Literature DB >> 32226155

[Hemorrhagic skin lesions associated with infections].

R Elling1,2, M Hufnagel1, P Henneke1,2.   

Abstract

A broad spectrum of bacterial, viral, and parasitic infections is associated with hemorrhagic skin lesions, typically petechiae. The most prominent underlying entity is fulminant bacterial sepsis, which requires urgent and intensive treatment. In most cases, however, a self-limiting viral disease is the underlying cause. Thus, the pediatrician frequently encounters a diagnostic dilemma between timely diagnosis of sepsis and unnecessary invasive diagnostics. This article reviews the broad differential diagnosis and pathophysiology of infection-associated hemorrhagic skin lesions and proposes a diagnostic algorithm for the combination of fever and petechiae. © Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2012.

Entities:  

Keywords:  Meningitis; Neisseria meningitidis; Petechiae; Purpura; Sepsis

Year:  2012        PMID: 32226155      PMCID: PMC7095866          DOI: 10.1007/s00112-012-2633-5

Source DB:  PubMed          Journal:  Monatsschr Kinderheilkd        ISSN: 0026-9298            Impact factor:   0.323


Die Kombination von Fieber und hämorrhagischen Effloreszenzen, in der Regel Petechien, ist für jeden Kinderarzt alarmierend, da sie hinweisend auf eine fulminante bakterielle Sepsis sein kann. Meist liegt dieser Symptomkombination jedoch eine selbstlimitierende virale Infektion zugrunde. Entsprechend groß ist das Dilemma zwischen den möglicherweise fatalen Konsequenzen einer verzögerten Diagnosestellung auf der einen und unnötiger invasiver Diagnostik auf der anderen Seite. Im vorliegenden Beitrag werden ein Überblick über die Pathogenese und die Ursachen verschiedener infektionsassoziierter Hautblutungen im Kindesalter gegeben und ein differenzialdiagnostischer Algorithmus zur Diagnosefindung vorgeschlagen.

Einführung – Terminologie

Hämorrhagische Effloreszenzen werden in Petechien, Purpura, Ekchymosen, Sugillationen und Hämatome unterteilt. Verbindendes Merkmal dieser Effloreszenzen ist die Extravasation von Erythrozyten, die klinisch durch das fehlende Abblassen auf Druck mit einem Glasspatel überprüft werden kann.

Petechien und Purpura

Petechien sind kleine flohstichartige Hautblutungen. Der Begriff Purpura wird im deutschen Sprachgebrauch für das generalisierte, exanthemartige Auftreten von Haut- und Schleimhautblutungen verwendet. Im Unterschied dazu werden in der englischen Literatur mit „petechiae“ in der Regel kleine (1 mm), mit „purpura“ dagegen größere Hautblutungen (ab 2 oder 3 mm Durchmesser) bezeichnet.

Ekchymosen

Mit diesem Begriff werden größere, fleckförmige Blutungen bezeichnet.

Sugillationen

Von ihnen spricht man bei flächenhaften, konfluierenden Haut- oder Schleimhautblutungen. Hämorrhagische Effloreszenzen vaskulitischer Genese können ein buntes klinisches Bild bieten. Sie präsentieren sich meist in Form einer palpablen Purpura, können aber auch als hämorrhagische Vesikel oder Urtikaria auftreten.

Pathophysiologie und Differenzialdiagnostik infektionsassoziierter Hautblutungen

Unabhängig von ihrer Genese sind für die Entstehung von Haut- und Schleimhautblutungen 3 wesentliche Pathomechanismen verantwortlich: Störungen der plasmatischen Gerinnung (Koagulopathien), numerische oder funktionelle Veränderungen der Thrombozyten (Thrombozytopenien und -pathien) oder Erkrankungen der Gefäße (Vasopathien). Klinisch manifestieren sich Störungen im plasmatischen Gerinnungssystem meist als Ekchymosen oder Sugillationen. Erkrankungen des thrombozytären Systems werden hingegen als Petechien, Schleimhautblutungen (englisch: „wet purpura“) oder seltener als ZNS-Blutungen (ZNS: Zentralnervensystem) manifest. Für Vasopathien ist die palpable Purpura ein typisches Symptom [13]. Pathologische Veränderungen von Gerinnungsfaktoren, Thrombozyten und Gefäßen können im Rahmen von Infektionen isoliert und in Kombination auftreten. Ein Beispiel für eine isolierte Störung der Thrombozytenbildung ist die konnatale CMV-Infektion (CMV: Zytomegalievirus; [1]). Ein typisches Beispiel für eine Beteiligung aller 3 Systeme (plasmatische Gerinnung, Thrombozyten, Gefäßsystem) ist die disseminierte intravasale Gerinnung [Verbrauchskoagulopathie, DIC („disseminated intravascular coagulation“)].

Disseminierte intravasale Gerinnung

Die DIC ist keineswegs pathognomonisch für Infektionen, sondern kann auch durch onkologische Erkrankungen, Traumen, Verbrennungen, Fehltransfusionen oder schwere Organdysfunktionen, z. B. Leberversagen und Pankreatitis, ausgelöst werden. Sie stellt die schwerste Ausprägung einer infektionsbedingten Gerinnungsstörung dar. Die zugrunde liegende Pathophysiologie ist komplex und nur unvollständig verstanden. Ihr übergeordneter Mechanismus ist die Störung des Gleichgewichts aus pro- und antikoagulatorischen Faktoren. Dabei können gleichzeitig eine überschießende Gerinnungsaktivität mit ausgedehnten intravaskulären Fibrinablagerungen und disseminierten (Mikro-)Thrombosen in verschiedenen Organen und eine Blutungsneigung vorliegen. Die DIC ist die schwerste Form einer infektionsbedingten Gerinnungsstörung Die überschießende Gerinnung wird durch 3 wesentliche Entzündungsmechanismen vermittelt [23]: Wichtigster Faktor ist das Hochregulieren prokoagulatorischer Signalwege v. a. durch die zytokinvermittelte Induktion des TF-Signalwegs (TF: „tissue factor“). TF wird auf der Oberfläche von Endothelzellen, Monozyten, dendritischen Zellen und Thrombozyten exprimiert. Er aktiviert den Gerinnungsfaktor VII und löst so über die extrinsische Gerinnungskaskade die Thrombinbildung aus. Das Monozyten-Makrophagen-System scheint dabei eine zentrale Rolle zu spielen. Antikoagulatorische Faktoren, wie Protein C, werden gehemmt und verbraucht. Die Fibrinolyse, und somit der Abbau von Mikrothromben, wird gehemmt. Durch thrombotische Gefäßverschlüsse kommt es zu Hautnekrosen und Organdysfunktionen unterschiedlicher Ausprägung bis zum therapierefraktären Multiorganversagen [MODS („multiple organ dysfunction syndrome“), [30]]. Neben thrombotischen Komplikationen entwickeln sich auch diffuse Blutungen in Haut, Schleimhäuten und einer Vielzahl anderer Organe [14]. Auslöser hierfür sind die verminderte Synthese und der vermehrte Verbrauch von Gerinnungsfaktoren und Thrombozyten. Durch dieses parallele Auftreten von thrombembolischen und hämorrhagischen Komplikationen ist das klinische Bild der DIC hochvariabel. Mit der Erkrankung werden häufig v. a. gramnegative Erreger in Verbindung gebracht [15]. Allerdings ist ihre Inzidenz bei Infektionen mit grampositiven Erregern vergleichbar hoch [14]. Die DIC tritt bei 25–50% der Erwachsenen mit Sepsis auf [30]. Neben bakteriellen Pathogenen kann sie auch durch Infektionen durch Parasiten [18] oder Viren [25] verursacht werden (Tab. 1, Tab. 2, Tab. 3).
Pathogener ErregerKlinikKlinische BesonderheitenDiagnostik
Masernvirus

Petechien

Palpable Purpura

Hämorrhagien

Biphasischer Verlauf

Hämorrhagien auch bei milden Verläufen möglich

Serologie
ZMV

Palpable Purpura

HSS

„blueberry muffin baby“ bei konnataler Infektion

Risikofaktoren Immunsuppression und Neugeborene

Serologie

Zellkultur

PCR (EDTA-Blut, Serum)

Antigen (Urin)

EBV

Palpable Purpura

Hämorrhagien

Trias der infektiösen Mononukleose: Fieber – Tonsillitis – generalisierte Lymphadenopathie

Serologie

PCR (EDTA-Blut, Serum)

VZV

Hämorrhagien

Purpura fulminans

Wichtigste Differenzialdiagnose: bakterielle Superinfektion mit Streptococcus pyogenes

Serologie

PCR (Hauteffloreszenz)

Evtl. Zellkultur

HSV

Purpura fulminans

Hämorrhagien (v. a. bei konnataler Infektion)

Risikofaktoren Immunsuppression und Neugeborene

Zellkultur

PCR (Hauteffloreszenz)

Rötelnvirus

Palpable Purpura

„blueberry muffin baby“ bei konnataler Infektion

Meist selbstlimitierende Purpura

Schwere Verläufe bei Neugeborenen

Serologie

Evtl. Zellkultur oder PCR

Coxsackieviren (A4, A9, B5)

Petechien

Palpable Purpura

Milde fieberhafte Exantheme

Sommergrippe

Zellkultur

PCR (respiratorische Sekrete, Stuhl, Hautbiopsat)

Echoviren (4, 9,16)

Petechien

Palpable Purpura

Milde fieberhafte Exantheme

Sommergrippe

Zellkultur

PCR (respiratorische Sekrete, Stuhl, Hautbiopsat)

Parvovirus B19

Petechien

Palpable Purpura

HSS

„blueberry muffin baby“ bei konnataler Infektion

Milde fieberhafte Exantheme

HSS bevorzugt bei jungen Erwachsenen

Serologie

PCR (EDTA-Blut, Serum, Hautbiopsat)

HAV, HBV, HCV

Petechien

Palpable Purpura

HSS

Hepatitis

Serologie

PCR (EDTA-Blut, Serum)

AdenovirenSepsisassoziierte Purpura fulminansSchweres Krankheitsgefühl

Zellkultur

PCR (EDTA-Blut, Serum)

Rotaviren

Petechien

Palpable Purpura

Seltene Verlaufsform

Antigentest (Stuhl)

PCR (Stuhl, Hautbiopsat)

RSV

Petechien

Palpable Purpura

Untere Atemwegsinfektion

Antigentest (respiratorische Sekrete)

PCR (respiratorische Sekrete, Hautbiopsat)

Hantaviren (Puumala-, Dobrava-, Belgradvirus)Hämorrhagisches Fieber Interstitielle Nephritis

Serologie ab Tag 5 (Speziallabor)

Evtl. PCR (Blut)

CMV Zytomegalievirus, EBV Epstein-Barr-Virus, EDTA Ethylendiamintetraessigsäure, HAV, HBV, HCV Hepatitis-A-/-B-/-C-Virus, HSS Handschuh-Socken-Syndrom, HSV Herpes-simplex-Virus, PCR Polymerasekettenreaktion, RSV „respiratory syncytial virus“, VZV Varizella-zoster-VirusaPetechien, Hämorrhagien, Ekchymosen

Pathogener ErregerKlinikKlinische BesonderheitenDiagnostik
Gelbfiebervirus

VHF

(Südamerika, Panama, Afrika)

Plötzlich hohes Fieber (2 Spitzen/Tag)

Relative Bradykardie

Hepatitis

Nephritis

Serologie ab Tag 7 (Speziallabor)

Evtl. PCR

Zellkultur (Blut)

Denguevirus

Petechien

VHF bei Zweiterkrankung

(Mittel-, Südamerika, Afrika, indischer Subkontinent, Südostasien)

Plötzlich hohes Fieber

Hepatomegalie

Thrombozytopenie

Hämatokrit ↑

Schock

Serologie ab Tag 5 (Speziallabor)

Evtl. PCR (Blut, nur in den ersten Tagen)

Chikungunyavirus

Selten VHF

(Afrika, indischer Kontinent, Südostasien, Italien)

Grippeähnlich mit heftigen Arthralgien großer Gelenke

Serologie ab Tag 4 (Speziallabor)

Evtl. PCR (Blut)

„Rift valley fever virus“

Selten VHF

(Afrika, Naher Osten)

Dengueähnlich, in 10% Retinitis, evtl. fulminante Hepatitis

Serologie ab Tag 6 (Speziallabor)

Evtl. PCR (Blut)

„Crimean Congo fever virus“

VHF

(Afrika, Südosteuropa, Naher Osten, Zentralasien, indischer Subkontinent)

Mensch-zu-Mensch-Übertragung möglich

Kapillarleck mit Gesichtsschwellung, Flush

Ausgeprägte Myalgien

Serologie ab Tag 5 (Speziallabor)

Evtl. PCR (Blut)

Lassa-, Marburg-, Ebolavirus

VHF

(Afrika)

Fulminante Verläufe mit hoher Letalität

Serologie (Hochsicherheitslabor)

Evtl. PCR (Blut)

„Omsk haemorrhagic fever virus“

VHF

(Russland)

Papulovesikulöses ExanthemSerologie (Speziallabor)
„Kyasanur forest virus“

VHF

(Indien, Saudi-Arabien)

Grippeähnlich

Im Verlauf Enzephalitis

Serologie (Speziallabor)
„O’nyong-nyong virus“

Selten VHF

(Afrika)

Heftige Kopf- und GelenkschmerzenSerologie (Speziallabor)
„Ross river virus“

Selten VHF

(Ozeanien)

Polyarthritis

Serologie ab Tag 5 (Speziallabor)

Evtl. PCR (Blut, Synovialflüssigkeit)

Sindbisvirus

Selten VHF

(Nordeuropa, China, Australien, Südafrika)

Grippeähnlich, evtl. EnzephalitisSerologie ab Tag 8 (Speziallabor)
„Colorado tick fever virus“

Selten VHF

(Nordamerika)

Grippeähnlich, biphasischer Verlauf

Serologie (Speziallabor)

PCR (Blut)

Arenaviren (Junin-, Machupo-, Guanaritovirus)

VHF

(Südamerika)

Gradueller Beginn, IntentionstremorSerologie (Speziallabor)
Hantaviren (Hantaan-, Puumala-, Seoul-, Dobrava-, Belgradvirus)

Hämorrhagisches Fieber

(Europa, Asien)

Interstitielle Nephritis

Serologie ab Tag 5 (Speziallabor)

Evtl. PCR (Blut)

PCR Polymerasekettenreaktion, VHF virales hämorrhagisches FieberaPetechien, Hämorrhagien, Ekchymosen

Pathogener ErregerKlinikKlinische BesonderheitenDiagnostik
Infektionserkrankungen durch Parasiten/Würmer
Malaria (Plasmodium falciparum)

Petechien

Palpable Purpura

Hämorrhagien

IKZ 5 Tage bis Monate

Initial grippeähnlich, hohes Fieber, Schüttelfrost, evtl. gastrointestinale Symptome

Im Verlauf Multiorganversagen möglich

Dicker Tropfen

Blutausstrich

Antigentest (EDTA-Blut)

Viszerale Leishmaniasis (Leishmania donovani)Petechien

IKZ 10 Tage bis 10 Jahre

Ausgeprägte Hepatosplenomegalie

Serologie

Mikroskopie

Zellkultur

PCR (EDTA-Blut; Knochenmark)

Toxoplasma gondii Palpable Purpura (v. a. konnatale Infektion)

IKZ 10 bis 23 Tage

Risikofaktoren Immunsuppression, Neugeborene

Hepatopathie mit Ikterus, interstitielle Pneumonie, Myokarditis, Enzephalitis, evtl. Chorioretinitis

Serologie

PCR

Strongyloides stercoralis

Lineare Purpura

Purpura-fulminans-ähnlich

IKZ 3 bis 4 Wochen

Risikofaktor Immunsuppression

Differenzialdiagnose: Verschleppung von Darmbakterien bei Larvenwanderung

Serologie

Mikroskopie (Stuhl, Duodenalflüssigkeit, Biopsat)

PCR

Acanthamoeba spp.Palpable Purpura

IKZ unbekannt

Risikofaktor Immunsuppression

Serologie

PCR

Trichinella spiralis Hämorrhagien

IKZ 1 bis 2 Wochen

Splitterförmige Einblutungen unter den Nägeln, Muskelschmerzen, Lid- und Gesichtsschwellungen, evtl. Meningitis, Myokarditis

Eosinophilie

Serologie

Mikroskopie (Muskelbiopsat)

Infektionserkrankungen durch Mykosen
Candida spp.

Sepsisassoziierte Purpura fulminans (auch als konnatale Infektion)

Ekchymosen

Risikofaktoren Immunsuppression, Neugeborene (v. a. Frühgeborene), Neutropenie, zentrale KatheterKultur (Blut, Hautbiopsat)
Aspergillus spp.

Sepsisassoziierte Purpura fulminans

Ekchymosen

Risikofaktoren Immunsuppression (v. a. Neutropenie)Kultur (Blut, Hautbiopsat)
Mucor spp.

Petechien

Purpura

Ekchymosen

Risikofaktoren Immunsuppression (v. a. Neutropenie)

Schlechte Prognose

Kultur (Blut, Hautbiopsat)
Cryptococcus spp.Selten palpable Purpura

Risikofaktoren Immunsuppression (v. a. Neutropenie)

Immer Meningitis ausschließen

Kultur, Antigen (Serum, Liquor)

EDTA Ethylendiamintetraessigsäure, IKZ Inkubationszeit, PCR Polymerasekettenreaktion

aPetechien, Hämorrhagien, Ekchymosen

Neugeborene und Säuglinge mit DIC zeigen im Vergleich zu älteren Kindern ein besonders hohes Blutungsrisiko [29]. Dafür werden niedrigere Serumkonzentrationen von Vitamin-K-abhängigen Gerinnungsfaktoren (X, IX, VII, II) und gerinnungshemmenden Substanzen, eine reduzierte Thrombinsynthese und geringere Aktivierbarkeit von Thrombozyten bei Neugeborenen und Säuglingen verantwortlich gemacht (Abb. 1 a).
Petechien Palpable Purpura Hämorrhagien Biphasischer Verlauf Hämorrhagien auch bei milden Verläufen möglich Palpable Purpura HSS „blueberry muffin baby“ bei konnataler Infektion Serologie Zellkultur PCR (EDTA-Blut, Serum) Antigen (Urin) Palpable Purpura Hämorrhagien Serologie PCR (EDTA-Blut, Serum) Hämorrhagien Purpura fulminans Serologie PCR (Hauteffloreszenz) Evtl. Zellkultur Purpura fulminans Hämorrhagien (v. a. bei konnataler Infektion) Zellkultur PCR (Hauteffloreszenz) Palpable Purpura „blueberry muffin baby“ bei konnataler Infektion Meist selbstlimitierende Purpura Schwere Verläufe bei Neugeborenen Serologie Evtl. Zellkultur oder PCR Petechien Palpable Purpura Milde fieberhafte Exantheme Sommergrippe Zellkultur PCR (respiratorische Sekrete, Stuhl, Hautbiopsat) Petechien Palpable Purpura Milde fieberhafte Exantheme Sommergrippe Zellkultur PCR (respiratorische Sekrete, Stuhl, Hautbiopsat) Petechien Palpable Purpura HSS „blueberry muffin baby“ bei konnataler Infektion Milde fieberhafte Exantheme HSS bevorzugt bei jungen Erwachsenen Serologie PCR (EDTA-Blut, Serum, Hautbiopsat) Petechien Palpable Purpura HSS Serologie PCR (EDTA-Blut, Serum) Zellkultur PCR (EDTA-Blut, Serum) Petechien Palpable Purpura Antigentest (Stuhl) PCR (Stuhl, Hautbiopsat) Petechien Palpable Purpura Antigentest (respiratorische Sekrete) PCR (respiratorische Sekrete, Hautbiopsat) Serologie ab Tag 5 (Speziallabor) Evtl. PCR (Blut) CMV Zytomegalievirus, EBV Epstein-Barr-Virus, EDTA Ethylendiamintetraessigsäure, HAV, HBV, HCV Hepatitis-A-/-B-/-C-Virus, HSS Handschuh-Socken-Syndrom, HSV Herpes-simplex-Virus, PCR Polymerasekettenreaktion, RSV „respiratory syncytial virus“, VZV Varizella-zoster-VirusaPetechien, Hämorrhagien, Ekchymosen VHF (Südamerika, Panama, Afrika) Plötzlich hohes Fieber (2 Spitzen/Tag) Relative Bradykardie Hepatitis Nephritis Serologie ab Tag 7 (Speziallabor) Evtl. PCR Zellkultur (Blut) Petechien VHF bei Zweiterkrankung (Mittel-, Südamerika, Afrika, indischer Subkontinent, Südostasien) Plötzlich hohes Fieber Hepatomegalie Thrombozytopenie Hämatokrit ↑ Schock Serologie ab Tag 5 (Speziallabor) Evtl. PCR (Blut, nur in den ersten Tagen) Selten VHF (Afrika, indischer Kontinent, Südostasien, Italien) Serologie ab Tag 4 (Speziallabor) Evtl. PCR (Blut) Selten VHF (Afrika, Naher Osten) Serologie ab Tag 6 (Speziallabor) Evtl. PCR (Blut) VHF (Afrika, Südosteuropa, Naher Osten, Zentralasien, indischer Subkontinent) Mensch-zu-Mensch-Übertragung möglich Kapillarleck mit Gesichtsschwellung, Flush Ausgeprägte Myalgien Serologie ab Tag 5 (Speziallabor) Evtl. PCR (Blut) VHF (Afrika) Serologie (Hochsicherheitslabor) Evtl. PCR (Blut) VHF (Russland) VHF (Indien, Saudi-Arabien) Grippeähnlich Im Verlauf Enzephalitis Selten VHF (Afrika) Selten VHF (Ozeanien) Serologie ab Tag 5 (Speziallabor) Evtl. PCR (Blut, Synovialflüssigkeit) Selten VHF (Nordeuropa, China, Australien, Südafrika) Selten VHF (Nordamerika) Serologie (Speziallabor) PCR (Blut) VHF (Südamerika) Hämorrhagisches Fieber (Europa, Asien) Serologie ab Tag 5 (Speziallabor) Evtl. PCR (Blut) PCR Polymerasekettenreaktion, VHF virales hämorrhagisches FieberaPetechien, Hämorrhagien, Ekchymosen Petechien Palpable Purpura Hämorrhagien IKZ 5 Tage bis Monate Initial grippeähnlich, hohes Fieber, Schüttelfrost, evtl. gastrointestinale Symptome Im Verlauf Multiorganversagen möglich Dicker Tropfen Blutausstrich Antigentest (EDTA-Blut) IKZ 10 Tage bis 10 Jahre Ausgeprägte Hepatosplenomegalie Serologie Mikroskopie Zellkultur PCR (EDTA-Blut; Knochenmark) IKZ 10 bis 23 Tage Risikofaktoren Immunsuppression, Neugeborene Hepatopathie mit Ikterus, interstitielle Pneumonie, Myokarditis, Enzephalitis, evtl. Chorioretinitis Serologie PCR Lineare Purpura Purpura-fulminans-ähnlich IKZ 3 bis 4 Wochen Risikofaktor Immunsuppression Differenzialdiagnose: Verschleppung von Darmbakterien bei Larvenwanderung Serologie Mikroskopie (Stuhl, Duodenalflüssigkeit, Biopsat) PCR IKZ unbekannt Risikofaktor Immunsuppression Serologie PCR IKZ 1 bis 2 Wochen Splitterförmige Einblutungen unter den Nägeln, Muskelschmerzen, Lid- und Gesichtsschwellungen, evtl. Meningitis, Myokarditis Eosinophilie Serologie Mikroskopie (Muskelbiopsat) Sepsisassoziierte Purpura fulminans (auch als konnatale Infektion) Ekchymosen Sepsisassoziierte Purpura fulminans Ekchymosen Petechien Purpura Ekchymosen Risikofaktoren Immunsuppression (v. a. Neutropenie) Schlechte Prognose Risikofaktoren Immunsuppression (v. a. Neutropenie) Immer Meningitis ausschließen EDTA Ethylendiamintetraessigsäure, IKZ Inkubationszeit, PCR Polymerasekettenreaktion aPetechien, Hämorrhagien, Ekchymosen

Fieber plus Petechien als Warnzeichen der Meningokokkensepsis

Patienten mit Fieber und Petechien stellen eine diagnostische und therapeutische Herausforderung dar. Während beim Vollbild der Meningokokkensepsis (Waterhouse-Friderichsen-Syndrom, s. unten) die intensivmedizinischen Aspekte im Vordergrund der Therapie stehen, bereiten die weitaus häufigeren Patienten mit Petechien, Fieber und gutem Allgemeinzustand in der Differenzialdiagnose die größeren Schwierigkeiten. Zum Prozedere bei Letzteren gibt es keinen generell akzeptierten Konsens. Eine Befragung von über 800 Pädiatern ergab beachtliche Unterschiede im diagnostischen und therapeutischen Vorgehen [19]. Die Prävalenz einer Meningokokkenerkrankung bei der Konstellation Fieber plus Petechien betrug in pro- und retrospektiven Untersuchungen zwischen 5 und 15%. Insgesamt wurden invasive bakterielle Erkrankungen bei diesen klinischen Symptomen bei 8–20% der Patienten nachgewiesen [2, 6, 20, 27]. Eine prospektive Studie zum Risiko einer invasiven Meningokokkeninfektion bei Kindern unter 16 Jahren mit Petechien ergab eine gesicherte oder wahrscheinliche Meningokokkenerkrankung in 13% der Fälle [28]. Interessanterweise waren in dieser Studie bei der Diagnosestellung 5 von 24 Kindern (20%) afebril, und weitere 20% hatten eine Körpertemperatur < 38,6°C. Fieber und Petechien bei Kindern liegen am häufigsten Virusinfektionen zugrunde Die häufigste zugrunde liegende Ursache bei Kindern mit Fieber und Petechien sind selbstlimitierende virale Infektionen durch beispielsweise Echo-, Coxsackie- oder Adenoviren (Tab. 1). Insbesondere zu Beginn der Erkrankung gibt es keine sicheren klinischen Zeichen oder Laborparameter, die zuverlässig die Unterscheidung zwischen einer invasiven bakteriellen und einer viralen Infektion ermöglichen. Eine aktuelle retrospektive Analyse an über 400 Kindern mit Meningokokkeninfektionen ergab, dass 49% der Patienten nach dem ersten Arztkontakt wieder nach Hause entlassen wurden [26]. In Tab. 4 sind häufige Probleme zusammengefasst, die bei Meningokokkenerkrankungen zu einer falschen oder verspäteten Diagnose führen.
Klinisches Zeichen Häufigkeit Fehlinterpretation
Übelkeit/Erbrechen76% vor Hospitalisierung [26]Gastroenteritis
Fehlendes FieberBei Hospitalisierung in 40% < 38,6°C [28]Übersehen der Erkrankung
Fehlende Effloreszenzen40% bei Hospitalisierung (v. a. Säuglinge) [26]
Fehlende meningeale Reizzeichen25–38% bei Hospitalisierung [12, 16]
Respiratorische Symptome24% innerhalb der vorangehenden 2 Wochen [26]Viraler Infekt
Ausschließlich wegdrückbare Effloreszenzen13% bei Hospitalisierung [17]
Krampfereignis10% vor der Aufnahme [26]Fieberkrampf

aIn Abhängigkeit von ihrer Häufigkeit

aIn Abhängigkeit von ihrer Häufigkeit Die invasive Meningokokkeninfektion verläuft typischerweise als Sepsis mit oder ohne Beteiligung der Meningen [21]. Selten sind rein meningitische Verläufe, die nicht die Kriterien für eine systemische Inflammation (SIRS: „systemic inflammatory response syndrome“) und damit auch nicht die Diagnosekriterien einer Sepsis erfüllen; die Diagnosekriterien sind in Tab. 5 dargestellt.
SIRS Diagnose bei 2 von 4 erfüllten Kriterien; abnorme Körpertemperatur oder pathologische Leukozytenzählung obligat zur DiagnosestellungKörperkerntemperatur> 38,6°C oder < 36°C
Tachykardie

Mittlere Herzfrequenz > 2 Standardabweichungen über Altersnorm, bei Neugeborenen auch Bradykardie im Sinne einer mittleren Herzfrequenz < 10. Altersperzentile

Nicht anwendbar bei Vitium cordis oder Medikamenteneinfluss

Tachypnoe

Mittlere Atemfrequenz >2 Standardabweichungen über Altersnorm oder mechanische Beatmung

Nicht anwendbar bei neuromuskulärer Grunderkrankung oder Allgemeinanästhesie

LeukozytenErhöhung oder Erniedrigung der Leukozytenzahlen in Bezug auf altersabhängige Normwerte oder über 10% Linksverschiebung
Sepsis SIRS plus vermutete oder nachgewiesene InfektionSchwere SepsisSepsis plus 1 weiteres ZeichenKardiovaskuläre Dysfunktion
ARDS
Mindestens 2 Organdysfunktionen
Septischer SchockSepsis und anhaltende kardiovaskuläre Dysfunktion trotz Volumenbolus (40 ml/kg/h isotonisch)

ARDS „acute respiratory distress syndrome“, SIRS „systemic inflammatory response syndrome“

Das Auftreten einer Meningitis ist von prognostischer Bedeutung: So gehen die häufigeren Sepsisverläufe ohne Meningitis im Vergleich zu meningitischen Verläufen mit einer bis zu 4-fach erhöhten Letalität (bis 40%) einher. Die dramatischste Form der Meningokokkensepsis mit fulminantem Kreislaufversagen und unkontrolliert fortschreitender disseminierter intravasaler Gerinnung wird als Purpura fulminans oder Waterhouse-Friderichsen-Syndrom bezeichnet (Abb. 1 b). Bei ihr beträgt die Zeitspanne zwischen Symptombeginn und letalem Ausgang z. T. nur wenige Stunden. Mittlere Herzfrequenz > 2 Standardabweichungen über Altersnorm, bei Neugeborenen auch Bradykardie im Sinne einer mittleren Herzfrequenz < 10. Altersperzentile Nicht anwendbar bei Vitium cordis oder Medikamenteneinfluss Mittlere Atemfrequenz >2 Standardabweichungen über Altersnorm oder mechanische Beatmung Nicht anwendbar bei neuromuskulärer Grunderkrankung oder Allgemeinanästhesie ARDS „acute respiratory distress syndrome“, SIRS „systemic inflammatory response syndrome“ Die unspezifischen Prodromi der invasiven Meningokokkeninfektion sind Fieber, Übelkeit, Erbrechen und Lethargie. Bei der Meningokokkenmeningitis kommt es darüber hinaus typischerweise zu Kopfschmerzen, Photophobie, Vigilanzminderung und meningealen Reizzeichen. Frühsymptome der septischen Verlaufsform sind Gliederschmerzen, zunehmende Apathie und eine beginnende Kreislaufzentralisation, die sich in einem auffällig blassen oder gräulichen Hautkolorit, kalten Extremitäten und einer verzögerten Rekapillarisierung äußert. Das hämorrhagische Exanthem tritt relativ früh im Krankheitsverlauf auf. In einer prospektiven epidemiologischen Studie wurden alle Meningokokkenerkrankungen der Niederlande von 2002–2005 untersucht, wobei sich ein medianes Auftreten der Effloreszenzen 11 h nach Einsetzen erster Symptome ergab [9]. Es handelt sich dabei somit oft um das erste spezifische Krankheitssymptom und den Grund der ärztlichen Vorstellung des Kindes durch die Eltern. Bei hämorrhagischen Effloreszenzen wird histologisch in der Regel eine leukozytoklastische Vaskulitis mit Mikrothrombosen nachgewiesen [10]. Da Meningokokken auch in Endothelzellen und lokalen Leukozyten gefunden werden, kann die Biopsie frischer Hautläsionen zum Nachweis der Bakterien dienen. Retrospektive Analysen ergaben, dass 60–90% aller Kinder mit Meningokokkenmeningitis im Verlauf ein Exanthem entwickeln [16, 26]. Allerdings können die zu Beginn einer Meningokokkensepsis makulopapulös imponierenden Effloreszenzen die Abgrenzung zu einem viralen Exanthem mitunter unmöglich machen [11]. Im Rahmen der Gerinnungsstörung als Folge der systemischen Inflammation schreitet das Exanthem jedoch rasch über die Sequenz Petechien, größere Purpura mit schließlich dunkel-livider Verfärbung und letztlich hämorrhagische Nekrosen fort [7]. Es ist indes von praktischer Bedeutung, dass neben Meningokokken auch andere bakterielle, virale oder parasitäre Erreger ein hämorrhagisches Exanthem bis hin zur Purpura fulminans verursachen können (Tab. 1, Tab. 2, Tab. 3, Tab. 6). Aus diesem Grund muss die initiale Antibiotikatherapie breit gewählt werden, wenn die Mikroskopie des Liquors keinen eindeutigen Befund für Meningokokken ergibt.
Pathogener ErregerKlinikKlinische BesonderheitenDiagnostik
Infektionserkrankungen durch Bakterien mit Sepsis
Neisseria meningitidis

Petechien

Palpable Purpura

Purpura fulminans

Nach Meningitistrias suchen: Fieber – Kopfschmerzen – Meningismus

Waterhouse-Friderichsen-Syndrom

Kultur (Blut, Liquor, Hauteffloreszenz)

Antigen

PCR (Liquor)

Streptococcus pneumoniae

Petechien

Purpura fulminans

Vor allem im Kleinkindalter auftretend

Waterhouse-Friderichsen-Syndrom möglich

Kultur (Blut, Liquor, Pleuraflüssigkeit, Hauteffloreszenz)

Antigen

PCR in Liquor, Pleuraflüssigkeit, Urin

Haemophilus influenzae

Petechien

Purpura fulminans

Vor allem im Säuglings- und Kleinkindalter auftretend

Waterhouse-Friderichsen-Syndrom möglich

Kultur (Blut, Liquor, Hauteffloreszenz)

Antigen

PCR in Liquor

Streptococcus pyogenes

Petechien

Palpable Purpura

Purpura fulminans

Ekchymosen

Nekrotisierende Fasziitis und Streptokokkentoxinschocksyndrom als potenzielle KomplikationenKultur (Blut, Hauteffloreszenz)
Staphylococcus aureus

Purpura fulminans

Petechien bei Endokarditis

Nach Eintrittspforten suchen

Risikofaktor Vitium cordis

Kultur (Blut, Hauteffloreszenz)
Enterococcus spp., Streptoccous viridans Petechien bei EndokarditisRisikofaktor Vitium cordis Kultur (Blut, Hauteffloreszenz)
Klebsiella spp., Proteus mirabilis, Enterobacter spp., Escherichia coli, Serratia marcescens, Aeromonas hydrophila, Vibrio vulnificus, Capnocytophaga canimorsus, Salmonella typhi

Petechien

Purpura fulminans

Fulminante Verläufe gefürchtetKultur (Blut, Hauteffloreszenz; bei Salmonella typhi auch Stuhl, Knochenmark)
Pseudomonas aeruginosa

Petechien

Purpura fulminans

Ekchymosen

Risikofaktoren Immunsuppression und nosokomiale InfektionKultur (Blut, Hauteffloreszenz)
Rattenbissfieber (Streptobacillus moniliformis + Spirillum minus)

Zoonose mit Petechien

Purpura fulminans

Zoonose (Ratten, Mäuse, Hamster)

Kultur (Blut, Hauteffloreszenz – Streptobacillus moniliformis)

Mikroskopie (Blut, Hauteffloreszenz – Spirillum minus)

Infektionserkrankungen durch Bakterien mit Purpura
Neisseria gonorrhoeae Konnatale Infektion mit Petechien, palpabler Purpura

Nur bei konnataler Infektion

Mukopurulente Ophthalmia neonatorum

Kultur (Blut, Hauteffloreszenz)
Yersinia spp.Palpable PurpuraRisikofaktoren Immunsuppression, Eisenüberladung, Diabetes mellitus

Kultur (Blut, Hauteffloreszenz, Stuhl)

Serologie

Campylobacter jejuni Palpable PurpuraRisikofaktor AntikörpermangelsyndromeKultur (Blut, Hauteffloreszenz, Stuhl)
Salmonella spp.Palpable PurpuraRisikofaktoren Säuglinge, hämolytische Anämien, ImmunsuppressionKultur (Blut, Hauteffloreszenz, Stuhl)
Shigella spp.Palpable Purpura

Seltene Verlaufsform

Risikofaktor Malnutrition

Kultur (Blut, Hauteffloreszenz, Stuhl)
Moraxella spp.

Petechien

Palpable Purpura

Seltene Verlaufsform

Risikofaktor Immunsuppression

Kultur (Blut, Hauteffloreszenz)
Bartonellen spp.

Petechien

Palpable Purpura

Seltene Verlaufsform

Risikofaktoren Immunsuppression, Endokarditis, obdachloser Alkoholiker

Serologie

PCR (Hautbiopsie)

Kultur (Blut, Hauteffloreszenz; nur in Speziallabors)

Ehrlichia spp.

Petechien

Palpable Purpura

Seltene Verlaufsform

Oft mit Thrombozytopenie, Leukozytopenie und Linksverschiebung

Kultur

PCR (Blut)

Serologie

Brucella spp.Palpable Purpura

Meist importierte Fälle

Risikofaktor unpasteurisierte Milchprodukte, direkter Tierkontakt

Kultur (Blut, Hautbiopsie, Knochenmark)

Serologie

Listeria spp.Palpable Purpura (v. a. konnatale Infektion)Risikofaktor Immunsuppression (v. a. T-Zell-Defekte)Kultur (Blut, Hauteffloreszenz)
Treponema pallidum Konnatale Infektion mit palpabler Purpura Nur bei konnataler InfektionSerologie
Infektionserkrankungen durch Bakterien mit Petechien
Leptospira spp.

Petechien

Verbrauchskoagulopathie

Vor allem bei ikterischer Verlaufsform

In der Regel mit interstitieller Nephritis

Kultur (Blut, nur in der 1. Woche)

Serologie (ab Ende der 1. bis 2. Woche)

Rückfallfieber (Borrelia spp.)

Petechien

Verbrauchskoagulopathie

Überträger außereuropäische Zecken oder Körperläuse in armen Hochgebirgsregionen (wie Eritrea, Äthiopien)

Mikroskopie (Blut)

Serologie

Rickettsia spp. (Rickettsia conorii, Rickettsia typhi, Rickettsia prowazekii, Rickettsia rickettsii)

Petechien

Purpura

Verbrauchskoagulopathie

Überträger Zecken (meist außereuropäisch, aber auch in Südeuropa)

„Tache noir“ an der Bissstelle

Komplikation Myokarditis (mit schlechter Prognose)

Serologie

PCR (Hautbiopsie; evtl. Blut)

PCR Polymerasekettenreaktion

aPetechien, Hämorrhagien, Ekchymosen

Petechien Palpable Purpura Purpura fulminans Nach Meningitistrias suchen: Fieber – Kopfschmerzen – Meningismus Waterhouse-Friderichsen-Syndrom Kultur (Blut, Liquor, Hauteffloreszenz) Antigen PCR (Liquor) Petechien Purpura fulminans Vor allem im Kleinkindalter auftretend Waterhouse-Friderichsen-Syndrom möglich Kultur (Blut, Liquor, Pleuraflüssigkeit, Hauteffloreszenz) Antigen PCR in Liquor, Pleuraflüssigkeit, Urin Petechien Purpura fulminans Vor allem im Säuglings- und Kleinkindalter auftretend Waterhouse-Friderichsen-Syndrom möglich Kultur (Blut, Liquor, Hauteffloreszenz) Antigen PCR in Liquor Petechien Palpable Purpura Purpura fulminans Ekchymosen Purpura fulminans Petechien bei Endokarditis Nach Eintrittspforten suchen Risikofaktor Vitium cordis Petechien Purpura fulminans Petechien Purpura fulminans Ekchymosen Zoonose mit Petechien Purpura fulminans Kultur (Blut, Hauteffloreszenz – Streptobacillus moniliformis) Mikroskopie (Blut, Hauteffloreszenz – Spirillum minus) Nur bei konnataler Infektion Mukopurulente Ophthalmia neonatorum Kultur (Blut, Hauteffloreszenz, Stuhl) Serologie Seltene Verlaufsform Risikofaktor Malnutrition Petechien Palpable Purpura Seltene Verlaufsform Risikofaktor Immunsuppression Petechien Palpable Purpura Seltene Verlaufsform Risikofaktoren Immunsuppression, Endokarditis, obdachloser Alkoholiker Serologie PCR (Hautbiopsie) Kultur (Blut, Hauteffloreszenz; nur in Speziallabors) Petechien Palpable Purpura Seltene Verlaufsform Oft mit Thrombozytopenie, Leukozytopenie und Linksverschiebung Kultur PCR (Blut) Serologie Meist importierte Fälle Risikofaktor unpasteurisierte Milchprodukte, direkter Tierkontakt Kultur (Blut, Hautbiopsie, Knochenmark) Serologie Petechien Verbrauchskoagulopathie Vor allem bei ikterischer Verlaufsform In der Regel mit interstitieller Nephritis Kultur (Blut, nur in der 1. Woche) Serologie (ab Ende der 1. bis 2. Woche) Petechien Verbrauchskoagulopathie Mikroskopie (Blut) Serologie Petechien Purpura Verbrauchskoagulopathie Überträger Zecken (meist außereuropäisch, aber auch in Südeuropa) „Tache noir“ an der Bissstelle Komplikation Myokarditis (mit schlechter Prognose) Serologie PCR (Hautbiopsie; evtl. Blut) PCR Polymerasekettenreaktion aPetechien, Hämorrhagien, Ekchymosen

Differenzialdiagnostische Abgrenzung bei hämorrhagischen Effloreszenzen

In Abgrenzung zu Infektionen mit kutaner Manifestation gibt es viele nichtinfektiöse Ursachen von Hautblutungen, die sich wie oben angeführt in Koagulopathien, Thrombozytopathien und -penien sowie Vasopathien einteilen lassen. Exemplarisch seien die immunthrombozytopenische Purpura (ITP) als häufigste Ursache der kindlichen Thrombozytopenie und die Purpura Schönlein-Henoch (Abb. 1 c) als häufigste Vaskulitis im Kindesalter erwähnt. Anamnestisch und durch eine eingehende klinische Untersuchung lässt sich die breite Differenzialdiagnose von Hautblutungen stark eingrenzen. Zentrale Elemente der Anamnese sind hierbei neben allgemeinen Aspekten (Alter, Geschlecht, Vorerkrankungen und Medikation) die Erfassung der zeitlichen Dynamik und Lokalisation der Effloreszenzen, das Auftreten von Begleitsymptomen, insbesondere Fieber oder B-Symptomatik, und Hinweise für eine Blutungsneigung. Auch die Ernährung kann von Bedeutung sein, da schwere Malnutrition sowohl zu einer Koagulopathie (Mangel Vitamin-K-abhängiger Gerinnungsfaktoren) als auch zu einer Vasopathie (Skorbut) führen kann. Ergeben sich bei einem Patienten mit hämorrhagischen Effloreszenzen Hinweise auf eine zugrunde liegende Infektion, muss zügig eine Abwägung getroffen werden, ob es sich um eine selbstlimitierende, in der Regel virale, oder eine invasive bakterielle Infektion handelt. Dabei ist der klinische Gesamteindruck der erfahrenen Kinderärztin, des erfahrenen Kinderarztes unabdingbare Säule eines jeden diagnostischen und therapeutischen Algorithmus, denn kein Laborparameter besitzt einen ausreichenden negativ prädiktiven Wert – dies gilt auch für die Liquordiagnostik.

Differenzialdiagnostischer Algorithmus

Abb. 2 fasst den differenzialdiagnostischen Algorithmus beim Vorliegen hämorrhagischer Effloreszenzen zusammen. Bei hämorrhagischem Exanthem, Fieber und klinischen Zeichen einer Sepsis müssen umgehend eine Supportivtherapie im Sinne einer erweiterten „early goal-directed therapy“ (hämodynamische Stabilisierung, Sicherstellung von adäquater Sauerstoffversorgung und metabolischem Gleichgewicht) und eine antibiotische Behandlung eingeleitet werden. Für eine ausführliche Übersicht der Sepsistherapie sei auf aktuelle Literatur verwiesen [5]. Vor der ersten Gabe von Antibiotika muss neben der Abnahme von Blutkulturen eine Liquordiagnostik erfolgen, sofern keine Kontraindikationen (Thrombozytopenie < 30.000 G/l, fortgeschrittene DIC, ausgeprägte Kreislaufinstabilität, fokal-neurologische Zeichen, beginnende Einklemmungssymptomatik) gegen eine Lumbalpunktion vorliegen.
Grundsätzlich gilt, dass die Diagnostik, auch die Lumbalpunktion, die notwendige Therapie nicht nennenswert verzögern darf. Die erste Gabe des Antibiotikums soll innerhalb von 30–60 min nach Stellung der Verdachtsdiagnose erfolgen. Im häufigeren Fall eines Kindes mit Fieber und hämorrhagischen Effloreszenzen, aber gering oder nicht beeinträchtigtem Allgemeinzustand fällt die differenzialdiagnostische Abgrenzung viel schwerer. Verschiedene Studien befassten sich mit der Frage, welche Parameter in diesen Fällen gegen das Vorliegen einer Meningokokkenerkrankung sprechen [9, 20, 21, 26, 28]. Petechien von maximal 1 mm Durchmesser sowie die Begrenzung der Effloreszenzen auf das Einzugsgebiet der oberen Hohlvene sind klinische Zeichen, die für eine bakterielle Sepsis untypisch sind. Gibt es keine eindeutige mechanische Erklärung für die Effloreszenzen – wie beispielsweise das Auftreten von Stauungspetechien nach rezidivierendem Erbrechen (Abb. 1 d) – muss, mit dem Ziel den Schwergrad eines infektiösen Geschehens besser beurteilen zu können, immer eine Blutentnahme erfolgen. Hilfreiche Laborparameter, die eher für ein selbstlimitierendes virales Geschehen sprechen, sind normale Werte für CRP (C-reaktives Protein), Leukozyten- und Thrombozytenzahl sowie Gerinnungsparameter. Bei unbeeinträchtigtem Allgemeinzustand und nicht oder nur wenig pathologisch veränderten Laborparametern kann demnach zunächst auf eine Lumbalpunktion verzichtet werden. Allerdings muss bei diesen Patienten die Reevaluation des klinischen Verlaufs sichergestellt werden. Als einfache Schwellenwerte jenseits des 3. Lebensmonats können in diesen Fällen CRP-Werte von 20 mg/l oder 40 mg/l dienen, die einen negativ prädiktiven Wert von 99 und 95% haben [24]. Ein CRP > 100 mg/l ist, wenn keine eindeutige anderer Ursache identifiziert werden kann, bis zum Beweis des Gegenteils auf eine Meningitis verdächtig. Wegen der Dynamik systemischer bakterieller Infektionen können sämtliche Laborparameter im Frühstadium noch unverdächtig sein und müssen im Zweifel wiederholt erhoben werden (einschließlich der Liquorzellzahl und -mikrobiologie). Wenn in ambivalenten Fällen initial auf eine Lumbalpunktion verzichtet wird, ist eine stationäre Beobachtung mit wiederholter Reevaluation (Klinik und Labor) eine wichtige Maßnahme. Dringend abgeraten werden muss von einer empirischen Antibiotikatherapie ohne eindeutigen Fokus. Dieses Vorgehen birgt das Risiko inadäquat behandelter Meningitiden mit erheblicher Morbidität.

Besonderheiten bei Neugeborenen und Säuglingen

Der aufgeführte differenzialdiagnostische Algorithmus (Abb. 2) ist für Säuglinge nur mit Einschränkungen anwendbar, in der Neonatalperiode ist er nicht gültig. Wegen der unspezifischen klinischen Zeichen von Sepsis und Meningitis in den ersten 12, insbesondere aber in den ersten 3 Lebensmonaten sollte die Indikation für eine Lumbalpunktion großzügig gestellt werden. Bei Neugeborenen mit hämorrhagischen Effloreszenzen ist eine umfassende Diagnostik obligat Bei Neugeborenen mit hämorrhagischen Effloreszenzen unterscheidet sich die Differenzialdiagnose von der in anderen Altersgruppen. Da eine ernsthafte zugrunde liegende Erkrankung wahrscheinlich ist, muss eine umfassende Diagnostik erfolgen. Zunächst sollten, wie angeführt, Sepsis und Meningitis ausgeschlossen bzw. ggf. empirisch behandelt werden. Bei einer konnatal auftretenden Purpura muss differenzialdiagnostisch auch an eine extramedulläre Hämatopoese gedacht werden. Die Effloreszenzen imponieren in diesem Fall als dunkelblau-livide nicht wegdrückbare indurierte Papeln und treten disseminiert am gesamten Körper auf (sog. „blueberry muffin baby“, Abb. 1 e). Bis zur Einführung einer flächendeckenden Impfung war das Krankheitsbild meist Ausdruck von konnatalen Röteln. Heute stellt die intrauterine CMV-Infektion die häufigste infektiöse Ursache dar. Daneben können auch intrauterine Infektionen mit Parvovirus B19 oder Coxsackieviren ein ähnliches klinisches Bild bei Neugeborenen auslösen [3]. Darüber hinaus können nichtinfektiöse Ursachen wie Rhesusinkompatibilität oder Anämie infolge eines fetofetalen Transfusionssyndroms zu einer extramedullären Erythropoese mit dem klinischen Aspekt eines „blueberry muffin baby“ führen.

Fazit für die Praxis

Eine Vielzahl von bakteriellen, viralen oder parasitären Infektionserkrankungen kann mit hämorrhagischen Effloreszenzen einhergehen. Die wichtigste Differenzialdiagnose beim Vorliegen von Fieber und Petechien ist die fulminante bakterielle Sepsis. Die häufigste zugrunde liegende Ursache bei dieser Symptomkonstellation sind aber selbstlimitierende virale Infektionen. Klinische Parameter, die gegen das Vorliegen einer bakteriellen Sepsis sprechen, sind rein petechiale Effloreszenzen von maximal 1 mm Durchmesser sowie die Begrenzung der Petechien auf das Einzugsgebiet der oberen Hohlvene. Die Suche nach Petechien muss deshalb immer die unteren Extremitäten mit einschließen. Letztlich gibt es keine klinischen Zeichen oder Laborparameter, die beim Vorliegen von Petechien eine invasive bakterielle Infektion mit Sicherheit ausschließen können. Daher muss in Zweifelsfällen immer eine umfassende Diagnostik inklusive Lumbalpunktion erfolgen.
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Authors:  P A Brogan; A Raffles
Journal:  Arch Dis Child       Date:  2000-12       Impact factor: 3.791

2.  Features and outcome in meningococcal disease presenting with maculopapular rash.

Authors:  O Marzouk; A P Thomson; J A Sills; C A Hart; F Harris
Journal:  Arch Dis Child       Date:  1991-04       Impact factor: 3.791

Review 3.  Disseminated intravascular coagulation in sepsis.

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Journal:  Chest       Date:  2005-10       Impact factor: 9.410

4.  C-reactive protein is useful in distinguishing Gram stain-negative bacterial meningitis from viral meningitis in children.

Authors:  P Sormunen; M J Kallio; T Kilpi; H Peltola
Journal:  J Pediatr       Date:  1999-06       Impact factor: 4.406

Review 5.  The host response to sepsis and developmental impact.

Authors:  James Wynn; Timothy T Cornell; Hector R Wong; Thomas P Shanley; Derek S Wheeler
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6.  Fibrinolysis, inhibitors of blood coagulation, and monocyte derived coagulant activity in acute malaria.

Authors:  D Mohanty; K Ghosh; S K Nandwani; S Shetty; C Phillips; S Rizvi; B D Parmar
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Review 7.  International pediatric sepsis consensus conference: definitions for sepsis and organ dysfunction in pediatrics.

Authors:  Brahm Goldstein; Brett Giroir; Adrienne Randolph
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8.  Clinical data in children with meningococcal meningitis in a Spanish hospital.

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9.  Evaluation of febrile children with petechial rashes: is there consensus among pediatricians?

Authors:  D G Nelson; J Leake; J Bradley; N Kuppermann
Journal:  Pediatr Infect Dis J       Date:  1998-12       Impact factor: 2.129

10.  Pre-admission clinical course of meningococcal disease and opportunities for the earlier start of appropriate intervention: a prospective epidemiological study on 752 patients in the Netherlands, 2003-2005.

Authors:  S C de Greeff; H E de Melker; L M Schouls; L Spanjaard; M van Deuren
Journal:  Eur J Clin Microbiol Infect Dis       Date:  2008-05-21       Impact factor: 3.267

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