Allgemeinzustand des Patienten | Je älter der Patient, desto schlechter das Ergebnis; dies kann auch an der schwierigeren postoperativen Übungsbehandlung liegen |
| Wünsche des Patienten | Manche Patienten wollen schnelle und einfache Lösungen, selbst wenn eine Nervenrekonstruktion infrage käme |
| Zustand der mimischen Muskulatur | Nach etwa 2 Jahren Denervation und schlaffer Lähmung ist durch Elektromyographie und Elektrostimulation zu prüfen, ob die Muskulatur noch stimulierbar und somit reanimierbar ist |
| Einzeitige und zweizeitige Operation | Eine einzige Operation gibt die besseren Ergebnisse. Eine postoperative Radiotherapie ist kein Hindernis. Zweizeitig kann eine Nervenrekonstruktion durch die Vernarbung unmöglich werden |


| Chirurgische Technik | Kommentar |
|---|---|
| Therapie der Wahl | |
| Machen komplexe Bewegungen wieder möglich | |
| Fazialis-Fazialis-Nervennaht | Selten möglich, eigentlich nur nach einer iatrogenen Schnittverletzung bei Parotismalignomchirurgie, bei größeren Defekten ist Spannung auf der Naht zu vermeiden |
| Fazialisinterponat | Die häufigste Rekonstruktionstechnik bei Defekt im Fazialisfächer nach radikaler Parotidektomie. Als Interponat kommt der N. auricularis magnus ipsilateral (wenn nicht mehr vorhanden, von kontralateral) oder der N. suralis infrage |
| Hypoglossus-Fazialis-Nervennaht | Veraltet, sollte nicht mehr verwendet werden, da die Patienten unter der unilateralen Zungenlähmung dauerhaft leiden, stattdessen sollte die Jump-Technik benutzt werden, s. nächste Zeile |
| Hypoglossus-Fazialis-Jump-Nervennaht | Hierfür werden ein oder mehrere Interponate benötigt, um End-zu-Seit proximal zum N. hypoglossus und End-zu-End distal zum N. facialis angeschlossen zu werden |
| Masseterikus-Fazialis-Nervennaht | Dieser kann nach Absetzen direkt an den peripheren N. facialis angeschlossen werden |
| Cross-Face-Nerveninterponat | Mit peripheren Ästen des N. facialis der Gegenseite, die über ein oder mehrere Interponate an den peripheren N. facialis der erkrankten Seite angeschlossen werden |
| Kombinierter Wiederaufbau | Alle genannten motorischen Quellen kann man für die Reanimation kombinieren, gerade bei komplexen Defekten bietet sich das an |
| Hiermit kann i. d. R. nur ein Muskelvektor reanimiert werden | |
| M.-temporalis-Transposition | Meist verlängert über Faszie anterograd oder retrograd zur Reanimation des Mundwinkels |
| M.-masseter-Transposition | Auch zur Reanimation des Mundwinkels gedacht, auch über enoralen Zugang möglich |
| M.-digastricus-Transposition | Der vordere Bauch wird über den N. trigeminus innerviert und kann zur Reanimation der Lippendepression verwendet werden |
| Freie mikrovaskuläre M.-gracilis‑/M.-pectoralis-minor-Transplantation | Auch zur Reanimation des Mundwinkels, Spendernerven wie zur Kreuznervennaht |
| Alternative dritter Wahl, kann auch mit dynamischen Verfahren kombiniert werden | |
| Oberlidgewicht | Kann gut mit anderen dynamischen oder statischen Techniken kombiniert werden |
| Mundwinkelzügel mit Fascia lata/Palmarissehne | Bei hängendem Mundwinkel |
| Ist häufig im Laufe der Zeit zusätzlich und bei schlaffer Paralyse bereits initial notwendig | |
| Unterlidplastik | Bei Lagophthalmus, verschobenem unterem Tränenpunkt |
| Augenbrauenlift | Bei Augenbrauenptosis |
| Blepharoplastik | Gerade bei störender Oberlidptosis eine Option, i. d. R. aus Symmetriegründen beidseitig |
| Naseneingangsplastik | Bei Nasenatmungsbehinderung durch den verzogenen Nasenflügel |
| Rhytidektomie | Meist beidseitig zur Symmetrie bei schlaffer Paralyse |
| Selektive Myektomie | Zur Behandlung von hyperkinetischen Muskeln/Muskelanteilen, wenn eine Chemodenervation nicht dauerhaft suffizient ist |