| Literature DB >> 34861699 |
Martin Aringer1, Dirk Koschel2,3, Andreas Krause4, Udo Schneider5, Sven Gläser6.
Abstract
Systemic Sclerosis with Interstitial Lung Disease (SSc-ILD) is associated with an increased risk of morbidity and mortality. Because of a lack of approved medications that can effectively influence SSc-ILD disease course, there is a need for new therapeutic options. Treatment with immunomodulatory therapies as well as with autologous stem cell transplant is being further investigated in current clinical studies. Recently, a phase III study demonstrated the positive effect of the antifibrotic agent nintedanib on the loss of lung volume and thus disease progression in patients with SSc-ILD. Due to its synergistic mechanism of action, combination therapy with nintedanib and mycophenolate could be a complementary treatment approach for SSc-ILD in the future. The Author(s). This is an open access article published by Thieme under the terms of the Creative Commons Attribution-NonDerivative-NonCommercial License, permitting copying and reproduction so long as the original work is given appropriate credit. Contents may not be used for commecial purposes, or adapted, remixed, transformed or built upon. (https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/4.0/).Entities:
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Year: 2021 PMID: 34861699 PMCID: PMC8841211 DOI: 10.1055/a-1658-5176
Source DB: PubMed Journal: Dtsch Med Wochenschr ISSN: 0012-0472 Impact factor: 0.628
Evidenz-basierte Empfehlungen zu Diagnostik und Management der SSc-ILD. Adaptiert nach 9 .
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| Empfehlung |
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| Anti-Topoisomerase-I-Antikörper, männliches Geschlecht und eine dcSSc erhöhen das Risiko für die Entwicklung einer ILD. |
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| Alle SSc-Patienten sollten einem ILD-Screening mittels HRCT und Lungenfunktionstests unterzogen werden. Die Häufigkeit eines HRCT-Screenings sollte vom ILD-Risiko in Kombination mit klinischen Symptomen und der Lungenfunktion geleitet werden. |
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| Empfohlen wird der Einsatz des HRCT für die Diagnose und die Bestimmung der Schwere der SSc-ILD, unterstützt durch Befunde aus Lungenfunktionstests und der klinischen Untersuchung. |
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| Bei allen Patienten mit schwerer oder progredienter SSc-ILD sollte eine Pharmakotherapie mit Mycophenolat, Cyclophosphamid oder Nintedanib erwogen werden. Bei unbehandelten Patienten sollte ein engmaschiges Monitoring auf Zeichen für eine Krankheitsprogression erfolgen. |
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| Indikatoren einer Progression sind anhaltende Abnahme der Lungenfunktion, stärkere klinische Symptome und Verschlechterung des HRCT in Ausmaß und/oder Muster der ILD. |
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| Bei Patienten mit progredienter Erkrankung oder unzureichendem Ansprechen sollte eine Therapie-Eskalation in Form einer Dosismodifikation oder Änderung der pharmakologischen Behandlung mit Mycophenolat, Cyclophosphamid, Nintedanib oder ggf. Rituximab erwogen werden. Die Eignung für eine Lungentransplantation sollte frühzeitig evaluiert werden, insbesondere bei fortgeschrittener Erkrankung zum Diagnosezeitpunkt. Eine autologe hämatopoetische Stammzelltransplantation (ASCT) kann bei sorgfältig ausgewählten Patienten in Betracht gezogen werden. |
Vergleich der Studien SLS I, SLS II, focuSSced und SENSCIS.
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SLS I (n = 158)
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SLS II (n = 142)
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focuSSced (n = 212)
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SENSCIS (n = 576)
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| Randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie Orales CYC (2 mg/kg PD) oder Placebo für 12 Monate + 12 Monate Follow-up | Randomisierte, doppelblinde, aktiv kontrollierte Studie Orales CYC (2 mg/kg PD) für 12 Monate + 12 Monate Placebo oder orales MMF (3 g PD) für 24 Monate | Randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie Doppelblinde Studienphase: TCZ (162 mg, subkutan, QW) oder Placebo für 48 Wochen Open-Label-Studienphase: TCZ (162 mg, subkutan, QW) für 48 Wochen | Randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie Orales Nintedanib 150 mg 2x tgl. oder Placebo für mindestens 52 Wochen, jedoch nicht länger als 100 Wochen |
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| SSc nach ACR-Kriterien 1980 Auftreten des ersten Nicht-Raynaud-Symptoms < 7 Jahre Nachweis einer aktiven Alveolitis Belastungs-Dyspnoe-Grad ≥ 2 auf der Magnitude-of-Task-Komponente des Mahler-Baseline-Dyspnoe-Index | SSc nach ACR-Kriterien 1980 Auftreten des ersten Nicht-Raynaud-Symptoms < 7 Jahre Milchglastrübung im HRCT mit oder ohne assoziierte Retikulationen Belastungs-Dyspnoe-Grad ≥ 2 auf der Magnitude-of-Task-Komponente des Mahler-Baseline-Dyspnoe-Index FVC ≥ 45 % – ≤ 80 % v. Soll DLco ≥ 40 % v. Soll; ≥ 30 % und < 40 % ohne signifikante PH | SSc nach ACR-/EULAR-Kriterien 2013 Auftreten des ersten Nicht-Raynaud-Symptoms ≤ 60 Monate dcSSc, mRSS 10–35 (Screening) Erhöhte Akutphasen-Protein-Level (mindestens eins der folgenden: C-reaktives Protein ≥ 6 mg/l, ESR ≥ 28 mm/h, oder Thrombozytenzahl ≥ 330 × 10⁹/l) Aktiver Krankheitsverlauf [Krankheitsdauer ≤ 18 Monate oder Anstieg des mRSS ≥ 3 oder Beteiligung eines neuen Körperteils und Anstieg des mRSS ≥ 2 oder Beteiligung von 2 neuen Körperteilen (beide innerhalb der letzten 6 Monate) und mindestens ein Sehnenreiben] | SSc nach ACR-/EULAR- Kriterien 2013 Auftreten des ersten Nicht-Raynaud-Symptoms < 7 Jahre Durch HRCT identifizierte ILD mit ≥ 10 % Lungenfibrose FVC ≥ 40 % v. Soll DLco 30–89 % v. Soll |
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| Prednison ≤ 10 mg/Tag | Prednison ≤ 10 mg/Tag Vorherige Anwendung von oralem CYC oder MMF ≥ 8 Wochen oder Erhalt von ≥ 2 intravenösen Dosen von CYC in der Vergangenheit waren Ausschlusskriterien | Prednison ≤ 10 mg/Tag Immunmodulatorische Therapie ab Woche 16 für Teilnehmer mit einem Verlust der vorhergesagten FVC% oder ab Woche 24 für Teilnehmer mit einer Verschlechterung der Hautsklerose oder anderen wesentlichen Komplikationen der SSc | Prednison ≤ 10 mg/Tag UND/ODER MMF bei stabiler Dosis für ≥ 6 Monate ODER Methotrexat bei stabiler Dosis für ≥ 6 Monate |
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| Differenz in der adjustierten absoluten Veränderung der FVC % v. Soll Baseline vs. 12 Monate: 2,53 % (95 % KI, 0,28–4,79 %) zugunsten von CYC (p < 0,03) | Kein signifikanter Unterschied zwischen MMF und CYC im modellierten Wechsel bei der FVC % v. Soll im Monat 24 (Unterschied zwischen den Gruppen: –0,70 [95 % Kl -3,1, 1,7]; p = 0,56) | Keine Verbesserung des mRSS vs. Baseline in Woche 48 TCZ-Arm zeigte numerisch stärkere Reduktion im mRSS (-1,7; 95 % KI –3·8–0·3; p = 0·10) | Rückgang der adjustierten jährlichen FVC-Rate über 52 Wochen: 41,0 ml/Jahr (95 % KI, 2,9 bis 79,0) zugunsten von Nintedanib; p = 0,04; relative Reduktion von 44 % |
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| Signifikanter Effekt auf TLC (p = 0,026) und HAQ-DI Scores (p = 0,009) Klinisch relevante Verbesserung des TDI Kein signifikanter Effekt auf DLco und DLco/VA | Keine signifikanten Unterschiede zwischen den Behandlungsgruppen für mRSS oder TDI Keine Änderung der quantitativen HRCT-Scores für Lungenfibrose und ILD für MMF und CYC Keine signifikante Verbesserung von DLco and DLco/VA im MMF- und CYC-Arm | FVC-Veränderung und Zeit bis Therapieversagen nach 48 Wochen zugunsten von TCZ Kein signifikanter Unterschied für HAQ-DI | Kein signifikanter Effekt auf mRSS und SGRQ über 52 Wochen [–0.21 (–0.94, 0.53) und 1.69 (–0.73, 4.12)]. |
Abb. 1Jährliche Rate des FVC-Verlustes (ml/Jahr) in SENSCIS und INPULSIS. FVC = forcierte Vitalkapazität. Daten aus 7 .
Abb. 2Veränderung der FVC vs. Baseline (ml) über 52 Wochen. FVC = forcierte Vitalkapazität. Daten aus 7 .
Praktische Aspekte zu Nintedanib in der Therapie der SSc-ILD.
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| Die empfohlene Dosis liegt bei 2-mal täglich 150 mg Nintedanib im Abstand von etwa 12 Stunden. |
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| Die häufigste Nebenwirkung ist Diarrhoe, die in Abhängigkeit der Schwere mit der Verordnung von Loperamid und ggf. Dosisreduktion behandelt werden kann. Sollten bei schweren Durchfällen Opiate als Antidiarrhoika eingesetzt werden, sollte deren Dosis und die Therapiedauer so gering wie möglich sein. |
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| Vor Beginn einer Nintedanib-Therapie sollte bei allen Patienten die Leberfunktion getestet und bei Frauen im gebärfähigen Alter eine Schwangerschaft mittels einem entsprechenden Test ausgeschlossen werden. |
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Bei Patienten mit schwerer Nierenfunktionsstörung (< 30 ml/min Kreatinin-Clearance) wurden Sicherheit und Wirksamkeit von Nintedanib nicht untersucht. |
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Bei Patienten mit schwerer PAH wird die Gabe von Nintedanib derzeit nicht empfohlen. | |
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Patienten mit leichter Leberfunktionsstörung (Child Pugh A) sollten nur mit einer reduzierten Dosis Nintedanib von 100 mg 2-mal täglich im Abstand von ca. 12 Stunden behandelt werden. Zur Sicherheit und Wirksamkeit von Nintedanib bei Patienten mit mittelschwerer und schwerer Leberfunktionsstörung (Child Pugh B bzw. C) liegen keine Daten vor. Die Behandlung ist daher in dieser Patientengruppe nicht empfohlen. | |
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| Starke P-gp-Inhibitoren (z. B. Ketoconazol, Erythromycin oder Ciclosporin) können die Plasmaspiegel von Nintedanib erhöhen. Starke P-gp-Induktoren (z. B. Rifampicin, Carbamazepin, Phenytoin oder Johanniskraut) können zur Verringerung des Nintedanib-Plasmaspiegels führen. |
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| Der Patient sollte explizit darüber aufgeklärt werden, dass die Therapie mit Nintedanib nicht die kurzfristige Verbesserung von Symptomen, sondern den mittel- und langfristigen Erhalt größtmöglicher Teile der Lungenfunktion zum gemeinsamen Ziel hat. |