| Literature DB >> 32881300 |
Michael P Schön1,2, Carola Berking3, Tilo Biedermann4, Timo Buhl1,2, Luise Erpenbeck1, Kilian Eyerich4,5, Stefanie Eyerich6, Kamran Ghoreschi7, Matthias Goebeler8, Ralf J Ludwig9, Knut Schäkel10, Bastian Schilling8, Christoph Schlapbach11, Georg Stary12, Esther von Stebut13, Kerstin Steinbrink14.
Abstract
Entities:
Year: 2020 PMID: 32881300 PMCID: PMC7461193 DOI: 10.1111/ddg.14169_g
Source DB: PubMed Journal: J Dtsch Dermatol Ges ISSN: 1610-0379 Impact factor: 5.584
Abbildung 1Schematische Darstellung der Immunaktivierung in COVID‐19. SARS‐CoV‐2 greift bevorzugt Pneumozyten, Perizyten und Muskelzellen an. Zahlreiche Mediatoren, zum Beispiel IL‐1, IL‐6 und TNF, werden hauptsächlich über die Interferon‐ und NF‐κB‐Signalwege induziert. Eine ausgewogene Immunantwort führt zur Eliminierung der Viren und zur Heilung (linke Seite). Bei prädisponierten Patienten kann aber auch ein sogenannter Zytokinsturm mit einer unkontrollierten Zunahme proinflammatorischer Mediatoren auftreten. Dies kann zu schweren Organschäden führen (rechte Seite).
Abbildung 2Möglicher Einfluss immunmodulatorischer Therapien auf COVID‐19. Bei COVID‐19‐Patienten, die mit immunmodulierenden Medikamenten behandelt werden, können verschiedene Effekte auftreten. Diese müssen gegeneinander abgewogen werden, da es eine fein abgestimmte Balance zwischen möglichen günstigen und schädlichen Wirkungen gibt. Einige davon sind hier schematisch dargestellt. Beispielsweise könnten Immunmodulatoren die Bildung und Wirkung von Zytokinen, den Eintritt von Viren in Zellen, thromboembolische Ereignisse oder die Lymphozytenfunktionen beeinflussen. Andererseits könnte auch der Verlauf immunvermittelter Krankheiten durch eine Infektion mit SARS‐CoV‐2 verändert werden. Viele Aspekte, wie medikamentöse Therapien das immunologische Gleichgewicht beeinflussen, sind noch nicht bekannt. Dennoch zeichnet sich ab, dass einige spezifische Therapien, wie die Inhibition von IL‐6, die durch COVID‐19 ausgelöste überschießende Immunantwort positiv beeinflussen können. Andererseits könnten Checkpoint‐Inhibitoren synergistisch mit der Immunaktivierung bei COVID‐19 wirken. Weitere Einzelheiten werden im Text erläutert.
Synopse der immunologischen Signalwege und Mechanismen, die potenziell mit einer SARS‐CoV‐2‐Infektion interferieren können. Die Tabelle listet in erster Linie immunologische Mechanismen auf, für die zugelassene Medikamente zur Verfügung stehen
| Modulierbare immunologische Faktoren | Interaktion von COVID‐19 oder SARS‐CoV‐2‐Infektion mit genanntem Signalweg | Ausgewählte zugelassene Medikamente | Potenzielle Beeinflussung der genannten Immunmodulation und SARS‐CoV‐2‐Infektion |
|---|---|---|---|
| TNF | Hochreguliert bei COVID‐19 |
Infliximab Adalimumab Golimumab Etanercept Certolizumab Pegol | Noch keine spezifischen Studien; besserer Verlauf von COVID‐19 bei IBD‐Patienten unter TNF‐Inhibitoren im Vergleich zu Glukokortikoiden |
| IL‐1 | Induziert bei COVID‐19 |
Anakinra (IL‐1RA) Canakinumab (anti‐IL‐1β) Rilonacept | Hemmung bessert schwere COVID‐19‐Symptome |
| IL‐6 | Induziert bei COVID‐19, potenziell prognostischer Parameter |
Tocilizumab (anti‐IL‐6R) | Hemmung bessert schwere COVID‐19‐Symptome |
| IL‐12 | Hochreguliert in einer von zwei Studien; kein Zusammenhang mit COVID‐19‐Schweregrad, keine Änderung während Infektion |
Ustekinumab (anti‐IL‐12/IL‐23p40) | Noch keine klinischen Daten |
| IL‐23 | Möglicherweise hochreguliert, Transkription vermindert in PBMC |
Ustekinumab (anti‐IL‐12/IL‐23p40) Guselkumab (anti‐IL‐23p19) Risankizumab (anti‐IL‐23p19) Tildrakizumab (anti‐IL‐23p19) | Noch keine klinischen Daten |
| IL‐17 | Erhöhte Serumkonzentration bei COVID‐19; keine Assoziation mit Krankheitsschwere |
Secukinumab (anti‐IL‐17A) Ixekizumab (anti‐IL‐17A) Brodalumab (anti‐IL‐17R) | Noch keine klinischen Daten |
| IL‐4/IL‐13 | Keine signifikante Änderung |
Dupilumab (anti‐IL4/IL‐13) Tralokinumab (anti‐IL‐13) Lebrikizumab (anti‐IL‐13) | Keine Daten, die auf ein erhöhtes Risiko von Patienten mit atopischer Dermatitis für/mit SARS‐CoV‐2‐Infektion hinweisen; Blockierung von Typ‐2‐Zytokinen ohne negativen Ausgang bei einzelnen COVID‐19‐Infektionen |
| IL‐5 | Keine signifikante Änderung |
Mepolizumab (anti‐IL‐5) Benralizumab (anti‐IL‐5) Reslizumab (anti‐IL‐5) | Asthmabehandlung durch IL‐5‐Inhibition und Steroideinsparung möglicherweise von Nutzen bei COVID‐19‐Infektionen |
| IL‐31 | Keine signifikante Änderung |
Nemolizumab (anti‐IL‐31RA) | Noch keine klinischen Daten |
| IgE | Keine signifikante Änderung |
Omalizumab (anti‐IgE) Ligelizumab (anti‐IgE) | Noch keine klinischen Daten |
| B‐Zellen/CD20 | Keine Daten berichtet |
Rituximab (anti‐CD20) | Kein negativer Effekt der CD20‐Blockade auf Abheilung von COVID‐19 |
| Checkpoint‐Regulatoren | PD‐1‐Expression möglicherweise erhöht bei COVID‐19 |
Ipilimumab (anti‐CTLA‐4) Nivolumab (anti‐PD‐1) Pembrolizumab (anti‐PD‐1) Avelumab (anti‐PD‐L1) Cemiplimab (anti‐PD‐L1) | Möglicherweise Synergismus von SARS‐CoV‐2‐Infektion und Immuncheckpoint‐Inhibitoren, keine direkten Daten |
| JAK | COVID‐19‐induzierte Zytokin‐Produktion vermittelt durch JAK‐STAT‐Signalweg |
Tofacitinib (anti‐JAK1/3) Baricitinib (anti‐JAK1/2) Upadacitinib (anti‐JAK1/2) | Wahrscheinlich Nutzen von JAK‐Inhibitoren auf COVID‐19‐assoziierte Immunhyperaktivierung |
| PDE4 | Keine Daten berichtet |
Apremilast | Keine klinischen Daten |
| Calcineurin, Cyclophiline |
Cyclosporin Tacrolimus Sirolimus | Erst wenige Daten, möglicherweise von Nutzen bei COVID‐19 | |
| Pleiotrope (breite oder unspezifische) Immunmodulation oder ‐suppression |
Glukokortikosteroide (GC) Methotrexat Azathioprin Mycophenolatmofetil/ Mycophenolsäure Fumarsäureester Dapson Colchicin Malariamittel (4‐Aminochinoline) Immunglobuline |
Keine generelle Kontraindikation; notwendige Therapien fortsetzen, keine evidenzbasierten Daten bei COVID‐19 | |
| Angeborene Immunität, Neutrophilen‐Funktionen | Neutrophilie und (wahrscheinlich) NETose bei COVID‐19 |
DNase I (spaltet freie DNA) | Keine Daten, möglicherweise positiver Effekt auf COVID‐19 |