| Literature DB >> 32659830 |
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Abstract
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Year: 2020 PMID: 32659830 PMCID: PMC7416209 DOI: 10.1055/a-1193-5475
Source DB: PubMed Journal: Z Gastroenterol ISSN: 0044-2771 Impact factor: 2.000
Zentrale Empfehlungen des Addendums (hier die 10 wichtigsten Empfehlungen).
| Nr. | Empfehlung | Zustimmungsgrad |
| 1 | In dieser S2k-Leitlinie besteht insgesamt eine nur schwache Evidenz für die Empfehlungen. Handlungsempfehlungen basieren meist auf persönlichen Erfahrungen und Analogieschlüssen zu anderen Krankheitsbildern. Notwendige Entscheidungen zur Anpassung der Therapie (medikamentös oder operativ) sollten somit immer der aktuellen Datenlage angepasst werden. | starker Konsens (98 %) |
| 1.1 |
Patienten mit einer CED haben generell
| starker Konsens (95 %) |
| 1.2 | Patienten mit einer CED und einer immunsuppressiven Therapie haben ein erhöhtes Risiko für eine SARS-CoV-2-Infektion und sollten deshalb sorgfältig individuelle Schutzmaßnahmen umsetzen. Der Grad der Risikoerhöhung scheint dabei für einzelne Immunsuppressiva unterschiedlich zu sein. | Konsens (86 %) |
| 1.3 | Patienten mit einer CED und einer SARS-CoV-2-Infektion haben unter bestimmten Bedingungen (Komorbiditäten/Risikofaktoren) ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf der COVID-19-Erkrankung. Diese Patienten sollten sorgfältig bezüglich einer raschen Verschlechterung ihrer Erkrankung überwacht werden. | Konsens (93 %) |
| 2.1 | Während der Pandemie sollten Patientenvorstellungen in Einrichtungen des Gesundheitswesens restriktiv erfolgen. CED-Sprechstunden sollten unter Berücksichtigung der Dringlichkeit der Vorstellung und unter Optimierung der Infektionsschutzmaßnahmen wie räumlicher Distanzierung und nach Ausnutzen von Möglichkeiten der Telemedizin fortgeführt werden. | Konsens (86 %) |
| 2.2 | Während der Pandemie sollten sämtliche endoskopischen Untersuchungen unter besonderen Schutzmaßnahmen stattfinden. Das Ausmaß der Schutzmaßnahmen sollte risikoadaptiert erfolgen. | starker Konsens (98 %) |
| 3.1 |
Patienten mit einer CED
| Konsens (84 %) |
| 3.2 | Bei Patienten mit schwerer COVID-19-Erkrankung sollte die Therapie mit Thiopurinen, Methotrexat und Tofacitinib pausiert und nach Überwinden der Infektion wieder aufgenommen werden. | Konsens (94 %) |
| 3.4 | Während der SARS-CoV-2-Pandemie sollte eine Biologikatherapie mit zu erwartendem raschem Wirkeintritt gegenüber einer hochdosierten systemischen Steroidtherapie im akuten Schub bevorzugt eingesetzt werden. | Konsens (85 %) |
| 4.3 | Hospitalisierte Patienten mit einer CED und COVID-19-Erkrankung sollten mindestens eine Thromboseprophylaxe erhalten. Bei ambulanten COVID-19-erkrankten CED-Patienten sollte entsprechend ihres individuellen Risikoprofils und ihrer Begleitmedikation die Entscheidung für eine Thromboseprophylaxe großzügig getroffen werden. | starker Konsens (95 %) |
Einteilung der Konsensstärke.
| Konsens | %-Zustimmung |
| starker Konsens | > 95 |
| Konsens | > 75–95 |
| mehrheitliche Zustimmung | > 50–75 |
| kein Konsens | < 50 |
Abb. 1Krankheitsaktivität bei Patienten mit CED und COVID-19-Erkrankung. Der überwiegende Teil der CED Patienten erkrankt an COVID-19 in einer Phase der Remission. Patienten mit moderater bis schwerer CED-Krankheitsaktivität werden häufiger hospitalisiert 12 .
Abb. 2Symptome von Patienten mit COVID-19. (Daten des ECDC, 2020: „The European Surveillance System (TESSy) 20 . Die Angaben zu den Beeinträchtigungen des Geruchs-/Geschmackssinns stammen aus verschiedenen europäischen Studien 21 . Symptome einer Fallserie von CED-Patienten sind als Punkte dargestellt 11 .
Risiko für SARS-CoV-2-Infektionen bei Patienten mit Psoriasis und Biologikatherapie. Angegeben ist das relative Risiko im Vergleich zur Gesamtpopulation 40 .
| Parameter | Risiko | 95 %-Vertrauensintervall | P-Wert |
| Positiver SARS-CoV-2-Test | 3,43 | 2,25–5,73 | < 0,0001 |
| Quarantäne zu Hause | 9,05 | 5,61–14,61 | < 0,0001 |
| Hospitalisierung | 3,59 | 1,49–8,63 | 0,0044 |
| ITS-Aufnahme | 3,41 | 0,21–54,55 | 0,3861 |
| Tod | 0,41 | 0,003–6,59 | 0,5306 |
Abb. 3Risikoerhöhungen für virale Infektionen bei Patienten mit CED in Abhängigkeit von der medikamentösen Therapie. Modifiziert nach den Empfehlungen der „International Organization for the Study of Inflammatory Bowel Cisease (IOIBD) 54 .
COVID-19-Erkrankungsrisiko medizinischen Personals im Vergleich zu Berufstätigen sowie der Gesamtbevölkerung.
| Personenzahl | gemeldete Infektionen | relativer Anteil [%] | |
| med. Personal | 5 700 000 | 15 495 | 0,27 |
| Berufstätige | 45 130 000 |
107 000
| 0,23 |
| Gesamtbevölkerung | 83 020 000 | 159 119 | 0,19 |
bezogen auf einen 92 %igen Anteil von Berufstätigen.
Risikostratifizierung modifiziert nach den Empfehlungen der ESGE 87 .
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| keine Symptome kein wissentlicher Kontakt zu COVID-19-Patienten innerhalb der letzten 14 Tage keine Reisen in Gebiete/Regionen mit sehr hohen Raten an COVID-19-Neuerkrankungen innerhalb der letzten 14 Tage |
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| Vorliegen von Symptomen, aber kein wissentlicher Kontakt mit COVID-19-Patienten keine Reisen in Hochrisikogebiete innerhalb der letzten 14 Tage Kontakt mit COVID-19-Patienten Aufenthalt in Regionen oder Umfeld mit hoher Infektionsrate innerhalb der letzten 14 Tage Kontakt mit COVID-19-Patienten Aufenthalt in Regionen oder Umfeld mit hoher Infektionsrate innerhalb der letzten 14 Tage |
Risikoabhängige Schutzausrüstung in der Endoskopie 87 .
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| Mund-Nasen-Schutz |
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Abb. 4Schwere COVID-19-Erkrankungsverläufe bei CED-Patienten unter verschiedenen Therapeutika (Secure-IBD-Register der IOIBD, letzte Abfrage: 26.05.2020). Dargestellt ist der prozentuale Anteil der Patienten, die verstorben sind bzw. den kombinierten Endpunkt (Aufenthalt auf einer ITS-Station/Beatmungspflicht/Tod) erlitten haben, in Abhängigkeit von der medikamentösen Behandlung. Insgesamt gingen in die Auswertung die Daten von 1302 Patienten ein; dabei ergibt die Summe der zu den einzelnen Medikamenten aufgelisteten Patienten einen höheren Wert, da auch Kombinationstherapien durchgeführt wurden. Auffällig ist die hohe Sterblichkeitsrate bei Patienten, die mit Steroiden (oral/parenteral) behandelt wurden (rotes Rechteck), im Vergleich zu günstigen Verläufen bei Patienten, die mit TNF-Antikörpern bzw. IL12 / IL23-Antikörpern behandelt wurden. Die Gruppe der Patienten, die einen JAK-Inhibitor erhielten, ist mit n = 18 zu klein, um belastbare Aussagen zum Verlauf abzuleiten.