Literature DB >> 33433646

[Improvement in breathing mechanics by plate osteosynthesis of the ribs after cardiac massage : Case report and review of the literature].

Karl Friedrich Abshagen1, Josef Stolberg-Stolberg2, Jan Philipp Loyen2, Oliver Riesenbeck2, Jens Everding2, Hendrik Freise3, Michael J Raschke2.   

Abstract

This article reports the case of a 69-year-old patient with multiple rib fractures and sternal fracture after repetitive cardiopulmonary resuscitation (CPR). Because of secondary respiratory failure due to an unstable thorax, rib fixation was performed 10 days after CPR. Subsequently, ventilation improved resulting in successful extubation 4 days after rib plating. A review of the literature revealed only five documented cases of rib osteosynthesis after CPR. Although flail chest occurs in up to 15% of patients after CPR, there is little evidence of the effect of rib fixation. The benefit of this procedure after chest trauma is reduced pain, shortened intensive care unit stay, lower rates of ventilation-associated pneumonia and lower costs for the healthcare system. Further clinical research is needed and interdisciplinary treatment should be kept in mind when dealing with patients resuscitated with prolonged mechanical ventilation.
© 2021. The Author(s).

Entities:  

Keywords:  Breathing mechanics; Flail chest stabilization; Inverted breathing; Multiple rib fractures, ORIF; Resuscitation

Mesh:

Year:  2021        PMID: 33433646      PMCID: PMC8397626          DOI: 10.1007/s00113-020-00950-z

Source DB:  PubMed          Journal:  Unfallchirurg        ISSN: 0177-5537            Impact factor:   1.000


Anamnese

Ein 69-jähriger Patient erlitt im Rahmen eines Nicht-ST-Hebungs-Infarkts einen Herzstillstand. Nach 10-minütiger Laienreanimation wurde durch den Notarzt nach Defibrillation eine Spontanzirkulation wiederhergestellt. Eine am selben Tage durchgeführte Koronarangiographie ergab eine Eingefäßerkrankung. Nach Ausschluss behandlungsbedürftiger Stenosen wurde nicht weiter interveniert. Am 2. Tag nach Aufnahme wurde der Patient erneut mehrfach reanimationspflichtig und daraufhin intubiert. In einer erneuten Koronarangiographie erfolgte die Implantation von 2 „drug-eluting stents“. Bei inverser Atmung erfolgte am 3. Tag die Extubation mit zunächst suffizienter Spontanatmung. Am 6. Tag wurden bei einem mechanischen Ileus eine Hemikolektomie rechts mit End-zu-End-Anastomose sowie eine Cholezystektomie durchgeführt. Im Anschluss an den Eingriff konnte der Patient zunächst noch im OP extubiert werden. Im Laufe des folgenden 7. Tages entwickelte der Patient im Rahmen des septischen Mehrorganversagens zunächst eine progrediente Oxygenierungsstörung und erschöpfte sich schließlich mit Tachypnoe, Hyperkapnie und konsekutiver Somnolenz, sodass die erneute Intubation erfolgte. Eine „Second-look“-Laparotomie am 8. Tag zeigte eine persistente akute Peritonitis.

Klinischer Befund

Durch die mehrfache Reanimation zog sich der Patient eine Sternumfraktur, Mehrfragmentfrakturen der 3. bis 5. Rippe sowie eine einfache Fraktur der 2., 6. und 7. Rippe links zu. Außerdem zeigten sich nichtdislozierte Rippenserienfrakturen 2–5 rechts (Abb. 1). In der Projektionsradiographie und in angeschnittenen Lungenanteilen im Abdomen-CT (Computertomograph) zeigte sich eine links basal führende Pneumonie mit erheblicher Sekretretention. Es bestand ein moderates ARDS (Acute Respiratory Distress Syndrome) mit Horowitz-Indizes zwischen 100 und 150 mmHg unter druckkontrollierter Beatmung mit Möglichkeit zu druckunterstützter Spontanatmung. Die Decarboxylierung war unter lungenprotektiven Beatmungsparametern ungestört.
Zum Indikationszeitpunkt (10 Tage nach erstmaliger Reanimation) blieben Spontanatmungsversuche allerdings frustran. Es zeigte sich klinisch ein zentraler instabiler Thorax mit inverser Atmung (Zusatzmaterial online: Video 1) und Sauerstoffpartialdrücken von 60 mm Hg bei einer FIO2 von 55 %. Weiterhin zeigten sich steigende Infektparameter und in der radiologischen Bildgebung (Abb. 1) eine Pneumonie mit linksbetonten Dystelektasen. Daher wurde am 10. Tag die Indikation zur Plattenosteosynthese der Rippen gestellt.

Diagnose

Inverse Atmung beibei Z. n. kardiopulmonaler Reanimation. nichtdislozierter Rippenserienfraktur 2–5 rechts, Mehrfragmentfrakturen der 3.–5. Rippe links, dislozierten Einfachfrakturen der 2., 6. und 7. Rippe links, Querfraktur des Sternumkorpus im 3. ICR (AO 16.3.2 A)

Therapie und Verlauf

Am 11. Hospitalisationstag nach Herzstillstand erfolgte die osteosynthetische Versorgung der Rippenfrakturen mittels offener Reposition und Fixierung (MatrixRib, Fa. Synthes, Oberdorf, Schweiz). Intraoperativ zeigte sich bereits nach Stabilisierung der Rippen 3–5 links ein Ausbleiben der inversen Atmung in einem ersten Spontanatemversuch. Im konventionellen Thoraxröntgen konnte postoperativ ein Pneumothorax ausgeschlossen werden. Am 1. postoperativen Tag persistierte unter dem klinischen Bild einer rückläufigen Peritonitis und einer E.-coli-Pneumonie noch eine deutliche Oxygenierungsstörung. Ab dem 2. Tag wurde unter erheblich gebesserter Atemmechanik und effektivem Hustenstoß mit dem Weaning begonnen, und ab dem 3. Tag konnte eine vollständig spontane Atmung mit einem PEEP („positive end-expiratory pressure“) von 7 mbar erreicht werden. Nach Resolution eines hyperaktiven Delirs konnte am Tag 4 die Extubation erreicht werden. Es zeigte sich eine suffiziente Eigenatmung unter Raumluft mit reduzierten Schmerzen.

Diskussion

Zunehmende Evidenz belegt die Effektivität der Behandlung des instabilen Thorax durch Plattenosteosynthesen. Aktuelle Richtlinien empfehlen die Erwägung einer Rippenstabilisierung bei instabilem Thorax, Rippenserienfrakturen > 3 Rippen, grober Dislokation und symptomatischer Pseudarthrose [1]. Der instabile Thorax ist definiert als Verletzung mit mehr als 2 Frakturstücken/Rippe in mindestens 3 aufeinander folgenden Rippen [2]. Mittlerweile konnte in 3 kontrollierten randomisierten Studien gezeigt werden, dass die Rippenverplattung bei Patienten mit instabilem Thorax folgende Vorteile zeigt: kürzere Beatmungsdauer, kürzere Intensivtherapie, niedrigere Pneumonieraten, verbesserte Lungenfunktion, Abnahme der posttraumatischen Schmerzen sowie reduzierte Kosten für das Gesundheitssystem [1, 3]. Ursächlich für ein Thoraxtrauma wird meist das Hochrasanztrauma beschrieben. In 6 % dieser Fälle resultiert aus dem Unfall ein instabiler Thorax, welcher mit einer Sterblichkeit von 33 % assoziiert ist [3]. Die Häufigkeit der Rippenfraktur nach CPR ist in der Alterspopulation über 40 Jahre mit 31 % vergleichsweise hoch [4]. Thompson et al. konnten anhand von 236 Patienten post mortem nach CPR zeigen, dass 14,8 % einen instabilen Thorax, wie oben definiert, aufwiesen. Davon fielen die meisten Fälle auf das Kollektiv der 60- bis 79-Jährigen [4]. Dies zeigt sich auch in den bekannten Fallbeschreibungen, in denen 4 von 6 Patienten zu diesem Kollektiv gehören (Tab. 1). Oben genannte Vorteile der Osteosynthese bei Rippenfrakturen könnten insbesondere in dieser Altersgruppe eine Behandlungsverbesserung erzielen [5]. Zu beachten sind bei CPR-assoziierten Frakturen die Sternumquerfrakturen, welche mit einer Häufigkeit bis zu 80 % nach CPR auftreten und zu einem instabilen Thorax und einer inversen Atmung beitragen können [6]. Hier kann auch eine selektive Rippenverplattung das frakturierte Sternum in seiner anatomischen Position halten und den mitfrakturierten kontralateralen Hemithorax mechanisch unterstützen. Die radiologische Bildgebung sollte immer in Kombination mit dem klinischen Bild des Patienten gesehen werden. So zeigt sich im vorgestellten Fall eine undislozierte Serienfraktur des rechten Hemithorax, die in Kombination mit der Sternumfraktur zu einer klinischen Instabilität des gesamten anterioren Thorax beiträgt (Zusatzmaterial online: Video 1). Reanimationsverletzungen sind als punktueller direkter Traumamechanismus zu werten und resultieren in Kombinationen aus Sternumfraktur und Rippenserienfrakturen. Bei symptomatischen Frakturen, instabilem Thorax und sternovertebralen Verletzungen ist die Indikation zur zusätzlichen Verplattung großzügig zu stellen [7]. Plattenosteosynthesen mit „low profile design“ haben sich als patientenfreundlich erwiesen [8]. In den hier dargestellten Fällen zeigte sich dieses Frakturmuster in 3 von 6 Fällen. In der Literatur beschriebene CPR-assoziierte Verletzungen thorakaler Organe, wie z. B. Verletzungen der Trachea oder Lungenlazerationen, sind bei der Indikationsstellung zur Osteosynthese der Rippen zu beachten, und ggf. ist zeitgleich eine videoassistierte Thorakoskopie durchzuführen. Die Übersicht (Tab. 1) zeigt, dass ein höheres Alter mit einer erhöhten Mortalität einhergeht. Eine interdisziplinäre Evaluation von Patienten mit Rippenserienfraktur nach CPR erfolgt nur selten und könnte Morbidität und Mortalität reduzieren. Dies muss mit den Risiken des reanimierten Patienten abgewogen werden. Häufig wird hier eine Koronarintervention mit Stent-Implantation und einer doppelten Thrombozytenaggregationshemmung durchgeführt. Daher finden mögliche Operationen unter erhöhtem Blutungsrisiko oder dem Risiko der Stent-Thrombose statt [9].
ReferenzAlter, GeschlechtNebendiagnosenAnzahl der betroffenen RippenIndikation zur OsteosyntheseOsteosynthese nach Tagen ab CPRAnzahl an CPR (n)Beatmung nach Osteosynthese (Tage)/BeatmungsformVerlaufKomplikationen
Olga Ananiadou et al. [10]59, mMyokardinfarkt, Herzinsuffizienz (EF 15 %), Hemiplegie, Polyneuropathie

Sternumfraktur

Rippen 4 + 5 links

Instabiler Thorax und inverse Atmung723/TracheostomaSpontanatmung nach 3 Tagen postoperativNicht bekannt
Nach 3 Wochen Tracheostoma ex
Nach 6 Monaten gute Lungenfunktion
Andrew Drahos et al. [11]59, mNicht bekannt

Rippen 5. + 6. rechts

Rippen 3.–6. links

Instabiler Thorax17116/TracheostomaRehabilitationsbehandlungNicht bekannt
Einen Monat nach Krankenhausentlassung Besserung der Lungenfunktion

Pouwels et al. [12]

Fall 1

79, mNicht bekannt

Rippen 3–6 rechts

Rippen 4–7 links

Inverse Atmung14114Tod nach unklarem InfektSpannungspneumothorax

Pouwels et al. [12]

Fall 2

63, mLAE

Sternumfraktur

Rippen 2–7 rechts

Rippen 3–7 links

Instabiler Thorax421/IntubationEine Woche Krankenhausaufenthalt post extubationemNicht bekannt
Rehabilitation
Gute Lungenfunktion
Taketani et al. [13]69, m

Kolon-CA

Niereninsuffizienz

Sternumfraktur

Rippen 2–5, 7, 8 rechts

Rippen 2–7 links

Instabiler Thorax, inverse Atmung, Schmerzen, erhöhte Atemarbeit22Unbekannt4/TracheostomaNicht bekanntNicht bekannt
Präsentierter Fall69, m

Art. Hypertonus

Dyslipidämie

Z. n. Nikotinabusus (30 PY)

Adipositas

Eingefäß-KHK

Rippen 2–5 rechts, Stückfraktur 4. Rippe links

Dislozierte Frakturen der 3, 5–7 Rippen links

Inverse Atmung1034/IntubationIntensivaufenthalt für 5 Tage nach Extubation

Mechanischer Ileus

Peritonitis

Anschließend Rehabilitation
Sternumfraktur Rippen 4 + 5 links Rippen 5. + 6. rechts Rippen 3.–6. links Pouwels et al. [12] Fall 1 Rippen 3–6 rechts Rippen 4–7 links Pouwels et al. [12] Fall 2 Sternumfraktur Rippen 2–7 rechts Rippen 3–7 links Kolon-CA Niereninsuffizienz Sternumfraktur Rippen 2–5, 7, 8 rechts Rippen 2–7 links Art. Hypertonus Dyslipidämie Z. n. Nikotinabusus (30 PY) Adipositas Eingefäß-KHK Rippen 2–5 rechts, Stückfraktur 4. Rippe links Dislozierte Frakturen der 3, 5–7 Rippen links Mechanischer Ileus Peritonitis

Fazit für die Praxis

Rippenfrakturen sind häufige Begleittraumata nach kardiopulmonaler Reanimation v. a. bei älteren Patienten. Das Auftreten einer inversen Atmung bei instabilem Thorax oder starke atemabhängige Schmerzen kann/können eine osteosynthetische Versorgung indizieren. Durch Rippenosteosynthese können sekundäre Folgen einer verlängerten mechanischen Beatmung reduziert werden. Ein interdisziplinärer Austausch ist nötig, um geeignete Patienten dieser Therapie zuzuführen.
  12 in total

1.  Chest wall stabilization with rib plating after cardiopulmonary resuscitation.

Authors:  Andrew Drahos; Michael Fitzgerald; Dennis Ashley; D Benjamin Christie
Journal:  J Thorac Dis       Date:  2019-05       Impact factor: 2.895

Review 2.  Chest Wall Trauma.

Authors:  Sarah Majercik; Fredric M Pieracci
Journal:  Thorac Surg Clin       Date:  2017-05       Impact factor: 1.750

3.  Flail Chest Following Failed Cardiopulmonary Resuscitation.

Authors:  Melissa Thompson; Neil E I Langlois; Roger W Byard
Journal:  J Forensic Sci       Date:  2017-01-25       Impact factor: 1.832

4.  [Rib fixation for flail chest after resuscitation].

Authors:  Nieck S A Pouwels; Daphne van Embden; Jochem M Hoogendoorn
Journal:  Ned Tijdschr Geneeskd       Date:  2018-06-07

5.  [Surgically Managed Flail Chest Caused by Resuscitation].

Authors:  Sonofu Taketani; Yoshifumi Makimoto; Masafumi Kunitake; Tomoyuki Anegawa
Journal:  Kyobu Geka       Date:  2016-11

6.  Chest wall stabilization in ventilator-dependent traumatic flail chest patients: who benefits?

Authors:  Gregor J Kocher; Siamak Sharafi; Luis Filipe Azenha; Ralph A Schmid
Journal:  Eur J Cardiothorac Surg       Date:  2017-04-01       Impact factor: 4.191

7.  Cardiac arrest among surgical patients: an analysis of incidence, patient characteristics, and outcomes in ACS-NSQIP.

Authors:  Hadiza S Kazaure; Sanziana A Roman; Ronnie A Rosenthal; Julie A Sosa
Journal:  JAMA Surg       Date:  2013-01       Impact factor: 14.766

Review 8.  [Epidemiology, injury entities and treatment practice for chest wall injuries : Current scientific knowledge and treatment recommendations].

Authors:  S Schulz-Drost; A Ekkernkamp; D Stengel
Journal:  Unfallchirurg       Date:  2018-08       Impact factor: 1.000

Review 9.  [Lesions of the anterior chest wall-significance of additional fractures of the spine].

Authors:  S Krinner; A Langenbach; F F Hennig; A Ekkernkamp; S Schulz-Drost
Journal:  Unfallchirurg       Date:  2018-08       Impact factor: 1.000

Review 10.  Chest wall stabilization in trauma patients: why, when, and how?

Authors:  Jose Ribas Milanez de Campos; Thomas W White
Journal:  J Thorac Dis       Date:  2018-04       Impact factor: 2.895

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