Schon kurz nachdem die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am 11.3.2020 die Ansteckungen mit dem SARS‐COVID‐19 (kurz COVID) zur Pandemie erklärt hatte, wurde klar, dass es zwischen Allergien und der Infektion wenig Zusammenhänge gibt. Trotz globaler Bemühungen der Allergologie, diese zwei Themenkomplexe zu entflechten, kehrt der Mythos „Allergie‐COVID“ immer wieder in den Schoß der Allergologie zurück, sicher wie die Auferstehung des scheinbar getöteten Bösewichts in jedem B‐Horror‐Movie.Die COVID Infektion ist primär eine Erkrankung der Atemwege und Gefäße. Die ersten Studien aus China und Italien zeigten bereits im Frühling 2020, dass Patienten mit allergischem Asthma unter den schwer Erkrankten und Verstorbenen signifikant unterrepräsentiert waren [1]. Ganz frühe Berichte hatten aber nicht zwischen dem Risikofaktor chronisch obstruktive Lungenkrankheit (COPD) und Asthma bronchiale unterschieden und es dauerte bis Mitte 2020, bis sich die anfängliche Fehleinschätzung durch eine Zunahme an Daten allmählich korrigieren ließ.Nachdem also geklärt war, dass Allergien keinen Risikofaktor für eine COVID Infektion und umgekehrt darstellten, stellte sich im nächsten Akt die Frage, wie mit Patienten unter langjährigen, Allergenspezifischen Immuntherapie (AIT: subkutan SCIT, sublingual SLIT) umzugehen sei. Etliche Positionspapiere, darunter auch deutschsprachige streichen vier wesentlichen Punkte heraus [2]:▸ Bei allergischen Patienten ohne COVID soll bei entsprechender Indikation eine AIT gegen Insektengift und inhalative Allergene begonnen werden▸ Eine laufende AIT soll bei asymptomatischen Patienten nicht unterbrochen werden▸ Eine laufende AIT soll für die Dauer einer aktiven COVID Erkrankung pausiert und danach wieder fortgeführt werden▸ Eine SCIT muss nicht auf eine SLIT umgestellt werden und umgekehrtDamit schienen die Herausforderungen an die Allergologie in der COVID Pandemie gelöst, bis im Dezember 2020 erste Medienberichte über anaphylaktische Reaktionen im Vereinigten Königreich auf die ersten, sehnlich herbeigesehnten COVID Impfungen den Weihnachtsfrieden empfindlich störten. In den folgenden drei Monate beruhigten sich initiale Befürchtungen. Die Rate für schwere, anaphylaktische Reaktionen auf den Pfizer‐Biontech Impfstoff pendelten sich mit 4,7/Million und auf Moderna mit 2,5/Million Impfungen ein und waren mittels Standard‐Anaphylaxiebehandlung besonders durch raschen Einsatz von Adrenalin i. m. beherrschbar [3]. Damit befinden sich die seltenen Anaphylaxien auf mRNA Impfstoffe in der Dimension von bekannten Vakzinen auf Influenza (1,4/Million), Pneumokokken (2,5/Million) und Zoster (9,6/Million) [4]. Die anfängliche Aufregung erscheint also nicht gerechtfertigt und ein unglücklicher Zufall gewesen zu sein. Die Pathophysiologie der Anaphylaxien im Rahmen von COVID Impfungen ist nach wie vor nicht geklärt. Verdächtigt wird spezifisches IgE auf Polyethylenglykol/Makrogol/Polysorbat [5]. Dieses ist in vielen modernen Medikamenten als Hilfsstoff enthalten. Ob man damit auf das richtige Pferd setzt, bleibt abzuwarten.Alle drei mit Stand 3.3.2021 in der EU zugelassenen COVID Impfstoffe von Pfizer‐Biontech, Moderna und AstraZeneca sind stark immunogen und lösen häufig erwartbare Symptome wie vorübergehendes Kopfweh, Krankheitsgefühl und Fieber aus. Patienten müssen auf diese gut beherrschbaren Impfreaktionen vorbereitet werden um die Impfbereitschaft nicht zu limitieren. Eine Prämedikation mit einem Standard NSAR erscheint hilfreich. Auffallend sowohl bei den erwartbaren wie bei den sehr seltenen anaphylaktischen Reaktionen ist der ausgeprägte Gynäkotropismus (80–95 % weiblich) und stärkere Reaktionen bei jüngeren Impflingen [4].Trotz des offensichtlich fehlenden Zusammenhangs von Allergie und COVID bleibt Social Media massiv mit dieser Idee infiziert. Zur Unterstützung oft langwieriger Aufklärungsgespräche wurden für Patienten in deutsch‐österreichischer Kooperation Aufklärungsbroschüren online gestellt: https://dgaki.de/wp‐content/uploads/2021/01/Impf_info_A4_web_neu.pdf und https://www.allergologie.at/fileadmin/user_upload/COVID‐Allergie_Info_Patient_A4.pdf
Authors: Ludger Klimek; Oliver Pfaar; Margitta Worm; Karl-Christian Bergmann; Thomas Bieber; Roland Buhl; Jeroen Buters; Ulf Darsow; Thomas Keil; Jörg Kleine-Tebbe; Susanne Lau; Marcus Maurer; Hans Merk; Ralph Mösges; Joachim Saloga; Petra Staubach; Petra Stute; Klaus Rabe; Uta Rabe; Claus Vogelmeier; Tilo Biedermann; Kirsten Jung; Wolfgang Schlenter; Johannes Ring; Adam Chaker; Wolfgang Wehrmann; Sven Becker; Norbert Mülleneisen; Katja Nemat; Wofgang Czech; Holger Wrede; Randolf Brehler; Thomas Fuchs; Peter-Valentin Tomazic; Werner Aberer; Antje Fink-Wagner; Friedrich Horak; Stefan Wöhrl; Verena Niederberger-Leppin; Isabella Pali-Schöll; Wolfgang Pohl; Regina Roller-Wirnsberger; Otto Spranger; Rudolf Valenta; Mübecell Akdis; Cezmi Akdis; Karin Hoffmann-Sommergruber; Marek Jutel; Paolo Matricardi; FranÇois Spertin; Nikolai Khaltaev; Jean-Pierre Michel; Laurent Nicod; Peter Schmid-Grendelmeier; Eckard Hamelmann; Thilo Jakob; Thomas Werfel; Martin Wagenmann; Christian Taube; Michael Gerstlauer; Christian Vogelberg; Jean Bousquet; Torsten Zuberbier Journal: Allergol Select Date: 2020-05-28
Authors: Paul J Turner; Ignacio J Ansotegui; Dianne E Campbell; Victoria Cardona; Motohiro Ebisawa; Yehia El-Gamal; Stanley Fineman; Mario Geller; Alexei Gonzalez-Estrada; Paul A Greenberger; Agnes S Y Leung; Michael E Levin; Antonella Muraro; Mario Sánchez Borges; Gianenrico Senna; Luciana K Tanno; Bernard Yu-Hor Thong; Margitta Worm Journal: World Allergy Organ J Date: 2021-02-03 Impact factor: 4.084