Literature DB >> 33318770

[Experiences from the German COVID-19 register].

Elion Hoxha1.   

Abstract

Severe acute respiratory syndrome coronavirus 2 (SARS-CoV-2) infections represent a particular risk for several groups of patients with nephrological diseases. Patients on dialysis represent a particularly vulnerable group during the SARS-CoV‑2 pandemic. Initial data from international registries show a much higher mortality of dialysis patients with SARS-CoV‑2 infections. Because of the substantial differences between the healthcare systems, (state) preventive measures and treatment possibilities etc., in the different countries worldwide, local and national registry data cannot be easily transferred. In order to gain a reliable overview of the prevalence and mortality of dialysis patients with SARS-CoV‑2 infection in Germany, the German Society of Nephrology implemented a national registry for dialysis patients with a SARS-CoV‑2 infection. Within this framework a standardized collection of these data is carried out on a weekly basis, which should enable a real-time overview of the case numbers and perhaps the acquisition of new scientific knowledge. Particularly in the current phase of the pandemic (autumn 2020), which is accompanied by a multiplication of the numbers of daily new-onset cases within only a few weeks, such data are highly relevant for the estimation and adjustment of the personnel, structural and organizational needs as well as the capacities for the treatment of patients. © Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2020.

Entities:  

Keywords:  Coronavirus; Dialysis; Mortality; Prevalence; Registries

Year:  2020        PMID: 33318770      PMCID: PMC7724186          DOI: 10.1007/s11560-020-00468-w

Source DB:  PubMed          Journal:  Nephrologe        ISSN: 1862-040X


Die Anzahl der mit SARS-CoV‑2 („severe acute respiratory syndrome coronavirus 2“) infizierten Menschen in Deutschland hat im Oktober 2020 die 400.000er-Marke überschritten [1]. Im Hinblick auf die SARS-CoV-2-Pandemie stellen Patienten mit Nierenerkrankungen aus mehreren Gründen eine Risikopopulation dar. Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz zeigen ein signifikant erhöhtes Risiko für Hospitalisierung aufgrund einer SARS-CoV-2-Infektion, verglichen mit Patienten, die keine Einschränkung der Nierenfunktion aufweisen [2]. Außerdem konnte in einer aufgrund einer SARS-CoV-2-Infektion hospitalisierten Patientenkohorte festgestellt werden, dass eine zum Zeitpunkt der stationären Aufnahme bestehende eingeschränkte Nierenfunktion, eine Proteinurie oder eine Hämaturie mit einer signifikant erhöhten Mortalität einherging [3]. Es ist deshalb verständlich, dass auch immunsupprimierte Patienten (z. B. nach Nierentransplantation oder im Rahmen der Therapie einer Autoimmunerkrankung), aber v. a. Dialysepatienten als Risikopatienten im Hinblick auf eine SARS-CoV-2-Infektion gelten.

Dialysepatienten sind SARS-CoV-2-Risikopatienten

Dialysepatienten haben ein erhöhtes Risiko sowohl für eine Infektion mit SARS-CoV‑2 als auch für einen ungünstigen Verlauf der dadurch verursachten COVID-19(„coronavirus disease 2019“)-Erkrankung. Patienten unter einer ambulanten Dialysetherapie können nicht ohne Weiteres in häuslicher Quarantäne isoliert werden und sind darauf angewiesen, regelmäßig in einem Zentrum behandelt zu werden. Hierbei haben sie Kontakt mit einer Vielzahl von Personen, sowohl auf dem Weg zum Zentrum (z. B. in öffentlichen Verkehrsmitteln, im Taxi, bei der Krankenbeförderung etc.) als auch während der Behandlung (medizinisches Personal im Zentrum, andere Patienten, Hilfspersonal etc.). In einer Studie aus den USA wurden Serumproben von 28.503 Dialysepatienten untersucht, um die Prävalenz von SARS-CoV‑2 zu ermitteln. In dieser Population, die im Sommer untersucht wurde, zeigte sich eine Seroprävalenz für SARS-CoV‑2 von 8 % [4]. Es gibt eine Vielzahl von Studien, die einen ungünstigen Verlauf und eine ungünstige Prognose von Dialysepatienten nach einer SARS-CoV-2-Infektion berichten. Leider kommen viele Risikofaktoren, die mit einer ungünstigen Prognose einer SARS-CoV-2-Infektion assoziiert sind, bei Dialysepatienten regelhaft vor. Dazu gehören beispielsweise hohes Alter, kardiovaskuläre Vorerkrankungen, Bluthochdruck, Diabetes mellitus usw. Hinzu kommt, dass bei dialysepflichtigen Patienten von einer eingeschränkten Immunkompetenz ausgegangen werden kann.

Mortalität bei SARS-CoV-2-infizierten Dialysepatienten

Eine Studie aus New York zeigte eine deutlich erhöhte Mortalitätsrate bei hospitalisierten Dialysepatienten, verglichen mit Patienten, die bei Hospitalisierung nicht chronisch dialysepflichtig waren (Odds Ratio [OR]: 1,38, 95 %-Konfidenzintervall [KI]: 1,12–1,70). Auch nach Adjustierung für demographische Angaben und Komorbiditäten bestand das erhöhte Mortalitätsrisiko für Dialysepatienten fort [5]. Lokale Registerstudien aus Europa oder den USA haben eine Mortalität der SARS-CoV-2-infizierten dialysepflichtigen Patienten von 24–40 % berichtet [6-10]. Eine nationale Registerstudie aus Frankreich beschreibt eine Mortalität von 21 % bei Dialysepatienten mit SARS-CoV-2-Infektion, während die Prävalenz der Erkrankung in den verschiedenen Regionen zwischen 1 und 10 % stark variierte [11]. Bei den genannten Studien handelt es sich um Registerstudien, sodass in diesem Zusammenhang auch die Limitationen in der Interpretationsmöglichkeit dieser Daten berücksichtigt werden müssen. Es kann beispielsweise nicht ausgeschlossen werden, dass im Rahmen einer Registererhebung nicht alle Daten (oder nicht alle Patientenfälle) erhoben werden. V. a. in Bezug auf die Endpunkte (z. B. Mortalität) ist eine vollständige Erhebung aller Fälle und der kompletten Verläufe von hoher Relevanz. Auch klinische Definitionen können zwischen Registerstudien variieren (z. B. die Definition eines „schweren Verlaufs“), sodass die Vergleichbarkeit der Daten eingeschränkt wird. Dadurch können Verzerrungen in der Datenanalyse entstehen, die eine Interpretation der Daten weiter erschweren. Daten aus Registerstudien können zwischen verschiedenen Ländern stark variieren Im Rahmen einer globalen Pandemie kommt erschwerend hinzu, dass die lokalen (oder auch nationalen) Gegebenheiten stark variieren. Dazu gehören unter anderem der Aufbau eines Gesundheitssystems, das staatliche Vorgehen im Rahmen der Pandemie (z. B.: Wie schnell wurden Maßnahmen ergriffen? Wie ausgedehnt waren diese Maßnahmen, und wie lange dauerten sie?), der Umstand, ob die Kapazitätsgrenzen eines Gesundheitssystems erreicht wurden oder nicht, die Anzahl der erkrankten Patienten sowie Dynamik der Pandemie. Aus diesen Gründen sind Registerdaten nicht ohne Weiteres von einem Land auf das andere übertragbar.

COVID-19-Register der DGfN

Bereits im März 2020 wurde unter dem Schirm der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) ein Register für Dialysepatienten mit einer SARS-CoV-2-Infektion entwickelt. Das Register wurde in 2 Stufen aufgebaut. In der ersten Stufe des Registers wurde darauf gezielt, eine möglichst vollständige Datenbasis für die Prävalenz und Mortalität von SARS-CoV-2-infizierten Dialysepatienten zu gewinnen. Dafür wurde ein Fragebogen entwickelt, in dem die wichtigsten Parameter erfragt wurden: Anzahl der im Zentrum (chronisch) behandelten Dialysepatienten (jeweils für Hämodialyse- und Peritonealdialysepatienten); Anzahl der Patienten, die aktuell an einer SARS-CoV-2-Infektion erkrankt sind, und ihre jeweilige Betreuungssituation (ambulant, stationär oder intensivstationär); Anzahl der SARS-CoV-2-Patienten, die bisher genesen bzw. verstorben sind. Die SARS-CoV-2-Infektions-Prävalenz stieg im Frühjahr im Rahmen der ersten Infektionswelle auf bis zu 1,5–2 % der Dialysepatienten an und sank über den Sommer kontinuierlich ab. Auch die Hospitalisierungsrate und die Mortalität zeigten einen ähnlichen Verlauf und verzeichneten einen Anstieg im Frühjahr, gefolgt von einer Stabilisierung der Zahlen im Verlauf des Sommers. Aktuell erfolgt die Datenerhebung weiterhin wöchentlich und standardisiert mit dem Ziel, zeitnah einen Überblick über die Entwicklung der Erkrankung zu gewinnen und somit die Möglichkeit zu haben, rechtzeitig entsprechende regionale oder nationale Maßnahmen zu initiieren. Diese Möglichkeiten sind insbesondere in der aktuellen Phase der Pandemie, in der ein starker Anstieg der Infektionsfälle verzeichnet wird, sehr relevant. In der zweiten Stufe des Registers erfolgt der Einschluss von nierenkranken Patienten, die eine SARS-CoV-2-Infektion entwickelt haben. Die Datenerhebung erfolgt zum Zeitpunkt der Infektion sowie nach 2 und 24 Wochen. Es werden sowohl klinische Befunde als auch Daten zur Therapie und zum Verlauf erhoben mit Ziel, neue wissenschaftliche Erkenntnisse, beispielsweise zu prognostischen und Therapiemarkern, zu gewinnen [12]. Die Datenauswertung ist noch nicht abgeschlossen.

Fazit für die Praxis

Dialysepflichtige Patienten stellen bezüglich sowohl der Krankheitsprävalenz als auch der Prognose und der Mortalität eine Risikogruppe für eine SARS-CoV-2(„severe acute respiratory syndrome coronavirus 2“)-Infektion dar. Unter Berücksichtigung des zu erwartenden wellenförmigen Verlaufs der Pandemie ist die Erhebung von zuverlässigen Prävalenz- und Verlaufsdaten aus diesem Patientenkollektiv hoch relevant. Für die Qualität und die Aussagefähigkeit der Daten ist eine nationale, möglichst vollständige Datenbasis von hoher Wichtigkeit. Die hohe Mortalitätsrate der an SARS-CoV‑2 infizierten Dialysepatienten zeigt die hohe Relevanz der Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs. Bis dahin spielt die Prävention eine wesentliche Rolle bei der Bekämpfung der Pandemie.
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1.  COVID-19 Infection in ESKD: Findings from a Prospective Disease Surveillance Program at Dialysis Facilities in New York City and Long Island.

Authors:  Steven Weiss; Premila Bhat; Maria Del Pilar Fernandez; J Ganesh Bhat; George N Coritsidis
Journal:  J Am Soc Nephrol       Date:  2020-10-19       Impact factor: 10.121

2.  COVID-19 in Patients on Maintenance Dialysis in the Paris Region.

Authors:  Sarah Tortonese; Ivan Scriabine; Louis Anjou; Christopher Loens; Arthur Michon; Mohammed Benabdelhak; Sarah Ouali; Gabriel Morin; Marwa Laifi; Hélène Dobosziewicz; Matthieu Guillet; Manon Dekeyser; Liem Binh Luong Nguyen; Anne Grünenwald; Julien Dang; Geoffroy Desbuissons; Laurent Becquemont; Renaud Snanoudj; Christophe Legendre; Hadia Hebibi; Edouard Lefèvre; Séverine Beaudreuil; Mohamad Zaidan
Journal:  Kidney Int Rep       Date:  2020-07-18

3.  A report from the Brescia Renal COVID Task Force on the clinical characteristics and short-term outcome of hemodialysis patients with SARS-CoV-2 infection.

Authors:  Federico Alberici; Elisa Delbarba; Chiara Manenti; Laura Econimo; Francesca Valerio; Alessandra Pola; Camilla Maffei; Stefano Possenti; Bernardo Lucca; Roberta Cortinovis; Vincenzo Terlizzi; Mattia Zappa; Chiara Saccà; Elena Pezzini; Eleonora Calcaterra; Paola Piarulli; Alice Guerini; Francesca Boni; Agnese Gallico; Alberto Mucchetti; Stefania Affatato; Sergio Bove; Martina Bracchi; Ester Maria Costantino; Roberto Zubani; Corrado Camerini; Paola Gaggia; Ezio Movilli; Nicola Bossini; Mario Gaggiotti; Francesco Scolari
Journal:  Kidney Int       Date:  2020-05-08       Impact factor: 10.612

4.  COVID-19-associated nephritis: early warning for disease severity and complications?

Authors:  Oliver Gross; Onnen Moerer; Manfred Weber; Tobias B Huber; Simone Scheithauer
Journal:  Lancet       Date:  2020-05-06       Impact factor: 79.321

5.  Factors associated with hospital admission and critical illness among 5279 people with coronavirus disease 2019 in New York City: prospective cohort study.

Authors:  Christopher M Petrilli; Simon A Jones; Jie Yang; Harish Rajagopalan; Luke O'Donnell; Yelena Chernyak; Katie A Tobin; Robert J Cerfolio; Fritz Francois; Leora I Horwitz
Journal:  BMJ       Date:  2020-05-22

6.  Acute kidney injury in patients hospitalized with COVID-19.

Authors:  Jamie S Hirsch; Jia H Ng; Daniel W Ross; Purva Sharma; Hitesh H Shah; Richard L Barnett; Azzour D Hazzan; Steven Fishbane; Kenar D Jhaveri
Journal:  Kidney Int       Date:  2020-05-16       Impact factor: 10.612

7.  Low incidence of SARS-CoV-2, risk factors of mortality and the course of illness in the French national cohort of dialysis patients.

Authors:  Cécile Couchoud; Florian Bayer; Carole Ayav; Clémence Béchade; Philippe Brunet; François Chantrel; Luc Frimat; Roula Galland; Maryvonne Hourmant; Emmanuelle Laurain; Thierry Lobbedez; Lucile Mercadal; Olivier Moranne
Journal:  Kidney Int       Date:  2020-08-25       Impact factor: 10.612

8.  Kidney disease is associated with in-hospital death of patients with COVID-19.

Authors:  Yichun Cheng; Ran Luo; Kun Wang; Meng Zhang; Zhixiang Wang; Lei Dong; Junhua Li; Ying Yao; Shuwang Ge; Gang Xu
Journal:  Kidney Int       Date:  2020-03-20       Impact factor: 10.612

9.  Impact of first-wave COronaVIrus disease 2019 infection in patients on haemoDIALysis in Alsace: the observational COVIDIAL study.

Authors:  Nicolas Keller; François Chantrel; Thierry Krummel; Dorothée Bazin-Kara; Anne Laure Faller; Clotilde Muller; Thimothée Nussbaumer; Manfred Ismer; Abdellatif Benmoussa; Mohamed Brahim-Bouna; Stéphanie Beier; Peggy Perrin; Theirry Hannedouche
Journal:  Nephrol Dial Transplant       Date:  2020-08-01       Impact factor: 5.992

10.  Prevalence of SARS-CoV-2 antibodies in a large nationwide sample of patients on dialysis in the USA: a cross-sectional study.

Authors:  Shuchi Anand; Maria Montez-Rath; Jialin Han; Julie Bozeman; Russell Kerschmann; Paul Beyer; Julie Parsonnet; Glenn M Chertow
Journal:  Lancet       Date:  2020-09-25       Impact factor: 202.731

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