| Literature DB >> 34305358 |
Eva-Lotta Brakemeier1,2, Kristin Pilz1,3, Jan Richter1, Tim Kaiser1.
Abstract
EINLEITUNG: Voraussetzung für die Approbation im Rahmen der neuen Psychotherapeutenausbildung ist u.a. das Bestehen einer anwendungsorientierten Parcoursprüfung. Da diese Prüfung von Lehrenden und Studierenden als Herausforderung angesehen wird, wurde eine Kurzform der Parcoursprüfung im Rahmen einer Modulprüfung des MSc-Studiengangs Psychologie eingeführt und evaluiert. METHODE: Für die 15-minütige Parcoursprüfung wurden 9 Kompe-tenzbereiche basierend auf praxisorientierten Psychotherapieseminaren entwickelt, von denen 2 jeweils geprüft wurden. Zur Standardisierung der Benotung wurde ein Bewertungsbogen konzipiert. Eine Mitarbeiterin erhielt ein Training als Simulationspatientin. Für die Evaluation wurde ein Fragebogen entwickelt, welcher u.a. die Umsetzbarkeit und das subjektive Erleben dieses Prüfungsformats aus der Sicht der an der Prüfung beteiligten Personen erfasst. ERGEBNISSE: 14 Prüfungskandidierende ließen sich durch 3 Prüfende prüfen. Die Gesamtdurchschnittsnote betrug 1,19 (Bereich: 1,0-2,3). Die Auswertung der Fragebögen zeigte, dass alle drei Gruppen die Prüfung als geeignet, die praktischen Fertigkeiten abzubilden, objektiv und praxisnah empfanden. Von den Prüfungskandidierenden gaben 50% an, dass die Prüfung sie gestresst habe, während die Simulationspatientin sich nie und die Prüfenden sich gar nicht (78%) oder kaum (22%) gestresst fühlten. DISKUSSION: Die Ergebnisse dieser Pilotstudie weisen auf eine gute Umsetzbarkeit der Parcoursprüfung hin, wenngleich sie auch mit Stress für die Prüfungskandidierenden verbunden war. Die Pilotstudie wird limitiert durch eine kleine und wahrscheinlich verzerrte Stichprobe (motivierte Studierende) ohne Vergleichsgruppe. Abschließend werden die Vor- und Nachteile dieses Prüfungsmodells kritisch diskutiert.Entities:
Keywords: Anwendungsorientierte Hochschullehre; Approbationsstudium; Parcoursprüfung; Psychotherapeutengesetz; SimulationspatientIn
Year: 2020 PMID: 34305358 PMCID: PMC7360497 DOI: 10.1159/000507820
Source DB: PubMed Journal: Verhaltenstherapie ISSN: 1016-6262 Impact factor: 0.905
Beschreibung der 4 Seminare, welche die Basis für die anwendungsorientierte Parcoursprüfung bildeten (weitere Informationen finden sich hier: https://psychologie.uni-greifswald.de/storages/uni-greifswald/fakultaet/mnf/psychologie/vorlesungsverz/KVV_MSc_WS1920_-_081019.pdf)
| Titel | Beschreibung |
|---|---|
| Das “Unified Protocol”: transdiagnostische Behandlung emotionaler Störungen | |
| Zwangsstörungen | |
| Moderne Ansätze der Psychotherapie in der Praxis | |
| Verhaltenstherapeutisches Fallseminar | |
Liste der 9 zu prüfenden Kompetenzbereiche aus der Parcoursprüfung und die zugrunde liegenden Seminare des Moduls
| Kompetenzbereich | Basis-Seminar | Titel |
|---|---|---|
| 1 | Vermittlung des Störungsmodells und Ableitung des Therapierationales (insb. Exposition) | Zwangsstörungen |
| 2 | Nichtbewertende, gegenwartsbezogene Aufmerksamkeit (Achtsamkeit bei emotionalen Erfahrungen) | Unified Protocol (Modul 3 bzw. erster |
| 3 | Kognitive Bewertung und Umbewertung | Unified Protocol (Modul 4 bzw. zweiter |
| 4 | Problematische Handlungstendenzen erkennen und verändern | Unified Protocol (Modul 5 bzw. dritter |
| 5 | Bewusstsein für und Toleranz gegenüber körperlichen Empfindungen durch interozeptive Expositionsübungen | Unified Protocol (Modul 6 bzw. vierter |
| 6 | Konfrontation und Exposition (in sensu und in vivo) | Unified Protocol (Modul 7), Zwangsstörungen |
| 7 | Umgang mit schwierigen interpersonellen Situationen während der Sitzung durch die Anwendung von CBASP-Strategien | Moderne Ansätze |
| 8 | Umgang mit schwierigen interpersonellen Situationen während der Sitzung durch die Anwendung von DBT-Strategien | Moderne Ansätze |
| 9 | Umgang mit schwierigen interpersonellen Situationen während der Sitzung durch die Anwendung von Strategien der Schematherapie | Moderne Ansätze |
CBASP, Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy; DBT, dialektisch-behaviorale Therapie.
Strukturierter Bewertungsbogen mit Leistungskriterien von ausgewählten Kompetenzbereichen
| Kompetenzbereich | Kriterien (max. Punktzahl) | ||
|---|---|---|---|
| 3 Kognitive Flexibilität | Vermittlung von Inhalten (3) | ||
| 5 Körperliche Empfindungen | Einführung (3) | ||
| 6 Exposition | Einführung (2) | ||
| Übergreifende Kriterien für die Kompetenzbereiche 2−6 | Adäquate Reaktion auf Widerstand, Vermeidung und sonstige Probleme (3) | ||
| 7 CBASP (verschlossen, suizidal, wütend, verliebt) | Einsatz des disziplinierten persönlichen Einlassens (4) | ||
| 8 DBT (verschlossen, suizidal, wütend, verliebt) | Anwendung von DBT-spezifischen Techniken (4) | ||
| Übergreifend für die Kompetenzbereiche 7−9 | Adäquate Reaktion auf Widerstand, Vermeidung und sonstige Probleme (3) | ||
CBASP, Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy; DBT, dialektisch-behaviorale Therapie.
Bei der Wahl des Kompetenzbereiches Exposition wurde auf die Prüfung eines zweiten Kompetenzbereiches verzichtet, da die Prüfung des Kompetenzbereiches die gesamte Prüfungszeit in Anspruch nahm.
Abb. 1Prozentuelle Darstellung der Häufigkeiten der 5 Antwortkategorien pro Item des FEKaP-Pk (Fragebogen zur Evaluation einer Kurzform der anwendungsorientierten Parcoursprüfung − Version Prüfungskandidierende), n = 12.
Abb. 2Prozentuelle Darstellung der Häufigkeiten der 5 Antwortkategorien pro Item des FEKaP-P (Fragebogen zur Evaluation einer Kurzform der anwendungsorientierten Parcoursprüfung − Version Prüfende), n = 28.
Abb. 3Prozentuelle Darstellung der Häufigkeiten der 5 Antwortkategorien pro Item des FEKaP-S (Fragebogen zur Evaluation einer Kurzform der anwendungsorientierten Parcoursprüfung − Version Simulationspatientin oder Simulationspatient), n = 14.