F Hoffmann1, B W Böttiger2, C Eich3. 1. Campus Innenstadt, Kinderklinik und Kinderpoliklinik im Dr. von Haunerschen Kinderspital, Interdisziplinäre Kinderintensivstation - Kindernotfallmedizin, LMU Klinikum, Lindwurmstr. 4, 80337 München, Deutschland. 2. Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin, Universitätsklinikum Köln (AöR), Köln, Deutschland. 3. Abteilung Anästhesie, Kinderintensiv- und Notfallmedizin, Kinder- und Jugendkrankenhaus AUF DER BULT, Hannover, Deutschland.
Zum Leserbrief von Jenke A, Steinmetz M, Weber K, Muellenbach R (2020) Kinderreanimation während SARS-CoV-2-Pandemie – eine Balance zwischen Eigenschutz und Faktor Zeit. Notfall Rettungsmed. 10.1007/s10049-020-00768-7
Originalbeitrag
Van de Voorde P, Biarent D, Bingham B et al (2020) Basismaßnahmen und erweiterte Maßnahmen zur Wiederbelebung von Kindern. Notfall Rettungsmed 23:251–256. 10.1007/s10049-020-00721-8Sehr geehrte Kollegen,wir bedanken uns für Ihren Leserbrief zu den COVID-19-PLS(Paediatric Life Support)-Leitlinien des European Resuscitation Council (ERC) und Ihre Stellungnahme zum Vorgehen beim kindlichen Atem-Kreislauf-Stillstand während der gegenwärtigen Pandemie [1]. Uns allen ist bewusst, dass wir es hier mit teils schwerwiegenden Entscheidungsdilemmata bei gleichzeitig begrenzter Evidenzlage zu tun haben. Eine kritische Diskussion ist daher sehr begrüßenswert.Wir teilen Ihre Meinung, dass beim kindlichen Atem-Kreislauf-Stillstand nur in seltenen Fällen eine COVID-19-Erkrankung ursächlich sein wird. Die von Ihnen zitierten Daten zur Viruslast und zur vermeintlich niedrigeren Infektiosität von Kindern im Vergleich zu Erwachsenen konnten bislang allerdings nicht durch größere Studien und weitergehende Erfahrungen bestätigt werden. Dabei beobachten wir in diesen dynamischen Zeiten gleichzeitig auch, dass Daten sehr schnell und nicht immer solide begutachtet als Preprint publiziert werden – zum Teil sogar in hochrangigen Journalen.Bei aller epidemiologischen Ungewissheit ist es daher klarer Konsens aller Arbeitsgruppen des ERC und auch des International Liaison Committee on Resuscitation (ILCOR; www.ilcor.org), unbedingt die bestmögliche Balance zwischen einem möglichen Risiko für die Helfer und dem Nutzen für den Patienten zu formulieren – wobei beide Kriterien in der Regel initial nicht vollständig bekannt sind. Deshalb wurden die europäischen Leitlinien [2] auch genau in diesem Sinne formuliert, wohlwissend, dass in Situationen ohne hochgradigen COVID-19-Verdacht in der Praxis auch oft anders gehandelt wird, was selbstverständlich jedem Helfer – nach Abwägung – freisteht. Dabei sind selbstverständlich mindestens die generelle Pandemielage, die lokale Situation, eine mögliche Risikokonstellation beim Helfer und die Wahrscheinlichkeit einer infektiösen Situation beim Kind zu beachten. Diese und weitere Aspekte zu diesem schwierigen Abwägungsprozess werden in Kapitel 7 („Ethik“) der aktuellen COVID-19-Leitlinien des ERC behandelt [3].In unseren Leitlinien wird zudem mehrfach auch ausdrücklich darauf hingewiesen, dass der empfohlene Umfang der persönlichen Schutzausrüstung (PSA) lokal definiert werden soll – auch in Abhängigkeit von den aktuellen Prävalenzen [3]. Nichtsdestotrotz wäre es zum jetzigen Zeitpunkt nicht angemessen und auch nicht gut zu verantworten, ganz grundsätzlich keine PSA zur kardiopulmonalen Reanimation zu empfehlen. Die von Ihnen vorgeschlagene zeitsparende „Basis-PSA“ wird auch in Kapitel 1 unserer Leitlinien („Einführung“) ausdrücklich und in ähnlicher Form als „minimale PSA“ beschrieben [4].Leitlinien haben naturgemäß Empfehlungscharakter. Daher sprechen wir ausdrücklich von „Leitlinien“ und ganz bewusst nicht von „Richtlinien“. Wir haben uns in den Leitlinien darum bemüht, ein aktuelles Höchstmaß an Evidenz und Expertenkonsens zusammenzuführen. Im klinischen Alltag und im individuellen Fall kann und muss selbstverständlich bisweilen, auch das ist an den entsprechenden Stellen so formuliert, ggf. von Leitlinien abgewichen werden – nach jeweils sorgfältiger Abwägung von Risiko und Nutzen. Die damit verbundene, auch ethisch fordernde, Diskussion zu den Anpassungen der notfallmedizinischen Versorgung zu Zeiten der SARS-CoV-2-Pandemie soll und wird weitergehen.Mit freundlichen GrüßenPriv.-Doz. Dr. Florian HoffmannUniv.-Prof. Dr. Bernd W. BöttigerProf. Dr. Christoph Eich
Authors: P Van de Voorde; D Biarent; B Bingham; O Brissaud; N De Lucas; J Djakow; F Hoffmann; T Lauritsen; A M Martinez; N M Turner; I Maconochie; K G Monsieurs Journal: Notf Rett Med Date: 2020-06-10 Impact factor: 0.826
Authors: P Van de Voorde; L Bossaert; S Mentzelopoulos; M T Blom; K Couper; J Djakow; P Druwé; G Lilja; I Lulic; V Raffay; G D Perkins; K G Monsieurs Journal: Notf Rett Med Date: 2020-06-10 Impact factor: 0.826