Literature DB >> 32902672

[Focus on the stigma of mental disease].

Georg Schomerus1, Steffi Riedel-Heller2.   

Abstract

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Year:  2020        PMID: 32902672      PMCID: PMC7479398          DOI: 10.1007/s00115-020-00964-3

Source DB:  PubMed          Journal:  Nervenarzt        ISSN: 0028-2804            Impact factor:   1.214


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In Zeiten, in denen die COVID-19-Pandemie unser gesellschaftliches Miteinander auf vielen Ebenen einschneidend verändert, wird einmal mehr deutlich, wie stark dieses Miteinander auch unseren Umgang mit psychischer Krankheit prägt. Gesellschaftliche Prozesse haben Einfluss darauf, wie gut oder schlecht man mit einer psychischen Krankheit leben kann. So ist auch das Stigma psychischer Krankheit nicht in erster Linie ein psychiatrisches Problem, sondern ein gesellschaftliches. Schließlich ist Stigma kein Krankheitssymptom, sondern Ausdruck des gesellschaftlichen Umgangs mit psychischer Krankheit. Stigmatisierung findet mehr oder weniger stark in Abhängigkeit davon statt, wie gut oder wie schlecht wir als Gesellschaft mit psychischer Krankheit umgehen können. Stigma beeinträchtigt den Verlauf psychischer Krankheiten Trotzdem ist die Psychiatrie eng mit dem Phänomen Stigma verbunden: zum einen, weil durch die psychiatrische Diagnose und Behandlung ein Labeling stattfindet, das zum Prozess der Stigmatisierung beitragen kann [2], zum anderen, weil öffentliches Stigma, Selbststigma und strukturelle Diskriminierung das Befinden unserer Patientinnen und Patienten beeinträchtigen, den Verlauf psychiatrischer Krankheiten negativ beeinflussen und vielfach auch der Inanspruchnahme professioneller Hilfe im Weg stehen. In diesem Themenheft des Nervenarztes widmen sich 4 Arbeiten verschiedenen Aspekten der Stigmatisierung von Menschen mit psychischen Krankheiten und zeigen sowohl neue Richtungen wie auch praktische Implikationen der Stigmaforschung auf. Die 1. Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen Suizidalität und der Stigmatisierung suizidalen Verhaltens. Erst kürzlich ist insbesondere das Risiko poststationärer Suizide wieder in den Fokus gelangt [5]. Oexle et al. analysieren in einer Übersicht, die mit der medizinischen Literatur der Antike beginnt, den komplexen Zusammenhang zwischen Suizidstigma und Suizidprävention. Im 2. Beitrag des Themenheftes zeigen Speerforck und Schomerus auf, dass das Konzept der sozialen Milieus hilfreich sein kann, um Bevölkerungsgruppen zu definieren, bei denen einerseits stigmatisierende Einstellungen gegenüber psychischer Krankheit besonders prävalent sind und die andererseits besonders schlecht von psychiatrischen Versorgungsangeboten erreicht werden. Die Arbeit trägt damit auch der Tatsache Rechnung, dass die Unter- und Fehlversorgung von Menschen mit psychischen Krankheiten immer noch unzureichend verstanden ist [1]. Die Stigmaforschung hat sich in den letzten Jahren ausführlich damit befasst, ob sich bestimmte ätiologische Vorstellungen von psychischer Krankheit günstig auf die Stigmatisierung auswirken oder nicht. Die zunächst weit verbreitete Hoffnung, biologische Krankheitskonzepte könnten entstigmatisierend wirken, darf als widerlegt gelten [4]. Weit weniger untersucht ist jedoch die Frage, ob auch Behandlungskonzepte zur Entstigmatisierung beitragen können. Ein konstruktiver Umgang mit psychischer Krankheit kann zur Entstigmatisierung beitragen Ob gute, qualitätsgesicherte psychiatrische Behandlung zur Entstigmatisierung von Personen mit psychischen Erkrankungen beitragen kann, zeigt die Übersichtsarbeit von Gaebel und Stricker. Wenn das Stigma psychischer Krankheit als Ausdruck eines dysfunktionalen gesellschaftlichen Umgangs mit psychischer Krankheit angesehen wird, dann ist ein wichtiger Beitrag der Psychiatrie zur Entstigmatisierung tatsächlich die Vermittlung eines leitliniengerechten, wertschätzenden, ermutigenden und damit konstruktiven Umgangs mit psychischer Krankheit. Auch Schlier et al. untersuchten in einer experimentellen Studie, die als Originalarbeit dem Leitthema beigefügt ist, ob medikamenten- oder psychotherapiegestützte Behandlungskonzepte bei Schizophrenie die Stigmatisierung einer betroffenen Person und die Erwartungen hinsichtlich einer Genesung beeinflussen. Die Entstigmatisierung psychischer Krankheit ist eine Aufgabe, die viele Akteure fordert, nicht zuletzt den Einsatz von Menschen mit Krankheitserfahrung [3]. Die Beiträge dieses Themenschwerpunkts zeigen auf, dass die Aufgabe noch nicht gelöst ist und dass auch die Psychiatrie in Wissenschaft und Praxis hier ihren Beitrag leisten kann. Prof. Dr. Georg Schomerus Prof. Dr. Steffi Riedel-Heller
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1.  [Honest, Open, Proud: Concept and Efficacy of a peer-led Program to Provide Support with Disclosure Decisions and Coping with Stigma].

Authors:  Nicolas Rüsch; Nathalie Oexle; Lea Reichhardt; Stephanie Ventling
Journal:  Psychiatr Prax       Date:  2018-12-03

2.  [More Focus on Postdischarge Suicides!]

Authors:  Hermann Spießl
Journal:  Psychiatr Prax       Date:  2019-03-06

3.  [Mental Health Research - "Lost in Translation?"]

Authors:  Jörg M Fegert; Harald Baumeister; Peter Brieger; Jürgen Gallinat; Hans J Grabe; Harald Gündel; Martin Härter; Nathalie Oexle; Elke Prestin; Miriam Rassenhofer; Steffi G Riedel-Heller; Nicolas Rüsch; Ingo Schäfer; Georg Schomerus; Holger Schulz; Andreas Speck; Ingmar Steinhart; Katarina Stengler; Thomas Becker
Journal:  Psychiatr Prax       Date:  2019-03-06

4.  Causal beliefs of the public and social acceptance of persons with mental illness: a comparative analysis of schizophrenia, depression and alcohol dependence.

Authors:  G Schomerus; H Matschinger; M C Angermeyer
Journal:  Psychol Med       Date:  2013-04-11       Impact factor: 7.723

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