Literature DB >> 32340048

[COVID-19 Pandemic: Stress Experience of Healthcare Workers - A Short Current Review].

Jens Bohlken1, Friederike Schömig2, Matthias R Lemke3, Matthias Pumberger2, Steffi G Riedel-Heller1.   

Abstract

AIM: Review of studies on the psychological stress of healthcare workers caused by the COVID-19 pandemic.
METHODS: A literature search of PubMed was performed using the terms "COVID-19", "stress", "mental health", "healthcare worker", "staff", "psychiatry". Quantitative studies (including letters to the editor) published from January to March 2020 were included.
RESULTS: 14 studies on healthcare workers in departments of infectiology, internal medicine, and fever wards including intensive care wards as well as surgery and psychiatry, were included. The Patient Health Questionnaire 9 (PHQ9), Self-rating-Anxiety Scale (SAS) and Impact of Event Scale (IES-R) were the most often used test instruments. The sample size ranged between 37 and 1257 participants consisting of mostly nursing and medical personnel. The fraction of COVID-19-associated activities varied from 7.5 % to 100 %. An extensive strain was reported due to stress experience as well as depression and anxiety symptoms. Severe degrees of those symptoms were found in 2.2 % to 14.5 % of all participants. The severity of mental symptoms was influenced by age, gender, occupation, specialization, type of activities performed and proximity to COVID-19 patients. As mediator variables selection of personnel, preventive interventions, resilience, and social support were reported.
CONCLUSION: Considering the frequency of mental symptoms occurring in healthcare workers, accompanying mental health informed interventions to facilitate coping are necessary. Further research in this field is needed. © Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York.

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Mesh:

Year:  2020        PMID: 32340048      PMCID: PMC7295275          DOI: 10.1055/a-1159-5551

Source DB:  PubMed          Journal:  Psychiatr Prax        ISSN: 0303-4259


Einleitung

Die aktuelle COVID-19-Pandemie belastet seit Ende Dezember 2019 weltweit Gesellschaften unterschiedlichster Art. Die betroffene Bevölkerung leidet direkt unter hohen Infektionszahlen, die mit einer erhöhten Sterblichkeit verbunden sind. Zudem sind die Maßnahmen des Infektionsschutzes wie die sozialen Einschränkungen mit indirekten Gesundheitsfolgen als auch mit erheblichen psychischen Belastungen insbesondere mit Angst und Depression verbunden 1 . Verschiedene aktuelle Kommentare haben auf die Belastung der seelischen Gesundheit in der Bevölkerung hingewiesen 2 . Dabei gewinnt die psychische Gesundheit des medizinischen Personals 3 und die problematische Versorgung in psychiatrischen Kliniken und in gerontopsychiatrischen Einrichtungen 4 eine besondere Bedeutung. Nicht nur im asiatischen, sondern auch im europäischen Raum wurden diese Erfordernisse dargestellt 5 6 . Die medizinische Versorgung der Bevölkerung ist bedroht, weil die Mitarbeiter des Gesundheitssystems besonderen Belastungen ausgesetzt sind. Für sie besteht u. a. ein erhöhtes Ansteckungs- und Krankheitsrisiko sowie eine erhöhte Sterblichkeit. Drei Reviews mit unterschiedlichen Schwerpunkten fassen die Ergebnisse zu den mentalen Belastungen durch Pandemien und den Erfordernissen des Umgangs mit diesen Herausforderungen zusammen 7 8 9 . Mit Bezug auf die COVID-19-Pandemie schildert Brooks et al. 2020 Studien zu den psychischen Folgen von Quarantänemaßnahmen aus den Jahren 2003–2018, oft bei Infektionen wie z. B. SARS oder Ebola 10 . Darunter waren auch Studien, die sich mit den Folgen für das medizinische Personal befassten 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 . Es verwundert deshalb nicht, dass das Thema der psychischen Belastung des medizinischen Personals im Rahmen der aktuellen COVID-19-Pandemie aufgegriffen wurde. Erstaunlich sind der Umfang und die Geschwindigkeit, mit der über empirische Ergebnisse bereits jetzt knapp vier Monate nach dem Ausbruch im Dezember 2019 berichtet wurde. Die Studien weisen unterschiedliche Qualität auf. Ein großer Teil wurde nur in der kurzen Form eines „Letter to the editor“ verfasst. Angesichts der drängenden Aktualität soll im Rahmen dieser Arbeit über die Fragestellungen, die Stichproben, die Methoden und die wesentlichen Ergebnisse dieser Studien berichtet werden. Fragestellung und Ziel dieses narrativen Reviews ist es daher, die verschiedenen Themen zur psychischen Belastung des medizinischen Personals im Rahmen der COVID-19-Pandemie darzustellen und die Ergebnisse der aktuellen Studien aus dem Vier-Monats-Zeitraum (15.12.2019–12.4.2020) zu berichten.

Methoden

Es erfolgte zum 12.4.2020 eine PubMed-gestützte Suche mit den Stichworten „COVID 19“, „stress“, „mental health“, „health care worker“, „staff“, „psychiatry“. Eingeschlossen wurden Studien (inkl. „Letter to the editor“) zur Belastung medizinischen Personals im Zeitraum Januar bis März 2020. Berücksichtigt wurden nur quantitative Studien. Einzelfalldarstellungen oder Studien mit einer Fallzahl von unter n = 20 wurden ausgeschlossen. Ergänzt wurde ab dem 1.4.2020 die Suche durch tagesaktuelle Beachtung ausgewählter landesspezifischer Fachzeitschriften. Dazu zählten Der Nervenarzt, British Journal of Psychiatry, American Journal of Psychiatry, Psychiatry Research und Acta psychiatrica scandinavia . Die letzte Kontrolle erfolgte am 12.4.2020.

Ergebnisse

Es wurden insgesamt 14 Studien 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 in die Darstellung aufgenommen. Eine Übersicht zu den Studien in alphabetischer Reihenfolge des Erstautors gibt . Aufgeführt werden Ziel der Untersuchung, Angaben zur Studienpopulation, verwendete Untersuchungsverfahren, Hauptergebnisse und Schlussfolgerungen.

Studien zur psychischen Gesundheit und zum Belastungserleben von medizinischem Personal während der Covid-19-Pandemie im Frühjahr 2020.

Autor Studie Region/Zeitraum Studienziel Stichprobe COVID-19-Exp % R % Messinstrumente/besondere Befragungsart Studiengröße Hauptergebnisse Schlussfolgerung der Autoren
Cao et al. 2020 21 1 2 Peking, China ab 20.1.2020psychische Gesundheit und Burnout bei einer besonderen Stichprobe N = 37 Klinikpersonal: davon 16 Ärzte,19 Pflege, 2 Techniker (Notfallmedizin, eingerichtete „Fever Clinic“ 2 ) 100100PHQ-9, MBI Interview (qualitativ) und schriftliche Fragebögen hohe Stressbelastung des Personals, 18,9 % mittelschwere und schwere depressive Symptomatik (PHQ-9 ≥ 10 Punkte)geringe Burnout-Symptomatik bei umfangreicher Unterstützung durch Monitoring und psychologische Interventionenkontinuierliche Begleitung mit unterstützenden Maßnahmen ist unverzichtbar
Chung et al. 2020 22 1 Hongkong14.–20.2.2020psychische GesundheitN = 64 Klinikpersonal:PflegeVerwaltungÄrzte< 1PHQ-9, Selbsteinschätzungsfragen mit Freitextantworten und der Möglichkeit, Hilfe anzufordern Onlinebefragung 14,5 % schwere depressive Symptomatik (PHQ-9: 14,5 % > 14 Punkte)Vorschlag von Interventionsprinzipien u. a. Schulung, Rotation, psychologische Krisenintervention
Huang et al. 2020 23 3 China7.–14.2.2020psychische Gesundheit von frontline-PersonalN = 230 Klinikpersonal:ÄrztePflegepersonal10093,5SAS, PTSD-SS23 % Angstsymptomatik (schwer 2,2 %, mittelgradig 4,8 % leicht 16,1 %)27,4 % posttraumatische BelastungsstörungenPflegepersonal stärker als ärztliches Personal belastet, Frauen stärker als Männergezielte Unterstützung und Schulung besonders bei weiblichen Pflegepersonen
Kang et al. 2020 24 Wuhan, China29.1.–4.2.2020psychische Gesundheit und HilfebedarfN = 994 Klinikpersonal:Ärzte 18 %Pflege 82 %31,1 % in Hochrisiko-BereichenPHQ-9, GAD-7, ISI, IES-R Onlinebefragung psychische Störungen (4 Cluster): unterschwellig 36 %, leicht 34,4 %, mittelgradig 22,4 %, schwer 6,2 %, junge Frauen waren besonders betroffenkomplexe HilfebedarfsmusterNotwendigkeit einer besseren Krisenvorbereitung durch Planung und Bereitstellung entsprechender Hilfen
Lai et al. 2020 25 Wuhan und Umgebung, China29.1.–3.2.2020psychische Gesundheit und assoziierte RisikenN = 1257 Klinikpersonal:Ärzte 39,2 %Pflege 60,8 %41,568,7PHQ-9, GAD-7, ISI, IES-RDepressivität: leicht 35,6 %, mittelgradig 8,6 %, schwer 6,2 %Angst: leicht 32,2 %, mittelgradig 7,0 %, schwer 5,3 %Insomnie: unterschwellige 26,2 %, mittelgradig 6,8 % und schwer 1,0 %Belastung IES-R: leicht 36,5 %, mittelgradig 24,5 %, schwer 16,5 %Pflegekräfte, Frauen und Exponierte zeigten stärkere Symptome als andere Gruppenerhebliche psychische Belastung insbesondere bei weiblichem Pflegepersonal und Exponierten, sofortige Einrichtung von Hilfen für Risikogruppen
Li et al. 2020 26 Wuhan und Umgebung, China17.–21.2.2020Traumatisierung von frontline- und non-frontline-Pflegepersonal und der AllgemeinbevölkerungN = 234 frontline-Pflege, N = 292 non-frontline-Pflege, N = 214 Allgemeinbevölkerung 32,6VT Onlinebefragung Traumatisierung für frontline-Pflege war geringer, als für solche Pflegende, die nicht frontline arbeiteten. Traumatisierung in der Bevölkerung höher als bei frontline-Pflege und vergleichbar zu nicht frontline-Tätigenpsychologische Probleme Pflegepersonen, die nicht in der ersten Reihe arbeiten und auch der Bevölkerung bedürfen Aufmerksamkeit
Liang et al. 2020 27 1 Provinz Guang-dong, China3.–21.2.2020Angst und DepressionN = 80 Klinikpersonal:Ärzte 23Pflege 36sonstige 21 47,5SDS, SASkein Unterschied in depressiver Symptomatik und Angst zwischen Personal, dass auf COVID-Abteilungen arbeitet und solchem Personal, das nicht auf COVID-Abteilungen arbeitetUnterstützungsmaßnahmen waren implementiertauch Pflegepersonal von Abteilungen, die keine COVID-19-Patienten betreuen, ist betroffenUnterstützungsmaßnahmen sind geboten
Lu et al. 2020 28 Fujian, China25.–26.2.2020Untersuchung des psychischen BefundsN = 2299 Klinikpersonal:medizinisches Personal 89,5 %Verwaltungspersonal 10,6 % 10,494,9 NRS, HAMA 4 , HAMD 4 Onlinebefragung im Vergleich zu Verwaltungspersonal weist das medizinische Personal höhere Furcht-, Angst-, Depressionswerte aufmedizinisches Personal:Furcht: mittelgradig und schwer 70,6 %Angst: leicht und mittelgradig 22,6 %, schwer 2,9 %Depressivität: leicht und mittelgradig 11,8 %, schwer 0,3 %effektive Hilfestrategien für medizinisches Personal sind erforderlich
Mo et al. 2020 29 Wuhan, China21.2.2020Arbeitsbelastung von PflegepersonalN = 180 Klinikpersonal:Pflege10085,7SOS, SAS Onlinebefragung hohe Stressbelastung, Determinanten: Einzelkind, Wochenarbeitszeit, AngstSchaffung von Schulungskapazitäten, Aktivierung von sozialer Unterstützung, Zeitmanagement
Shi et al. 2020 30 Anhui, Wuxi, China1.–15.2.2020Einstellung und Wissen zu Covid-19 bei psychiatrisch TätigenN = 311 Klinikpersonal:Psychiater 45 %Pflege 55 %  7,5Fragebogen zu Wissen und Einstellungen Onlinebefragung umfangreiches Wissen: 89,5 %Schulung im Krankenhaus 64,6 %Bereitschaft zu Behandlung von Covid-19-Patienten; 77,2 %. Determinanten der Bereitschaft: Schulung und Erfahrung mit COVID-19-PatientenSchulungsprogramme zur Vorbereitung auf den Einsatz sind notwendig
Tan et al. 2020 31 1 Singapur19.2.–13.3.2020psychische Gesundheit bei medizinischem und nicht medizinischem KlinikpersonalN = 470 Klinikpersonal:63 % medizinisches Personal, 37 % nicht medizinisches Personal 6394DASS-21, IES-Rmedizinisches vs. nicht medizinisches Personal:Depression: 8,1 % vs. 10,3 %Angst: 10,8 % vs. 20,7 %Stress: 6,4 % vs. 6,9 %PTSD 5,7 % vs. 10,9 %nicht medizinisches Klinikpersonal stellt eine Risikogruppe dar und verdient besondere Beachtung
Wu et al. 2020 32 Wuhan, China13.–17.3.2020Vergleich von Burnout bei frontline-Personal und Personal auf NormalstationenN = 190 Klinikpersonal:50 %frontline50 % Normalstation45 % Ärzte55 % Pflege 5086MBIBurnout: 13 % bei frontline-Personal, 39 % auf NormalstationenPflegende mit und aber auch ohne COVID-19-Exposition haben Unterstützungsbedarf
Xiao et al. 2020 33 China, Febr./März 2020Zusammenhänge von sozialer Unterstützung, Schlaf, Selbstwirksamkeit, Angst und StresserlebenN = 180 Klinikpersonal aus verschiedenen Regionen45,6 % Ärzte54,4 % Pflege10081,8SAS, GSES, SASR, PSQI, SSRShöhere soziale Unterstützung ist mit höherer Selbstwirksamkeit sowie besserer Schlafqualität sowie weniger Stresserleben und Angst assoziiert; höhere Angst und erhöhtes Stresserleben beeinflussen die Selbstwirksamkeit und den Schlaf negativStrategien zur Verbesserung der sozialen Unterstützung sind erforderlich
Xu et al. 2020 34 1 ShanghaiFebr./März 2020Angst und Depression während des Beginns der Epidemie (28.1–28.2.) und danach (2.3.–20.3.)N = 120 Krankenhauspersonal der Chirurgie60 zu Beginn der Epidemie, 60 im Verlauf100SF-36, nicht näher bezeichnete Angstskala, Depressionskala, Albtraumskalahöhere Angst- und Depressionswerte während des Beginns der Epidemiechirurgisches Personal ist besonders zu Beginn der Epidemie betroffen

COVID-19-Exp: Expositionsrate, R: Responserate, DASS-21: Depression Anxiety and Stress Scale, GAD-7: Generalizied Anxiety Disorder Scale-7, GSES: General Self -Efficacy-Scale, ISI: Insomnia Severity Index, IES-R: Impact of Event Scale, MBI: Maslach Burnout Inventory, PHQ-9: Patient Health Questionnaire-9; PSQI: Pitsburgh Sleep Quality Scale, SAS: Self-Rating Anxiety Scale, PTSD-SS: Post-Traumatic Stress Disorder Self-rating Scale, SAS: Zung’s self-rating anxiety scale, SARS: Stanford Acute Stress Reaction, SSRS: Social Support Rate Scale, SDS: Zung’s self-rating depression scale, SOS: Stress overload Scale, HAMA: Hamilton Anxiety Scale, HAMD: Hamilton Depression Scale, NRS: Numeric rating scale, SF-36: Gesundheitsfragebogen zur Erfassung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität, VT: Vicariuos Trauma Scale

Letter to the Editor

Personalanforderungen: hohe Stressresistenz und Anpassungsfähigkeit/gezielte Rekrutierung

nur als Zusammenfassung in englisch verfügbar

Erhebung erfolgte vermutlich in Form einer Selbstbeurteilung

COVID-19-Exp: Expositionsrate, R: Responserate, DASS-21: Depression Anxiety and Stress Scale, GAD-7: Generalizied Anxiety Disorder Scale-7, GSES: General Self -Efficacy-Scale, ISI: Insomnia Severity Index, IES-R: Impact of Event Scale, MBI: Maslach Burnout Inventory, PHQ-9: Patient Health Questionnaire-9; PSQI: Pitsburgh Sleep Quality Scale, SAS: Self-Rating Anxiety Scale, PTSD-SS: Post-Traumatic Stress Disorder Self-rating Scale, SAS: Zung’s self-rating anxiety scale, SARS: Stanford Acute Stress Reaction, SSRS: Social Support Rate Scale, SDS: Zung’s self-rating depression scale, SOS: Stress overload Scale, HAMA: Hamilton Anxiety Scale, HAMD: Hamilton Depression Scale, NRS: Numeric rating scale, SF-36: Gesundheitsfragebogen zur Erfassung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität, VT: Vicariuos Trauma Scale Letter to the Editor Personalanforderungen: hohe Stressresistenz und Anpassungsfähigkeit/gezielte Rekrutierung nur als Zusammenfassung in englisch verfügbar Erhebung erfolgte vermutlich in Form einer Selbstbeurteilung

Unterschiedliche Fragestellungen

Der überwiegende Teil der Studien diente der Erfassung der mit der Belastung durch die COVID-19-Pandemie einhergehenden psychischen Störungen. Dabei wurde Personal in unterschiedlichen medizinischen Einrichtungen untersucht. Dazu zählten in der Regel Abteilungen für Infektionen und Abteilungen für Fieberkranke, Abteilungen der Inneren Medizin inklusive Notfall- und Intensivstationen, aber auch Abteilungen für Chirurgie 34 und Psychiatrie 30 . Eine Studie untersuchte die Belastungen in einem Vergleich zwischen medizinischem Personal und der Bevölkerung 26 . Andere waren aufgrund des komplexeren Studiendesigns in der Lage, Risikoanalysen 24 25 durchzuführen und Hypothesen zu testen 33 .

Stichprobengrößen, Response- und Expositionsraten

Stichprobengrößen bestanden aus mindestens 37 21 und maximal 2299 Personen 28 . Der weit überwiegende Anteil bestand aus Pflegepersonal und Ärzten, aber auch aus Personal aus medizinfernen Bereichen wie z. B. technischer Dienst oder Verwaltung. Die Responseraten der Befragungen schwankten zwischen unter 1 % 22 und 100 % 21 . Die Expositionsraten, also der Anteil des Klinikpersonals, das in der Nähe von oder im direkten Kontakt mit Patienten mit gesicherter oder möglicher COVID-19-Diagnose arbeitete, schwankte zwischen 7,5 % 30 und 100 % (z. B. 21 23 ).

Untersuchungsmethoden

Die wesentlichen psychischen Folgen – Stressreaktion, Angst und Depression – wurden durch folgende standardisierte Selbstbeurteilungs-Fragbogenverfahren erhoben. Zur Erfassung der allgemeinen Stressbelastung fanden folgende aus der Stressforschung bekannten Skalen Anwendung: die Impact of Event Scale (IES-R), die Post-Traumatic Stress Disorder Self-rating Scale (PTSD-SS), die Stanford Acute Stress Reaction Scale (SASR) sowie die VT Vicariuos Trauma Scale (VT). Zur Erfassung der Angstsymptomatik gab es folgende Skalen: Generalized Anxiety Disorder GAD-7, Hamilton Anxiety Scale (HAMA), Self-rating-Anxiety Scale (SAS) sowie Self rating Fear Scale (NRS). Die depressive Symptomatik wurde durch folgende Verfahren erfasst: Patient Health Questionnaire-9 (PHQ-9) und Hamilton Depression Scale (HAMD). Bei Schlafstörungen erfolgte die Erhebung mit der Pittsburgh Sleep Quality Scale (PSQI) oder dem Insomnia Severity Index (ISI). Zusätzlich kam das Burnout Inventory (MBI) zum Einsatz. Schließlich erfolgte die Erfassung der Resilienz mit der General-Self-Efficacy-Scale (GSES) und zur Beurteilung der sozialen Unterstützung wurde die Social-Support-Rating-Scale (SSRS) eingesetzt. Am häufigsten wurden der Patient Health Questionnaire-9 (PHQ-9) (vgl. 21 22 24 25 ), die Self-rating-Anxiety Scale (SAS) (vgl. 23 27 29 33 ) und die Impact of Event Scale (IES-R) (vgl. 24 25 31 ) verwendet. Zudem erfolgten teilweise sehr komplexe Erhebungen soziodemografischer Merkmale, die neben Alter, Geschlecht und Berufserfahrung auch detailliert die privaten sozialen und finanziellen Verhältnisse erfassten. Darüber hinaus kamen zum Teil weitere studienspezifische Items oder Fragebögen für die jeweilige Fragestellung zum Einsatz. Erwähnenswert ist, dass in keiner Studie durch die Untersucher ein vollständiger oder strukturierter psychischer Befund erhoben wurde.

Ausprägungsgrade der psychischen Symptomatik

In sind die Belastungen durch Stresserleben, depressive und ängstliche Symptome dargestellt. Betrachtet man nur die am ehesten einer dringenden Intervention oder Behandlung erforderlichen schweren Ausprägungsgrade, dann kann hier von einer Rate von 2,2–14,5 % ausgegangen werden 22 23 24 25 . Darüber hinaus ergeben sich in allen Studien bei mehr als einem Drittel des Klinikpersonals Hinweise auf ein leichtes bis moderates Belastungserleben 22 23 24 25 . Anders als erwartet, ist offensichtlich auch das Personal betroffen, das nicht unmittelbar mit COVID-19-Erkrankten arbeitet 26 27 .

Risikofaktoren

Die Ausprägung der psychischen Symptomatik wurde beeinflusst durch Alter, Geschlecht, Fachrichtung, Motivation, Selbstwahrnehmung und vor allem Art der Tätigkeit und Nähe zu COVID-19-Patienten (siehe insbesondere 24 25 ). Als Mediatorvariablen können die Art der Personalrekrutierung, z. B. nach Kriterien der Belastungsfähigkeit und Vorbildung 21 , und die angebotenen Interventionen angesehen werden 22 24 30 . Bei der Betrachtung der Risikofaktoren ist es von besonderer Bedeutung, auch den Zeitverlauf der Belastung zu berücksichtigen. Nur eine Studie hat diesen Aspekt der Messung des zeitlichen Verlaufs berücksichtigt und dabei den dynamischen Charakter des Belastungserlebens betont 34 .

Hinweise auf Interventionen

Es gibt einige Hinweise auf vorbereitende, kompensierende oder therapeutische Interventionen, die in den untersuchten Kliniken vorgehalten wurden (vgl. 22 24 30 ). Dazu zählen mediale Vorbereitung 22 23 , schriftliche Informationen 22 23 , spezielle Rekrutierung von Personal 21 für schwierige Aufgaben, gezielte Unterstützung von Stationen mit besonderer Arbeitsbelastung und auch individuelle therapeutische Begleitung.

Diskussion

In diesem kurzen Review wird über 14 Studien berichtet, die die psychische Belastung von Klinikpersonal innerhalb der ersten Monate nach Ausbruch der Pandemie untersuchten. Das Klinikpersonal war in verschiedensten klinischen Abteilungen beschäftigt. Zu den am häufigsten verwendeten Selbstbeurteilungsverfahren gehörten die Impact of Event Scale (IES-R), der Health Questionnaire-9 (PHQ-9), der Generalized Anxiety Disorder (GAD-7). Die Stichprobengröße schwankte zwischen 37 und 2299 Personen, die meisten davon gehörten zum Pflegepersonal und zu Ärzten. Der Anteil an COVID-19-nahen Tätigkeiten schwankte zwischen 7,5 % und 100 %. Es wurde eine erhebliche Belastung durch Stresserleben, depressive und ängstliche Symptome berichtet. Schwere Ausprägungsgrade fanden sich bei 2,2–14,5 % der Befragten. Die Ausprägung der psychischen Symptomatik bei Klinikpersonal wurde durch Alter, Geschlecht, Fachrichtung, Art der Tätigkeit und Nähe zu COVID-19-Patienten beeinflusst. Als Mediatorvariablen können die Art der Personalauswahl und die angebotenen Interventionen angesehen werden. Zahlreiche, der in diesen Studien untersuchten Themen lassen sich auf deutsche Verhältnisse übertragen. Dazu gehören die Fragestellungen, die verwendeten Untersuchungsinstrumente, die in der Regel auch in validierten deutschen Versionen vorliegen. Interessant wird sein, in welchem Umfang die Belastung von Klinikpersonal in Deutschland mit derjenigen in Asien vergleichbar ist. Auffallend in den asiatischen Studien ist die hohe Beteiligungsrate. Vermutlich ist die sehr hohe Bereitschaft des chinesischen Klinikpersonals, an umfangreichen Befragungsstudien teilzunehmen, in Deutschland weniger ausgeprägt. Zudem ist die Erkrankungswelle in Deutschland nicht mit der gleichen Wucht eingetroffen wie in anderen europäischen Ländern. Obgleich nur eine Studie den dynamischen Charakter des Belastungserlebens betont, erscheint dieser extrem relevant 34 . Möglicherweise wird die vom deutschen Klinikpersonal erlebte Belastung geringer ausfallen und die Zuversicht, die Versorgungsprobleme zu bewältigen, könnte größer sein. Es kann aber auch das Gegenteil der Fall sein. Die Belastung des Personals könnte in Deutschland deshalb besonders hoch sein, weil bisher niemand wirklich Erfahrung mit einer solchen Situation hatte und sich auch die Führungskräfte erst an medizinischen und amtlichen Vorgaben orientieren mussten. Darüber hinaus sollte bei deutschen Studien die doppelte Belastung der Mitarbeitenden, nicht nur im professionellen, sondern auch im privaten Bereich (Shutdown, Kontakteinschränkungen, Kinderbetreuung etc.) Berücksichtigung finden. Schließlich sollten diejenigen Personen berücksichtigt werden, die im Bereich der Technik und der Verwaltung für die Bestandserhaltung eines Krankenhausbetriebs oder der kassenärztlichen Verwaltung für den Bestand des medizinischen Versorgungssystems wesentlich sind. Besonders erstaunlich ist, dass international das medizinische Personal im ambulanten Versorgungssektor bei der Belastungsforschung keine nennenswerte Berücksichtigung findet. Gerade in Deutschland stellt der ambulante Versorgungssektor durch niedergelassene Haus- und Fachärzte eine wichtige Säule des Gesundheitssystems dar und sollte unbedingt in diese Studien einbezogen werden. Durch den Vorlauf in China und die kanadischen Erfahrungen während der SARS-Epidemie 2003/2004 14 15 19 20 , besteht in Deutschland und auch anderen europäischen Ländern die Möglichkeit, zeitnah Forschungsvorhaben auf den Weg zu bringen. Besonders interessant erscheinen auch Studien, die sich mit Interventionsstrategien für das Pflegepersonal untersuchen. Verdienstvoll sind die deutschen Veröffentlichungen von Petzold und Kollegen zu beurteilen, die sowohl eine breitere medizinische 35 als auch die engere fachärztliche Öffentlichkeit 6 über die besonderen psychischen Belastungen der COVID-19-Pandemie, insbesondere auch des medizinischen Personals informiert haben.
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Review 1.  Comprehensive systematic review of healthcare workers' perceptions of risk and use of coping strategies towards emerging respiratory infectious diseases.

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Review 2.  Narrative synthesis of psychological and coping responses towards emerging infectious disease outbreaks in the general population: practical considerations for the COVID-19 pandemic.

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6.  Immediate Psychological Responses and Associated Factors during the Initial Stage of the 2019 Coronavirus Disease (COVID-19) Epidemic among the General Population in China.

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Review 7.  [Dealing with psychological distress by healthcare professionals during the COVID-19 pandemia].

Authors:  Moritz Bruno Petzold; Jens Plag; Andreas Ströhle
Journal:  Nervenarzt       Date:  2020-05       Impact factor: 1.214

8.  Canada and COVID-19: learning from SARS.

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Journal:  Lancet       Date:  2020-03-21       Impact factor: 79.321

9.  A Comparison of Burnout Frequency Among Oncology Physicians and Nurses Working on the Frontline and Usual Wards During the COVID-19 Epidemic in Wuhan, China.

Authors:  Yuan Wu; Jun Wang; Chenggang Luo; Sheng Hu; Xi Lin; Aimee E Anderson; Eduardo Bruera; Xiaoxin Yang; Shaozhong Wei; Yu Qian
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