| Literature DB >> 34241643 |
Abstract
Frugal dentistry is derived from the term "frugal" (meaning simple, economical, usable, suitable). It focuses on dental interventions, which on one hand leads to a cost reduction compared to treatment alternatives and on the other hand focuses on dental core functionalities taking into account the patient's needs. In 2020, the World Health Organization (WHO) highlighted the urgency to prioritize cost-effective and affordable interventions.Against this background, a classification and review of frugal dentistry is carried out in this article. To what extent its objectives can be substantiated is investigated. Based on literature sources and an exemplary clinical presentation, options for frugal dentistry are shown. In addition, examples of potential frugal interventions and innovations are named and explained for a number of subject fields in dentistry. There are serious deficits in the systematic development and implementation of frugal dentistry. Numerous efforts in research, teaching, and patient care are therefore still required.Entities:
Keywords: Frugal dentistry; Frugal innovations; Frugal interventions; Pseudofrugality; Tooth gap closure with direct composite resin restorations
Mesh:
Year: 2021 PMID: 34241643 PMCID: PMC8316237 DOI: 10.1007/s00103-021-03377-y
Source DB: PubMed Journal: Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz ISSN: 1436-9990 Impact factor: 1.513
| a) Erhöhte Kosten | b) Gesenkte Kosten | c) Kostenneutralität | |
|---|---|---|---|
| 1) Kein Einfluss auf Mundgesundheit | 1a) Kostensteigernde Interventionsänderungen ohne Einfluss auf Wirkung und/oder Akzeptanz | 1b) | 1c) Kostenneutrale Interventionsänderungen ohne Einfluss auf Wirkung und/oder Akzeptanz |
| 2) Bessere Mundgesundheit | 2a) | 2b) | 2c) |
| 3) Schlechtere Mundgesundheit | 3a) Kostensteigernde Interventionsänderungen mit negativem Einfluss auf Wirkung und/oder Akzeptanz | 3b) Kostensenkende Interventionsänderungen mit negativem Einfluss auf Wirkung und/oder Akzeptanz | 3c) Kostenneutrale Interventionsänderungen mit negativem Einfluss auf Wirkung und/oder Akzeptanz |
Kursiv hervorgehoben sind Auswirkungen, die für die frugale Zahnmedizin relevant sind
| Fachgebiet | Strategien/Eingriffe | |
|---|---|---|
Ausbau von breitenwirksamer mundgesundheitlicher Aufklärung entsprechend dem aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand, wenn relevante Wissenslücken identifiziert wurden Nutzung technologischer Weiterentwicklungen (z. B. digitale Techniken/Telemedizin/künstliche Intelligenz) in (Früh‑)Diagnostik und Risikoprofilerstellung als Grundlage von fachübergreifenden Entscheidungsunterstützungen für präventive und therapeutische Interventionen, wenn Vorteile (z. B. hinsichtlich Funktionalität, Übersichtlichkeit, Dokumentation und Zeitbedarf) gegenüber bisher üblichen Vorgehensweisen überwiegen Monitoring (einschließlich systematisch geplanter Routineuntersuchungen bzw. Recalls) anstatt Ad-hoc-Interventionen, wenn die angetroffenen Situationen dies zulassen | ||
| 2.1 | Präventive Zahnheilkunde (hier: Zahnhartsubstanzen) | Einbeziehung kollektivpräventiver Interventionen (z. B. Fluoridierung von Speisesalz) anstatt ausschließlich individuellpräventiver Interventionen Bei individuellpräventiven Interventionen Differenzierung zwischen karies- und nichtkariesbedingten Zahnhartsubstanzschäden mit alters- und bedarfsgerechten Empfehlungen (z. B. zu Fluoridangebot, Ernährung, Mundhygiene, Versiegelungen, Schutzvorrichtungen) statt Einsatz pauschal festgelegter Maßnahmen |
| 2.2 | Restaurative Zahnheilkunde | Direkte Restaurationen statt indirekter Restaurationen bei Zahnhartsubstanzerkrankungen unterschiedlicher Ursachen, wenn Nutzen-Risiko- und Nutzen-Kosten-Abwägungen dies rechtfertigen Reparieren von defekten Restaurationen aller Art, statt diese neu anzufertigen bzw. zu ersetzen Direkter Lückenschluss statt kieferorthopädischer, prothetischer oder chirurgischer/implantologischer Eingriffe, wenn Nutzen-Risiko- und Nutzen-Kosten-Abwägungen dies rechtfertigen |
| 2.3 | Kinderzahnheilkunde | Direkte Restaurationen statt vorgefertigter oder indirekter Restaurationen, z. B. bei Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH), wenn Nutzen-Risiko- und Nutzen-Kosten-Abwägungen dies rechtfertigen |
| 2.4 | Endodontologie und dentale Traumatologie | Pulpotomie als Alternative zur Pulpektomie, wenn Nutzen-Risiko- und Nutzen-Kosten-Abwägungen dies rechtfertigen Zapfen- statt Stiftverankerung bei der postendodontischen restaurativen Versorgung, wenn die Voraussetzungen für stabile Fixierungen vorliegen Intentionelle Replantation (mit extraoraler Wurzelspitzenresektion, retrograder Wurzelkanalfüllung und Reinsertion (Wiedereinfügung) des betreffenden Zahnes in die originäre Alveole) als Alternative zur Extraktion mit anschließender prothetischer bzw. restaurativer Lückenversorgung oder einem kieferorthopädischen Lückenschluss, wenn Nutzen-Risiko- und Nutzen-Kosten-Abwägungen dies rechtfertigen Autotransplantation eines Zahnes als Alternative zu einer implantatgestützten Restauration, einer Brückenversorgung oder einem kieferorthopädischen Lückenschluss, wenn Nutzen-Risiko- und Nutzen-Kosten-Abwägungen dies rechtfertigen |
| 2.5 | Parodontologie | Ausbau von aktiven Mundhygienetrainingsmaßnahmen zugunsten rein passiver Interventionen (Hilfe zur Selbsthilfe, einschließlich individualisierten, digital gesteuerten und ggf. visualisierten Selbstmonitorings) Systematisches Monitoring (einschl. Diagnostik) und Risikoprofilerstellung als Grundlage für gezieltere nichtchirurgische und chirurgische parodontale Interventionen |
| 3.1 | Kronen- und Brückenprothetik | Fakultative Verfolgung des Prinzips der verkürzten Zahnreihe statt obligater Zahnersatzausdehnung bis einschließlich der zweiten Molaren Reparaturen von festsitzendem Zahnersatz statt Neuanfertigung Bestimmte Formen von (u. U. CAD-CAM-gefertigten) Adhäsivbrücken statt konventioneller Brücken, wenn Nutzen-Risiko- und Nutzen-Kosten-Abwägungen dies rechtfertigen |
| 3.2 | Herausnehmbare Prothetik | Nutzung von Werkstoffen (einschl. monolithischer Materialien) mit verbesserten Eigenschaften bei gleichzeitig einfacherer Verarbeitung, wenn Nutzen-Risiko- und Nutzen-Kosten-Abwägungen dies rechtfertigen |
| 3.3 | Funktionslehre | Nichtinvasive Maßnahmen wie Physiotherapie und Selbstmonitoring bei Funktionsstörungen (einschließlich Habits bzw. myofunktionellen Störungen) anstelle invasiver Eingriffe, wenn Nutzen-Risiko- und Nutzen-Kosten-Abwägungen dies rechtfertigen |
| 4.1 | Allgemeine zahnärztlich-chirurgische Eingriffe | Neuerungen in der Indikationsstellung und technischen Durchführung von operativen Eingriffen (z. B. Weisheitszahnentfernungen, endochirurgische Interventionen) |
| 4.2 | Implantologie | Modifikationen (Anzahl, Größe, Form, Standardisierung usw.) von Implantaten bzw. Verbindungsteilen (Abutments) zur Verbesserung bei gleichzeitiger Vereinfachung der Vorgehensweise (z. B. kurze Implantate statt Augmentationen, interne statt externe Sinusliftinterventionen, Reduktion der Implantatanzahl bei zahnlosem Unterkiefer mit genügend Knochenangebot), wenn Nutzen-Risiko- und Nutzen-Kosten-Abwägungen dies rechtfertigen (Anmerkung: Implantatversorgungen werden häufig als besonders kosten-, zeit- und materialintensive Therapieoption angesehen, allerdings gibt es auch hier frugale Methoden, z. B. die bessere und zugleich einfachere Fixierung einer Unterkiefertotalprothese mit einem Einzelimplantat) |
| 5.1 | Allgemeine Kieferorthopädie | Neuerungen in der Indikationsstellung und technischen Durchführung der kieferorthopädischen Behandlung beim Erwachsenen – selektive kieferorthopädische Behandlungsmaßnahmen Erweitertes Spektrum an Behandlungsapparaturen ermöglicht in der individuellen Situation ausgewogene Nutzen-Risiko-Abwägung Hoch individuelle Mechaniken zur Mobilisation verlagerter Zähne und zur Umsetzung selektiver 3‑D-Zahnbewegungen |
| 8.2 | Interdisziplinäre Kieferorthopädie | Lokale eingesetzte Extrusionsapparaturen zum Zahnerhalt ansonsten schwer zu versorgender Zähne als präprothetische Maßnahme oder nach Frontzahntrauma |

